Yahoo-Verkaufsprozess: Schlechte Neuigkeiten für Verizon

Der Yahoo-Verkaufsprozess bleibt ausgesprochen spannend. Nachdem vor wenigen Tagen noch befürchtet, dass der angestrebte Verkaufserlös hinter den Erwartungen zurück bleibt, heißt es nun, dass es am Ende zu einer dicken Überraschung kommen könnte.

Denn Insider berichten, dass verschiedene Bieter einen Preis von über 5 Mrd. Dollar für die zum Verkauf gestellten Yahoo-Bereiche offeriert haben. Dieser Wert, ist schon einmal in der Nähe ursprünglicher Preisprognosen (6 Mrd. Dollar) und auch deutlich besser als das 3,5 Mrd. Dollar Teil-Angebot von Verizon.

Für den als am wahrscheinlichsten gehandelten Käufer sind das schlechte Neuigkeiten, zumal mit AT&T auch ein großer Konkurrent mehr geboten haben soll.

Vielzahl an Bietern in Runde 2 des Verkaufsprozesses

Bei dem Verkaufsprozess ist vieles unklar, da die Gebote natürlich geheim sind, doch sieht es den Gerüchten zufolge nicht danach aus als würde der Prozess der zuletzt befürchtete Rohrkrepierer werden.

Es heißt, dass in der zweiten Angebotsrunde etliche Interessenten an Bord geblieben sind. Neben den Telekom-Konzernen Verizon und AT&T sollen noch Gebote von den Finanzinvestoren TPG Capital, Bain Capital, Vista Capital und ein Konsortium um Quicken Loans abgegeben worden sein.

Yahoo-Aktie stemmt sich gegen den Markt

An der Börse kamen die Neuigkeiten gut an. Die Yahoo-Aktie verbuchte in einem leicht schwächeren Markt kleine Gewinne. Heute kann das Papier in einem sehr schwachen Marktumfeld etwas besser abschneiden.

Die Yahoo-Aktie hat auf Jahressicht allerdings nicht zulegen können. Ohne den Verkaufsprozess wäre die Aktie vermutlich deutlich im Minus geblieben. Von Juni 2015 bis Februar 2016 verlor das Papier fast 40%.

Yahoo verpasst Trends: Mehrjähriger Niedergang eines Internet-Dinos

Vom einstigen Internet-Pionier ist nicht mehr viel übrig geblieben. Das Unternehmen hat über Jahre hinweg wichtige Trends verpasst und zu spät auf die aufstrebende Konkurrenz reagiert. Immer wieder scheiterten Versuche, das Ruder herum zu reißen.

Zuletzt versuchte Marissa Meier mit einer Verjüngungskur wieder Boden gut zu machen. Meier verzeichnete zwar einige kleinere Erfolge, doch der erhoffte große Wurf blieb aus. Das führte dazu, dass Yahoo ins Fadenkreuz von aktivistischen Finanzinvestoren geriet, die dann auch den Verkaufsprozess anstießen.

Yahoo wird zur Investmentgesellschaft mit Schwerpunkt Asien

Wenn der Verkaufsprozess abgeschlossen ist, wird die neue Yahoo nicht mehr so sein wie früher. Das Kerngeschäft wird veräußert. Aus dem einstigen Suchmaschinenbetreiber ist dann mehr oder minder eine Investmentgesellschaft geworden, mit Beteiligungen an der chinesischen Alibaba und Yahoo-Japan.

Es wird bereits spekuliert, wie es mit den beiden Unternehmensbeteiligungen dann weiter geht. Gerüchteweise heißt es, dass der Japan-Ableger von Softbank übernommen werden könnte.

Der Telekom-Konzern verschafft sich aktuell Geld, „um die Bilanz zu sanieren“ – doch könnte dies nur ein Vorwand sein, um sich Yahoo Japan zu angeln.

10. Juni 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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