Yen-Aufwertung ist vorbei – Das sind die Signale der Charttechnik

Die Atomkatastrophe in Japan hält die Welt weiterhin in Atem. Die lückenhaften Informationen aus Fukushima lassen die Spekulationen über den wahren Zustand der havarierten Reaktoren ins Kraut schießen.

So werden mittlerweile auch Szenarien durchgespielt, die eine radioaktive Verstrahlung im Umkreis von 500 km rund um Fukushima als wahrscheinlich darstellen. Eine Kernschmelze nicht nur von einem Reaktor wird hierbei vorausgesetzt.

Ein derart negatives Szenario würde die globalen Finanzströme deutlich durcheinanderbringen. Japan ist ein globaler Geldgeber. Wie dann jedoch die Japaner reagieren werden, ist einfach unklar.

Die Katastrophe und ihre Folgen

Wird das Auslandskapital nach Japan gebracht? In unvorstellbaren Ausmaßen? Dann steigt der japanische Yen und das derzeit noch aktuelle Kursziel, die untere Begrenzung des breiten langfristigen Abwärtstrend-Kanals wird erreicht und aller Voraussicht nach auch unterschritten werden.

Aus Sicht der Charttechnik ist eine weitere Aufwertung des japanischen Yen weiterhin machbar. Denn der langfristige Abwärtstrend des US-Dollars ist intakt. Die aktuelle Erholung von den Tiefs ist der gemeinsamen Intervention der Notenbanken der G7-Staaten zu verdanken.

Die Candlesticks lassen aber eine wesentliche Entspannung erst zu, sofern auch der Widerstand bei 84,80 USD/JPY per Monatsschlusskurs überwunden wird.

Doch spielen wir einmal ein anderes Szenario durch: Die Atomkatastrophe führt zu einem Exodus von Japanern in die Welt. Weite Teile Japans werden verstrahlt und auf Jahrhunderte hinaus unbewohnbar. Wohin wird der Japaner gehen? Natürlich dorthin, wo sein Geld ist.

Alle Szenarien sind im Chart erkennbar

Bei einem solchen Worst-Case-Szenario würde die japanische Wirtschaft einbrechen und der japanische Yen wäre nichts mehr wert. Eine dynamische und schnelle Abwertung des Yen die Folge.

Doch all die Szenarien werden sich letztendlich im Chart zeigen. Ein nochmaliger Fall unter 80 USD/JPY wäre ein Verkaufssignal. Die Interventionen würden sodann als wenig wirkungsvoll eingestuft werden und eine neuerliche Aufwertung des japanischen Yen sollte dann eintreten.

Ein Anstieg hingegen über den Widerstand bei 84,80 USD/JPY wird auch zu einem Bruch des langfristigen Aufwärtstrend-Kanals führen. Das hieraus abzuleitende Aufwärtspotenzial für den US-Dollar wäre ausgesprochen deutlich. Das Kursziel errechnet sich in diesem Szenario entsprechend der nach oben abgetragenen Schwankungsbreite des verlassenen Abwärtstrend-Kanals.

Mithin dürfte die runde 100er-Marke im USD/JPY überschritten werden, sofern der Abwärtstrend verlassen wird.

Betrachten Sie nun die kurzfristige Perspektive. Die Tageskerzen der Candlesticks zeigen eine deutliche Aufwärtsbewegung seit Mitte März. Der Kursverlauf des USD/JPY steht aktuell kurz vor einem Re-Break in das zuvor nach unten verlassene symmetrische Dreieck.

USD/JPY-Tageschart: Re-Break in das symmetrische Dreieck möglich

Ein Anstieg vor allem über die obere Begrenzung des symmetrischen Dreiecks bei derzeit 83,61 USD/JPY würde ein Kaufsignal liefern. Als Alternativ-Szenario ist die aktuelle Gegenbewegung auch als Pull-back einzustufen: Ein Rücklauf an das vorherige Ausbruchsniveau mit der Folge, anschließend nochmals zu fallen.

Erläuterung zum Devisenhandel

Im obigen Währungspaar USD/JPY stellt der US-Dollar die Basiswährung dar, der japanische Yen die Gegenwährung. Der Kurs des Währungspaares zeigt Ihnen an, wie viel der Gegenwährung sie benötigen, um eine Einheit der Basiswährung zu kaufen.

So müssen Sie aktuell im USD/JPY bei einem Kurs von 81,77 eben 81,77 Yen für einen US-Dollar bezahlen. Fallen die Kurse in einem Währungspaar, so wertet die erstgenannte Währung ab, die zweitgenannte Währung hingegen wertet auf. In den letzten Monaten hat der US-Dollar also abgewertet und der Yen aufgewertet. Kurzfristig dagegen hat sich diese Entwicklung seit Mitte März umgekehrt.

Am kommenden Montag erhalten Sie in Salomon´s Märkte weitere Devisen-Analysen. Chartanalysen zu Rohstoffen werden jeweils am Dienstag, die Indizes am Mittwoch und Aktien am Donnerstag in Salomon´s Märkte besprochen.

In meinem Börsendienst, dem Candlestick-Investor, nenne ich Ihnen klare Kaufsignale. Testen Sie einfach den Candlestick-Investor für einen Monat.

28. März 2011

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Stefan Salomon
Von: Stefan Salomon.

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