Yahoo!-Verkauf: Verizon will Insidern zufolge nur für Web-Bereich bieten

Der Ausverkauf des ehemaligen Internet-Pioniers Yahoo geht in die entscheidende Phase. Der Konzern erwarte bis kommenden Montag die Offerten der verblieben Interessenten. Es ist die zweite Angebotsrunde nachdem eine erste Runde bereits am 18. April beendet wurde.

Zum Verkauf stehen verschiedene Unternehmensbereiche, darunter das Webgeschäft, Immobilien und auch Patente. Yahoo will möglichst viel losschlagen, am besten alles an einem Interessenten, doch der wichtigste Bieter, Telekom-Riese Verizon, dämpft die hohen Erwartungen an den Verkaufsprozess.

Gerücht von 3 Mrd. Dollar-Offerte für das Webgeschäft durchaus glaubhaft

Das Wall Street Journal erfuhr von Insidern, dass Verizon lediglich für das Web-Geschäft bieten will. Für diesen Bereich soll ein Angebot in der Größenordnung von 3 Mrd. Dollar auf den Tisch gelegt worden sein.

Die Größenordnung entspricht in etwa den Kalkulationen von Analysten, hinterlässt allerdings eine Menge Ungewissheit, was dann mit dem Rest der zum Verkauf gestellten Unternehmensteile passiert, deren Wert in Summe ebenfalls mit 3 Mrd. Dollar taxiert wurden.

Gesamterlös kann trotz möglicher schwacher erster Bieterrunde Erwartungen problemlos erreichen

Die Erwartungen an den Verkaufsprozess sind sehr hoch. Im April wurden in den Medien nicht selten Summen von bis zu 8 Mrd. Dollar genannt, Größenordnungen die von den meisten Analysten jedoch nicht geteilt wurden.

Ein erster Dämpfer lies dann auch nicht lange auf sich warten. Im Mai hieß es bereits gerüchteweise, dass der Verkaufsprozess wohl doch nicht der große Kassenschlager wird. Die Gebote würden sich im Bereich 2 bis 3 Mrd. Dollar bewegen.

Das ist möglich. Es muss aber berücksichtigt werden, dass diese Summen sich dann auf die erste Angebotsrunde bezogen haben. Kein cleverer Bieter geht direkt mit seiner maximalen Zahlungsbereitschaft ins Rennen.

Aus den 2 bis 3 Mrd. Dollar kann am Ende des Verkaufsprozesses locker noch die häufig genannten 6 Mrd. Dollar werden.

Aktie reagiert heute mit Abschlägen auf Verizon-Gerücht

Auch wenn noch nichts im Bieterverfahren fest steht: Wenn die Gerüchte stimmen und Verizon „nur“ für das Web-Geschäft bietet, dann ist das nicht förderlich für einen hohen Gesamterlös. Es ist gut möglich, dass die Markterwartungen verfehlt werden.

Nach Bekanntwerden der Insider-Informationen kann die Yahoo-Aktie nicht von einem leicht positivem Marktumfeld profitieren und verliert am Mittag im New Yorker-Handel 0,7% auf 36,80 Dollar.

Yahoo mit anspruchsvoller Bewertung: Wohin soll die Aktie steigen, wenn Erwartungen erfüllt werden?

Auf dem aktuellen Kursniveau zwischen 35 und 38 Dollar bewegt sich das Yahoo-Papier bereits seit Beginn des Verkaufsprozesses. Vorausgegangen war ein schneller 30%-Anstieg.

Danach kam es zu mehreren Negativ-Meldungen, die alle problemlos von der Aktie weggesteckt wurden. Verschiedene Finanz-Investoren sind in das Papier eingestiegen, offenbar um vom Verkaufsprozess zu profitieren.

Der Übernahme-Sensor ist dennoch skeptisch, ob der Plan aufgeht. Es ist sehr gut vorstellbar, dass auf einmal eine Menge Geld in kurzer Zeit aus der Aktie abgezogen wird, wenn die Erwartungen am Ende enttäuscht werden. Auf dem jetzigen Kursniveau sind die Argumente für ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis nicht stark genug.

7. Juni 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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