Zalando: Begeisterte Anleger treiben Aktie Richtung Allzeithoch

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Zalando: Internethändler erzielt Rekordwert bei Bestellungen und zeigt sich optimistisch. Partnerprogramme werden für Zalando immer wichtiger (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die Aktie des Internethändlers Zalando ist nichts für schwache Nerven. Im Rahmen von schwächeren Zahlen, zunehmenden Wettbewerb und hohen Investitionen sackte die Aktie vom September bis Dezember letzten Jahres wie ein Stein von knapp 50 bis auf 22 Euro in den Keller. Doch seither geht es stramm bergauf. Zwischenzeitlich notierten die Papiere wieder bei über 45 Euro und haben sich damit seit ihrem Tief mehr als verdoppelt. Der jüngste zweistellige Kursschub ging auf das Konto der Prognose, die vom Finanzchef David Schröder gerade überraschend nach oben geschraubt wurde.

Zalando – weit mehr als nur ein Online-Schuhhändler

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen Zalando näher vorstellen. Denn viele denken bei dem Konzern nur an einen werbestarken Schuhhändler. Doch Zalando ist weit mehr als das. Seit der Gründung vor 11 Jahren ist Zalando zu einem milliardenschweren Modehändler angewachsen, der in nunmehr 17 europäischen Ländern aktiv ist und die größte europäische Mode-Website betreibt. Den überwiegenden Teil der Erlöse erzielt Zalando mit Bekleidung.

Zalando’s Angebot für Damen, Herren und Kinder reicht von bekannten Trendmarken bis hin zu gefragten Designerlabels. Insgesamt arbeitet Zalando mit rund 2.000 Markenherstellern zusammen. Neben Schuhen und Bekleidung gehören Accessoires, Beauty-Produkte und Sportartikel zum Sortiment.

28,3 Millionen aktive Kunden

Inzwischen zählt der Berliner Konzern 28,3 Millionen aktive Kunden. Das ist ein Anstieg von 15% seit dem Jahreswechsel. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Zalando etwas mehr als 5,9% der Bevölkerung ihrer Zielmärkte erreicht. Gestützt wird das Geschäft durch eine hochmoderne Logistik-Infrastruktur (z.B. computeroptimierter Kommissionierungs-Prozess, etc.). Durch diese können 85% von Zalandos aktiven Kunden innerhalb von 750km erreicht werden.

Auch andere Zahlen bestätigen die Attraktivität der Internetseiten des Konzerns. Im zweiten Quartal erhöhte sich die Anzahl der Seitenaufrufe um satte 34% auf 986 Millionen. Laut Unternehmensangaben ist dies der schnellste Zuwachs seit 2013.

Umsatz rauf, Marge runter

Beeindruckend ist mittlerweile die schiere Größe des Konzerns. Immerhin wechselte im zweiten Quartal ein Bruttowarenwert (nicht nur die eigenen, sondern auch die Partnerumsätze auf den Zalando-Seiten) von 2 Milliarden Euro den Besitzer. Das ist ein Anstieg um 24%. Unter dem Strich kletterten die Zalando-Umsätze um 20% auf 1,6 Milliarden Euro. Das bereinigte Vorsteuerergebnis (EBIT) legte mit einem Plus von 8% auf 101,7 Millionen Euro allerdings nur unterdurchschnittlich zu. Entsprechend sank die Vorsteuergewinnmarge um 0,7 Prozentpunkte auf nunmehr 6,4%.

Warenkörbe werden immer kleiner

Ein Grund in der sinkenden Profitabilität sind die zunehmend kleiner werdenden Bestellmengen. Zwar bestellen die Kunden öfter, aber eben kleinere Mengen. Im letzten Quartal lag der durchschnittliche Warenkorb bei 56,90 Euro und damit 2,6% unter dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Allerdings könnte der Rückgang zum vorherigen Quartal (-0,8%) etwas verlangsamt werden.

Sie müssen bedenken: Je kleinteiliger die Bestellungen, desto höher die Kosten für die Abwicklung. Der europaweit aktive Händler hat deshalb in neun Ländern Mindestbellmengen eingeführt. Am Donnerstag kam Frankreich hinzu, wo Kunden für eine kostenlose Lieferung nun mindestens 24,90 Euro ausgeben müssen. Für Deutschland gibt es bislang keine entsprechende Ankündigung.

Management hebt Prognose an

Unterdessen freuten sich die Anleger über die gerade angehobene Jahresprognose. So soll der Bruttowarenwert in 2019 um 20 bis 25% nach oben klettern. Allerdings könnte der Umsatzanstieg gegebenenfalls auch bei unter 20% liegen. Diese Diskrepanz ist auf das Geschäftsmodell zurückzuführen. Bei Umsätzen der Partner auf den Zalando-Seiten erhält der Konzern „nur“ Provision und Serviceerlöse, nicht aber den Wert der Waren. Je attraktiver die Plattform für die Partner wird, desto mehr neue Partner dürften angezogen werden. Daher ist die Entwicklung des Partnerprogramms für Zalando enorm wichtig.

Gleichzeitig erwarten die Berliner eine leicht bessere Gewinnentwicklung. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EbIT) soll nun in der oberen Hälfte der Spanne von 175 bis 225 Millionen Euro liegen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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