Zalando-Aktie: Onlinehändler nach Zahlen im freien Fall

Zalando: Aktie trotz starkem Wachstum auf Talfahrt. Modehändler fährt Investitionen rauf. Anleger misstrauen riskanter Expansionsstrategie (Foto: Zalando)

Kurz vor seinem zehnten Geburtstag kann der Shooting-Star der deutschen Startup-Szene auf eine beeindruckende Geschäftsentwicklung zurückblicken. Immerhin hat sich das Unternehmen vom kleinen Online-Schuhhändler zu einem europäischen Modeimperium entwickelt.

Mittlerweile zählt Zalando 23 Millionen Kunden. Doch trotz einem Jahresumsatz von mittlerweile fast 4,5 Milliarden Euro zeigten sich die Anleger bei der Vorlage der Geschäftszahlen alles andere als begeistert. Der Aktienkurs stürzte zuletzt von 48 auf nur noch 42 Euro ab.

Zalando – Wachstum par excellence

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen Zalando näher vorstellen. Denn viele denken bei dem Konzern nur an einen werbestarken Schuhhändler. Doch Zalando ist weit mehr als das. Seit der Gründung vor knapp 10 Jahren ist Zalando zu einem milliardenschweren Modehändler angewachsen, der in nunmehr 15 europäischen Ländern aktiv ist und die größte europäische Mode-Website betreibt. Den überwiegenden Teil der Erlöse erzielt Zalando mit Bekleidung.

Zalando’s Angebot für Damen, Herren und Kinder reicht von bekannten Trendmarken bis hin zu gefragten Designerlabels. Insgesamt arbeitet Zalando mit über 1.500 Markenherstellern zusammen. Neben Schuhen und Bekleidung gehören Accessoires, Beauty-Produkte und Sportartikel zum Sortiment.

Hohe Investitionen drücken auf den Gewinn

Das Wachstum des Unternehmens ist durchaus beeindruckend. Immerhin stand im vergangenen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 23,4% auf 4,5 Milliarden Euro auf dem Programm. Allerdings sorgten hohe Investitionen von 243,9 Millionen Euro in Logistikinfrastruktur, Automatisierung und die Weiterentwicklung der Software für Bremsspuren. Unter dem Strich schmolz der Gewinn von 120,5 auf 102 Millionen Euro stark zusammen.

Management setzt weiter auf Amazon-Strategie

Das Bild dürfte sich auch in naher Zukunft nicht ändern. Die Investitionen will die Konzernführung in diesem Jahr sogar noch weiter hochfahren. Ohne Zukäufe will die Berliner Firma 350 Millionen Euro in den Geschäftsausbau stecken. Damit scheint die Stoßrichtung klar: Zalando will auf Teufel komm raus Größenwachstum. Mit hohen Investitionen sollen weitere Kunden gewonnen werden.

Zusätzliche Verteilzentren werden gebaut und in Betrieb genommen, um mehr Service durch taggleiche Lieferungen oder neue Rücksendungsvarianten zu bieten. Darüber hinaus fließt viel Geld in Software, die eine Personalisierung des Einkaufs ermöglicht, etwa durch auf den Kunden zugeschnittene Shops. Mittlerweile sind fast 20% der gesamten Zalando-Belegschaft Programmierer.

Nach der neuen Präsentation der Zahlen und der Strategie ist zumindest eines klar: Die Hoffnung darauf, dass nun langsam die Früchte abgeerntet werden, können die Anleger vorerst begraben.

Einstieg in den Kosmetik-Markt

Schon lange ist bekannt, dass sich Zalando auf immer neue Produktkategorien stürzt. Ab März ist der Einstieg in das Geschäft mit Beauty-Produkten geplant. Gleich zu Beginn will der Konzern mit über 100 Marken am Start sein. Damit folgt auch hier das Unternehmen dem Rivalen aus den USA, Amazon.

Der Internetriese baut im Moment ebenfalls massiv sein Beauty-Geschäft auf, mit dem Ziel, margenstarke Luxus-Artikel zu verkaufen. Konkrete Umsatzziele hat Zalando noch nicht bekannt gegeben. Co-Chef Rubin Ritter geht aber davon aus, dass mehrere hundert Millionen Euro des 86 Milliarden Euro großen europäischen Marktes für Schönheitsartikel erreichbar sein sollten.

Anleger benötigen langen Atem

Ob und wie sich die riskante Expansionsstrategie auszahlen wird, ist bislang unklar. Der Markt für Schönheitsprodukte folgt bekanntlich seinen eigenen Gesetzen. Zusätzlich will Zalando in diesem Jahr noch in zwei komplett neue europäische Länder eintreten. Den Anleger hat der Rückgang der Gewinnmarge überhaupt nicht gefallen. Auch für das laufende Jahr wird nur eine Vorsteuermarge von 4,8% angepeilt.

Da im Börsenwert von immer noch über 10 Milliarden Euro weiterhin einiges an Vorschusslorbeeren enthalten ist, eignet sich die Aktie nur für sehr spekulative Anleger mit einem ausgesprochen langen Atem.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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