Xing-Aktie: Wie geht’s weiter nach dem LinkedIn-Deal?

Mit einem Paukenschlag hat sich Microsoft in der vergangenen Woche zu Wort gemeldet:

Der der Software-Riese hat die Übernahme des weltgrößten Karriere-Netzwerks LinkedIn bekannt gegeben. Der Zukauf ist dem Konzern immerhin 26 Mrd. Dollar wert.

Aber was bedeutet eigentlich der Deal für den Konkurrenten Xing, der in der deutschsprachigen Region immer noch die Nase vorn hat?

In einer ersten Reaktion zeigten sich die Anleger erfreut und schoben auch die Papiere des Rivalen Xing spürbar an.

Xing mit starkem Jahresauftakt

Im vergangenen Quartal hat das Karriere-Portal seinen Wachstumskurs beibehalten. Die Zahl der Mitglieder kletterte über die Marke von 10 Mio. In den ersten 3 Monaten des Jahres meldeten sich alleine 467.000 neue Mitglieder an und damit so viel wie noch nie in einem Quartal zuvor.

Für Sie zum Vergleich: Der international aktive US-Konkurrenz Linkedin überschritt zuletzt die Marke von 8 Mio. Mitgliedern im deutschsprachigen Raum.

Die Zahl der Nutzer mit einem kostenpflichtigen Premium-Abo stieg hingegen um rund 23.000 auf gut 903.000. Damit übertraf Xing bei diesem Wert wie auch beim Umsatz und operativen Gewinn die Erwartungen der Experten. Die Umsätze legten im Jahres-Vergleich um 17% auf 34,3 Mio. € zu.

Im Gegenzug kletterte der Gewinn von 4,1 auf 5,3 Mio. € (+29%). Im vergangenen Geschäftsjahr legte das Online-Portal beim Umsatz um 23% auf 123 Mio. € zu. Der Gewinn explodierte geradezu von 6,2 Mio. € auf 17,6 Mio. € in 2015.

B2B-E-Recruiting treibt das Wachstum

Der Hauptreiber für das Umsatz-Wachstums ist der Geschäftsbereich B2B-E-Recruiting. Hier werden die Umsätze aus der aktiven und passiven Bewerbersuche für freie Stellen erfasst. Gerade haben die Hamburger diesen Bereich mit dem Zukauf der Firma Eqipia gestärkt.

Der Anbieter ist Spezialist für automatisierte Mitarbeiter-Empfehlungen – eine Lösung, die von Firmen stark nachgefragt wird, weil sie über die Vorschläge der Mitarbeiter die oftmals kostspielige Suche nach geeigneten Kandidaten erheblich vereinfacht.

Xing will in diesem Jahr den lukrativen Bereich massiv ausbauen – durchaus auch mit weiteren Zukäufen.

Hohe Margen Dank Skalen-Effekte

Damit ist der Kernmarkt, den Xing bedient – Deutschland, Österreich und die Schweiz – noch lange nicht ausgereizt. Vielmehr sieht Xing ein weiteres Potenzial von bis zu 15 Mio. qualifizierten Arbeitnehmern.

Geld für die weitere Expansion hat Xing genug. Dank der hohen Skalen-Effekte erwirtschaftet Xing einen hohen Cashflow und eine operative Marge von 30%. Ende 2015 standen zudem rund 78 Mio. € liquide Mittel in der Bilanz.

Wie wahrscheinlich ist eine Übernahme von Xing?

Diese Frage haben sich nach dem LinkeIn-Deal wahrscheinlich viele Anleger gestellt. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass Microsoft den Markt irgendwann komplett konsolidieren möchte und auch Xing übernimmt. Denn Xing ist im deutschsprachigen Raum der Marktführer.

Wenn Sie jetzt die Preise ansetzen, die Microsoft für LinkeIn bezahlt hat (nämlich das 45-Fache der erwarteten 2017er-Gewinne bzw. das 35-Fache der bereinigten Gewinne in 2018), dann kommen Sie auf einen Unternehmenswert von Xing zwischen 227 und 247 € je Aktie.

Preisniveau mehr als sportlich

Klar ist eine Übernahme denkbar. Auch die Aktionärs-Struktur könnte einen möglichen Deal unterstützen, denn der Mehrheits-Eigner Burda hält immer noch 52% aller Aktien. Aber als Anleger sollten sie niemals nur auf eine Übernahme-Situation spekulieren.

Denn die gezahlten Transaktions-Multiples für LinkedIn erscheinen jenseits von Gut und Böse und sind keinesfalls eine Garantie, dass der Softwareriese nochmals solche Preise zu zahlen bereit ist.

Auch hier hilft ein Blick in die Vergangenheit: Mit großen Übernahmen hat sich Microsoft bislang noch keinen Gefallen getan. Ob Skype oder Nokia, die gezahlten Preise waren stets exorbitant, mussten aber Im Nachhinein meist kräftig abgeschrieben werden.

Das Geschäftsmodell von Xing ist zwar aussichtsreich, in das aktuelle Bewertungs-Niveau – Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 2016 von 40 – muss die Internet-Firma aber erst einmal reinwachsen.

21. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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