Zahl der überschuldeten Privatleute in Deutschland steigt weiter

Die robuste wirtschaftliche Entwicklung in deutschen Landen wird ja derzeit überall gefeiert. Unter dem Strich kommt dieser „Aufschwung“ aber nicht wirklich bei allen an. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Noch immer ist das neue deutsche Wirtschaftswunder im Fokus der Massenmedien. Noch immer wird vom Wirtschafswunder 2.0 geschrieben. So weit, so „schön“. Fakt ist aber auch leider, dass dieser seit Jahren gefeierte Aufschwung nicht wirklich bei allen ankommt.

Vielen geht es schlecht

Sehr treffend fällt dabei ein Zitat des Aufsichtsrates der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, Helmut Rödel, aus; „Obwohl es uns in Deutschland gut geht, geht es vielen schlecht.“ Ja, das sind schon starke Worte, die von Creditreform mit harten Fakten unterlegt werden. Tatsache ist jedenfalls, dass die Zahl der überschuldeten Privatleute in Deutschland schon seit Jahren nur eins macht, nämlich steigt. Und zwar trotz der angeblich so hervorragenden Entwicklung der Wirtschaft.

Fast sieben Millionen überschuldete Menschen

Dieser Trend hielt auch im Jahr 2017 an. Die Zahl überschuldeter Privatleute stieg im vergangenen Jahr (Stichtag 1.10.2017) laut Creditreform weiter an. Und zwar um knapp 65.000 auf sage und schreibe gut 6,9 Millionen Menschen. Die Überschuldungsquote liegt damit bei stolzen 10,04 Prozent. Spannend ist auch, dass die Auskunftei auch für das Jahr 2018 nicht mit einem Rückgang bei der Überschuldung rechnet. Im Gegenteil. Creditreform geht von einem weiteren Anstieg aus.

Interessant ist laut Creditreform auch, dass Überschuldung schon lange nicht mehr allein ein Problem der Deutschen mit geringem Einkommen sei. Das Gegenteil sei der Fall. Im Jahr 2017 stammten fast alle neuen Überschuldungsfälle aus der Mittelschicht.

Laut der Auskunftei ist jemand dann überschuldet, wenn seine zu leistenden Gesamtausgaben höher sind als seine Einnahmen und er über einen längeren Zeitraum seinen Zahlungsverpflichtungen „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nicht nachkommen kann. Das treffe Creditreform zufolge für 7,61 Prozent der Frauen über 18 Jahren und für 12,59 Prozent der Männer in Deutschland zu.

Ursachenforschung

Extrem aufschlussreich sind auch die von Creditreform genannten Gründe für die wachsende Überschuldung. Zum einen nennt die Auskunftei die Zunahme geringfügiger und befristeter Beschäftigungsverhältnisse. Wörtlich heißt es: „Prekäre Beschäftigung und damit oft verbundene Einkommensarmut bleiben gerade bei den Menschen konzentriert, die ohnehin als überdurchschnittlich überschuldungsgefährdet gelten können.“

Vor allem junge und insbesondere ältere Menschen seien davon betroffen. Des Weiteren müssten viele Menschen inzwischen so viel Geld für ihre gestiegenen Miet- und Energiekosten zahlen, dass sie an den Rand der Armutsgrenze kommen. Allein in den Großstädten liege die Mietbelastung für rund 40 Prozent der Haushalte bei einem Anteil von über 30 Prozent des jeweiligen Nettoeinkommens.

Ja, liebe Leser, in Wahrheit steht der deutsche Aufschwung auf einem extrem brüchigen Fundament. Im Gegenteil, für extrem viele Menschen findet er schlicht nicht statt.

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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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