Zalando enttäuscht mit Gewinnwarnung

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In der Krise keine Lust auf Schuhe: Auch Zalando enttäuscht mit Gewinnwarnung, leitet jedoch Gegenmaßnahmen ein. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Wann immer man derzeit die Zeitungen aufschlägt, sieht man immer nur das eine: Gewinnwarnungen. Allein in dieser Woche haben unter anderem der Luxusgüterkonzern LVMH, der Elektrotechnikkonzerns ABB, die Autozulieferer Leoni, ElringKlinger und Voltabox sowie die Beteiligungsgesellschaft Indus angekündigt, in diesem Jahr mit einem Gewinnrückgang oder sogar -einbruch zu rechnen. Gleichzeitig haben Unternehmen wie Zalando, Merck oder Fresenius angekündigt, ihre Aktionärsversammlung virtuell abzuhalten oder diese bis auf weiteres zu verschieben.

Gedämpfte Shopping-Lust

Die COVID-19-Pandemie und die dagegen ergriffenen Schutzvorkehrungen vieler Staaten haben die Wirtschaftsstimmung so kräftig einbrechen lassen wie nie zuvor. Betroffen sind dabei auch Unternehmen, von denen man dies auf den ersten Blick gar nicht erwarten konnte. Der Online-Modehändler Zalando etwa rechnet wegen der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie mit einem Quartalsergebnis, das deutlich schlechter ausfallen wird als von den Finanzanalysten zuletzt erwartet, hieß es in einer Pressemitteilung.

Unter dem Strich werde im ersten Quartal ein bereinigter Betriebsverlust von deutlich mehr als 28 Millionen Euro anfallen, gab der Berliner Konzern in einer Ad-hoc-Meldung bekannt. Ursächlich hierfür wäre weniger eine Störung der Lieferketten, neudeutsch Supply-Chain, sondern eine Kaufzurückhaltung der europäischen Kunden.

Da sich ein Verlust in dieser Größenordnung, selbst bei einer zeitnahen Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen, im zweiten Halbjahr nur schwer aufholen ließen, rechnet das im Mittelwerteindex MDAX notierte Unternehmen damit, auch die Gesamtjahresprognose nicht mehr erreichen zu können. Bislang war der Online-Modehändler für das laufende Jahr von einem Umsatzplus von 15% bis 20 % und einem bereinigten operativen Ergebnis in einer Bandbreite zwischen 225 und 275 Millionen Euro ausgegangen.

Gegenmaßnahmen ergriffen

Eine neue Prognose wollte der Vorstand bislang nicht ausgeben. Hierzu will man sich – wie die meisten anderen börsennotierten Gesellschaften auch – erst äußern, sobald der weitere Verlauf der COVID-19-Pandemie verlässlicher abgeschätzt werden könne. Dennoch zeigt sich der Vorstand zuversichtlich. „Wir sind überzeugt, dass wir durch die Investitionen des letzten Jahrzehnts alle nötigen Voraussetzungen geschaffen haben, um diese Krise gut zu überstehen.“

Prompt wurden Gegenmaßnahmen ergriffen. Vor allem die Betriebskosten will der Modehändler besser in den Griff bekommen. Ausgaben und Investitionen seien an die neuen Gegebenheiten angepasst worden, so der Vorstand in einem internen Anschreiben an die Mitarbeiter. Details drangen jedoch nicht nach außen.

Einen Gewinner in der Krise gibt es nicht

An der Börse kamen die Maßnahmen gut an. Zwar liegt der Aktienkurs mit 35 Euro um nun 22% unter seinem Jahresauftaktwert von 45 Euro, relativ zum DAX oder dem MDAX, die seit Jahresanfang jeweils 26% an Wert verloren, hat die Aktie jedoch deutlich Stärke gezeigt.

Einige Analysten trauen sich sogar, in Zalando einen Gewinner der COVID-19-Krise ausgemacht zu haben, weil diese den strukturellen Wandel in Richtung E-Commerce noch beschleunigen werde. Dieser Titel ist jedoch, das zeigen die nun veröffentlichten Eckdaten zum Auftaktquartal deutlich, allein den Herstellern von Beatmungsgeräten vorbehalten. Und demjenigen, der vielleicht einmal einen Impfstoff entwickelt.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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