Xstrata und Glencore auf der Zielgeraden

Ein Deal zwischen dem weltgrößten Rohstoffhändler Glencore und dem weltweit viertgrößten Bergbau-Konzern Xstrata wird immer wahrscheinlicher.

Wie heute bekannt wurde, soll sich der Deal auf der Zielgeraden befinden und könnte bereits morgen offiziell sein. Klappt die „Fusion unter Gleichen“, entsteht ein Rohstoff-Gigant mit einer Marktkapitalisierung von 82 Mrd. Dollar. Gleichzeitig wäre der Deal, die mit Abstand größte Fusion seit langem.

Deal wird mit Glencore-Aktien bezahlt

Insider nennen schon erste Details zu dem Deal. Ein für beide Seiten akzeptabler Aktienpreis soll rund 8% über dem aktuellen Xstrata-Börsenkurs liegen. Zu bedenken ist jedoch, dass nicht in Cash bezahlt wird, sondern der Deal ein Aktientausch sein wird.

Aktueller Stand der Verhandlungen ist, dass Xstrata-Aktionäre je Anteilsschein 2,7-2,8 Glencore-Aktien erhalten. Offenbar nicht ganz das, was sich einige Spekulanten erhofft haben. Die Xstrata-Aktie kann heute nicht profitieren.

Tauschverhältnis scheint angemessen

Erste Xstrata-Aktionäre haben angekündigt, dass der Preis höher sein soll, wenn die beiden Konzerne eine Angebotsannahme wollen. Der Übernahme-Sensor bewertet den Deal jedoch als fair und unterstellt strategische Überlegungen, um den Preis nach oben zu trieben.

Einen deutlich höheren Preis wird es allerdings nicht geben und diejenigen, die jetzt nach mehr schreien, werden letztendlich trotzdem das Angebot annehmen.

Denn der Sinn des Deals steht außer Frage und der Aktientausch lässt die Xstrata-Aktionäre angemessen am Unternehmenserfolg teilhaben. Gleichzeitig wird berichtet, dass Xstrata die Mehrheit der Sitze im Vorstand erhalten soll.

Eines ist ohnehin klar: Sollte der Deal wegen „Pfennig-Fuchserei“ scheitern, dann werden sich die Xstrata-Aktionäre wünschen, dass sie das Tausch-Verhältnis von 2,7 angenommen hätten.

Es gibt keine Übernahme-Phantasie abseits von Glencore, da der potenzielle Fusionspartner über ein 34%-Aktienpaket an Xstrata hält. Der Aktienkurs würde daher bei einem Deal-Aus direkt auf Tauchstation gehen.

Fusion schafft Synergien und senkt Finanzierungskosten

Die Kombination der beiden Unternehmen schafft einen Rohstoffgiganten, der in etwa auf Augenhöhe mit den beiden australischen Konzernen BHP Billiton und Rio Tinto sowie der brasilianischen Vale liegt. Je nach Analyse-Haus werden die zu erwartenden Synergien des Deals auf bis zu 470. Mio. Dollar jährlich geschätzt.

Die hohen Synergien und die veränderte Struktur des neu entstehenden Konzerns würden sich laut Branchenkennern auch auf das Kredit-Rating auswirken. Es wird vermutet, dass die Rating-Agentur Standard and Poors die Kreditwürdigkeit anhebt.

Damit wird die Neu-Aufnahme von Krediten billiger und der Konzern könnte zu besseren Konditionen auf Einkaufstour gehen. Als mögliches Ziel sieht der Übernahme-Sensor den britischen Rohstoff-Konzern Anglo American, der schon 2009 auf der Xstrata-Einkaufsliste stand. Bis es dazu kommt, wird jedoch es jedoch noch ein wenig dauern.

Einen 82 Mrd. Dollar-Konzern schafft man nicht über Nacht. Erst wenn die neue Unternehmens-Struktur steht, wird es für Glencore/Xstrata im Übernahme-Geschäft weitergehen.

6. Februar 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt