Yuan-Abwertung wird Chinas Wirtschaft helfen

Die „China-Panik“ hat den deutschen Aktienmarkt weiterhin fest im Griff. Der deutsche Leitindex DAX verlor heute gut 2% und sackte auf 10.682 Punkte ab. Während die „Griechenland-Panik“ das 2. Börsenquartal beherrschte, ist im laufenden 3. Quartal China an der Reihe.

Interessant ist dabei, dass jeweils ausschließlich die negativen Aspekte gesehen werden. So hat zum Beispiel die „Griechenland-Panik“ den Euro-Kurs nach unten gezogen und damit in einigen Euro-Ländern einen Export-Boom ausgelöst.

Die DAX-Unternehmen konnten dank der schwachen Währung im 2. Quartal neue Umsatz- und Gewinnrekorde erreichen und die alten Bestmarken pulverisieren.

Die „China-Panik“ hat zum Teil eine echte Basis (die Wachstumsraten in China könnten schneller sinken als erwartet und damit die Weltwirtschaft bremsen), aber gleichzeitig übersehen die Investoren die positiven Folgen. So hat die „China-Panik“ einen fast schon absurden Preisverfall bei den Rohstoffen ausgelöst.

Unternehmen, die fast alle Rohstoffe im Ausland einkaufen müssen (zum Beispiel Deutschland), können sich günstig eindecken. In den USA erleben die Autohändler eine Sonderkonjunktur, da große PKW mit einem hohen Benzinverbrauch plötzlich wieder Verkaufsschlager sind.

Diese kleinen Beispiele zeigen Ihnen: Die Krisen und selbst Krisen-Ängste lösen auch positive Konjunktureffekte aus. Blicken wir jetzt noch einmal genauer auf die „China-Panik“.

Abwertung löst Ängste aus

Die chinesische Regierung in Peking wertete vor einigen Tagen in mehreren Schritten die einheimische Währung Yuan, die auch als Renminbi bekannt ist, ab und erhöhte die Flexibilität (also die Bandbreite) der Wechselkurse.

In der Folge war häufig von einem „Währungskrieg“ die Rede. Der Hintergrund: Seit einiger Zeit herrscht ein Abwertungswettlauf zwischen den großen und einflussreichen Notenbanken im Hinblick auf die entsprechenden Währungen. So hat beispielweise die US-Notenbank Fed lange Zeit dafür gesorgt, dass der US-Dollar im Verhältnis zum Euro und zu anderen Währungen nicht zu stark wird.

Seit einigen Monaten hat der US-Dollar im Verhältnis zum Euro und zu anderen Währungen zugelegt. Der Grund: Die Europäische Zentralbank (EZB) tut unter der Führung ihres Chefs Mario Draghi vieles dafür, um den Euro zu schwächen, da die Inflation in der Eurozone zu niedrig ist und ein schwacher Euro dem entgegenwirken soll.

Jetzt also wird befürchtet, dass China in diesen Abwertungswettlauf einsteigt. Aus meiner Sicht hat China daran jedoch kein Interesse und verfolgt mit der Yuan-Abwertung ganz andere Ziele. Ich bin der Ansicht, dass der Yuan vielmehr an die Marktkräfte angepasst und damit die chinesische Wirtschaft gestärkt werden soll.

China will keinen Währungskrieg

Das Research-Team von ETF Securities, einem auf ETFs spezialisierten Finanzdienstleister, beleuchtete die Auswirkungen für den chinesischen Markt.

„In der vergangenen Woche hat die chinesische Zentralbank People’s Bank of China die Fixingmethodologie des Renminbi geändert. Daraufhin wertete die chinesische Währung an drei aufeinanderfolgenden Tagen um 1,9, 1,6 beziehungsweise 1,1 Prozent gegenüber dem US-Dollar ab“, berichtet Martin Arnold, Senior Analyst im Research-Team von ETF Securities.

Daher befindet sich der Referenzkurs des Yuan derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit Oktober 2012 – was allerdings bei weitem nicht so dramatisch ist, wie es von einigen Medien berichtet wurde. Ich gehe davon aus, dass die Dramatisierung vor allem vor dem Hintergrund eines möglichen Währungskrieges, in den China einsteigen könnte, geschah.

Da ich aber nicht der Ansicht bin, dass China Interesse daran hat, in einen Währungskrieg einzusteigen, halte ich die Panik, die sich teilweise nach der Yuan-Abwertung breit machte, schlichtweg für übertrieben.

Auswirkungen der Yuan-Abwertung

Ähnlich sieht es auch der Analyst von ETF Securities: „Wir erwarten, dass die negative Reaktion der Rohstoffpreise auf die Reformen bei der chinesischen Währungspolitik lediglich vorübergehend war.

Da der Kursverlust vieler Rohstoffe höher als die Anpassung des Wechselkurses ausgefallen ist, waren aus unserer Sicht eher Marktstimmungen als Fundamentaldaten für die jüngere Kursentwicklung verantwortlich.“

Die langfristigen Folgen der Wechselkursreformen der chinesischen Währung Yuan lassen sich derzeit noch nicht abschätzen. Grundsätzlich erwarte ich jedoch positive Effekte für die chinesische Wirtschaft.

Denn: Der Exportsektor wird von der schwächeren Währung profitieren und so einen höheren Beitrag zum chinesischen Wirtschaftswachstum leisten können. Daher gehe ich auch davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in China nicht dramatisch verschlechtern bzw. verlangsamen wird.

Zusammenfassend lässt sich an dieser Stelle nur noch einmal betonen, dass ich die aktuellen Reaktionen auf das Thema China für übertrieben halte und davon ausgehe, dass sich die Stimmung an den Börsen schon bald wieder aufhellen wird.

Die „Griechenland-Panik“ hat sich am Ende ebenfalls in Luft aufgelöst und keine nachhaltigen Spuren am Aktienmarkt hinterlassen.

Daher gilt auch dieses Mal: Panik-Tage sind am Aktienmarkt die besten Kauf-Tage!

19. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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