Zalando: Co-Chef Rubin Ritter geht von Bord

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Der Berliner Mode-Versandhandel Zalando ist einer der großen Corona-Profiteure. Allerdings muss das Unternehmen jetzt den Rücktritt eines Geschäftsführers verkraften. (Foto: Zalando)

Wirtschaftlich läuft es für den Online-Versandhändler Zalando aus Berlin momentan sehr gut. So konnte das Unternehmen in der vor kurzem beendeten Cyberweek mehr als eine Million Neukunden gewinnen und das Bruttowarenvolumen im Vergleich zum Vorjahr um rund 35% steigern.

Doch am Sonntagabend gab der Berliner Modeversandhändler bekannt, dass einer seiner 3 Hauptgeschäftsführer (CEO) das Unternehmen verlassen wird. Co-CEO Rubin Ritter hat angekündigt, seine Vorstandstätigkeit zur Hauptversammlung 2021 beenden zu wollen.

Rückzug ins Privatleben

Frei nach dem Motto „höre auf, wenn es am schönsten ist“ hat Ritter die Zalando-Aufsichtsratsvorsitzende, Cristina Stenbeck, um eine vorzeitige Aufhebung seines bis November 2023 laufenden Vertrages gebeten.

Ritter begründete diesen Schritt damit, dass er mehr Zeit für seine Familie haben möchte. „Nach mehr als elf einmaligen Jahren, in denen Zalando für mich Priorität hatte, möchte ich meinem Leben eine neue Richtung geben. Ich möchte mich nun mehr meiner wachsenden Familie widmen.“

Aufsichtsratsvorsitzende akzeptiert Entscheidung

Die Aufsichtsratsvorsitzende Cristina Stenbeck akzeptiert die Entscheidung Ritters und würdigt seine bisherige Leistung für das Berliner Unternehmen: „Der Aufsichtsrat bedauert Rubins Entscheidung, aber wir haben für seine persönlichen Motive höchsten Respekt. Wir schätzen Rubins Transparenz und Offenheit, die dem Aufsichtsrat und dem Unternehmen ausreichend Zeit für die Übergangsphase geben.“

„In den vergangenen neun Jahren unserer Zusammenarbeit habe ich aus erster Hand Rubins Einsatz, strategische Klarheit und Führungsstärke erleben dürfen, die er zum Wohle von Zalando eingebracht hat“, so Stenbeck weiter.

Geschäftsführer würdigen Ritters Leistung

Auch Ritters Co-Geschäftsführer würdigen die Leistungen ihres scheidenden Kollegen für das Modeversandhandelsunternehmen. „Als wir 2008 die ersten Pakete aus dem Souterrain unseres Büros verschickt haben, konnten wir nicht ahnen, wohin uns diese Reise einmal führen wird. Der Einfluss von Rubin auf den Zalando-Erfolg lässt sich nicht in Worte fassen“, so Mitgeschäftsführer Robert Gentz.

Co-CEO David Schneider ergänzt: „Rubin ist für viele in unserem Unternehmen ein Vorbild. Wir verdanken ihm viel, als Geschäftspartner und als Freund. Ich bin sicher, dass er uns auch in der Zukunft weiterhin begleiten wird“.

Reaktionen in der Finanzwelt unterschiedlich

In der Finanzwelt kam die Ankündigung über den Rückzug Ritters unterschiedlich gut an. Einige Analysten betonten, dass mit den verbleibenden Chefs Gentz und Schneider die Geschäfte von Zalando auch weiterhin in guten Händen sind.

Andere Analysten sehen den Rücktritt Ritters eher kritisch. Zalando werde zum Jahresende sicherlich gute Zahlen präsentieren können. Aber für das kommende Jahr sei mit höheren Werbekosten und Rücksendezahlen zu rechnen.

Zalando ist gut aufgestellt

Zwar gab der Kurs der Zalando-Aktie gestern zunächst nach, stieg aber im Laufe des Handelstages wieder an. Insgesamt gehört Zalando zu den Unternehmen, die von der Corona-Pandemie profitiert haben. Der Kurs der Zalando-Aktie konnte sich von dem Lockdown-Schock im März sehr schnell wieder erholen und Anfang November 2020 ein neues Allzeithoch erreichen.

Zalando ist gut aufgestellt und wird sicherlich auch von dem Online-Boom im aktuellen Weihnachtsgeschäft profitieren können. Allerdings ist die Aktie meines Erachtens ziemlich teuer. Bei größeren und vor allem unbegründeten Rücksetzern könnte es sich aber lohnen, die Aktie auf dem Schirm zu haben.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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