Yahoo-Aktie: Mega-Deal mit Verizon verzögert sich weiter

Was lange währt, wird endlich gut – das wünschten sich zumindest die Anleger. Aber: Pustekuchen!

Obwohl sich der Verkaufs-Prozess des Internet-Urgesteins Yahoo an den Telekom-Riesen Verizon schon ewig hinzieht, ist immer noch kein Ende in Sicht.

Der Grund für die Verzögerungen ist zwar längst bekannt, aber dadurch nicht weniger schlimm:

Durch das Bekanntwerden des riesigen Hacker-Angriffs, bei dem im Jahr 2014 Daten mindestens 1/2 Mrd. Nutzerdaten gestohlen wurden, sind die Übernahme-Bedingungen nochmals auf den Prüfstand geraten.

Ermittlungen der Börsen-Aufsicht dauern an

Unterdessen schreiten die Untersuchungen der US-Börsen-Aufsicht SEC weiter voran.

Die Situation ist verzwickt. Denn wiederholt war Yahoo das Opfer eines Hacker-Angriffs geworden. Neben der Attacke in 2014 wurden bereits 1 Jahr zuvor massiv Nutzerdaten entwendet.

Nach SEC-Vorgaben müssen Unternehmen Hacker-Angriffe melden, sobald davon ausgegangen werden kann, dass diese Auswirkungen auf Investoren haben können.

Yahoo hatte noch Anfang September in einer Pflicht-Mitteilung zum Verizon-Deal geschrieben, dem Konzern sei kein relevanter Diebstahl von Kundendaten bekannt.

Besonders brisant: Erste Berichte über gestohlene Yahoo-Daten waren bereits im Juli aufgetaucht.

Verkauf für das 2. Quartal erwartet

Nach dem ganzen Hin und Her rechnet die Konzern-Führung jetzt damit, dass die Übernahme erst im kommenden Quartal über die Bühne gehen wird.

Sie müssen wissen: Bereits im Juli vereinbarte Verizon die Übernahme des Yahoo-Kerngeschäfts mit Online-Werbung, der Suchmaschine sowie Mail- und Messenger-Diensten für 4,8 Mrd. Dollar.

Sollte die Übernahme glücken, würden von Yahoo nur noch die Beteiligungen an der chinesischen Online-Plattform Alibaba und Yahoo Japan übrig bleiben, die zusammen zu Altaba umbenannt werden sollen.

Operativ über den Erwartungen

Inzwischen konnte der Internet-Konzern zumindest bei seiner Geschäfts-Entwicklung positive Nachrichten vermelden:

Im vergangenen Quartal landete Yahoo mit einer Umsatz-Steigerung von 15% auf 1,47 Mrd. Dollar nämlich über den Erwartungen der Analysten.

Auch beim Ergebnis gelang die Trendwende: Verbrannte der Technologie-Konzern im Vorjahr noch 4,43 Mrd. Dollar, so blieb jetzt ein schmaler Gewinn von 162 Mio. Dollar hängen.

Aber Sie müssen wissen: Im vergleichbaren Vorjahres-Zeitraum hatte eine 4,46 Mrd. Dollar schwere Sonder-Abschreibung auf verschiedene Geschäftsteile die Ergebnisse kräftig verzerrt.

Wenn Sie sich die Entwicklung im Detail ansehen, wird schnell klar, wo der Konzern wirklich sein Geld verdient: nicht mit dem rückläufigen Webgeschäft, sondern mit der 15%-Beteiligung an Alibaba.

Alibaba im Wachstums-Modus

Wenn Sie sich also die Yahoo-Aktie ansehen, müssen Sie sich zwangsläufig auch mit der Alibaba-Aktie befassen.

Der chinesische Internet-Riese ist weiter auf Wachstumskurs. Das belegen die aktuellen Geschäftszahlen:

Im Schlussquartal hat Alibaba seine Erlöse um immerhin 54% auf 7,7 Mrd. Dollar gesteigert.

Im Gegenzug kletterte der Nettogewinn um 38% auf 2,5 Mrd. Dollar in die Höhe – immerhin eine satte Gewinnmarge von 32%.

Für das aktuelle Geschäftsjahr hat der Internet-Riese seine Planungen gerade angehoben: Nach 48% Umsatz-Plus rechnet der Internet-Konzern jetzt mit 53% Zuwachs.

Nach den guten Zahlen zog der Alibaba-Kurs um knapp 8% an. Der Börsenwert des Konzerns liegt nach dem jüngsten Kurssprung mittlerweile bei 246 Mrd. Dollar.

Kein Wunder also, dass auch der Yahoo-Preis anzog. Die 15%-Beteiligung hat inzwischen einen Wert von knapp 37 Mrd. Dollar.

Dass Yahoo allerdings für den Verkauf seines Webgeschäfts wirklich die angestrebten 4,8 Mrd. Dollar erhalten wird, darf stark bezweifelt werden.

Viele Experten rechnen nun damit, dass Verizon nach den neuen Enthüllungen Preisnachlässe einfordert.

27. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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