Zalando: Online-Modehändler rutscht durch Pandemie tief in die roten Zahlen

Zalando Sujet

Die Pandemie hinterlässt tiefe Furch in der Bilanz von Zalando. Aber nach einem schwachem ersten Quartal deutet sich Trendwende im April an. (Foto: Zalando)

Nach einem kräftigen Kursrutsch im März zeigte die Zalando-Aktie zuletzt eine kräftige Erholungsbewegung. Seit Mitte März schossen die Papiere um beinahe 50% in die Höhe. Dabei geht auch die Corona-Krise an dem Online-Modehändler nicht spurlos vorbei. Auf Grund der Pandemie ist der Berliner Konzern im Startquartal tief in die roten Zahlen gerutscht.

Zalando – weit mehr als nur ein Online-Schuhhändler

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen Zalando näher vorstellen. Denn viele denken bei dem Konzern nur an einen werbestarken Schuhhändler. Doch Zalando ist weit mehr als das. Seit der Gründung vor 12 Jahren ist Zalando zu einem milliardenschweren Modehändler angewachsen, der in nunmehr 17 europäischen Ländern aktiv ist und die größte europäische Mode-Website betreibt. Den überwiegenden Teil der Erlöse erzielt Zalando mit Bekleidung.

Zalando’s Angebot für Damen, Herren und Kinder reicht von bekannten Trendmarken bis hin zu gefragten Designerlabels. Insgesamt arbeitet Zalando mit rund 2.000 Markenherstellern zusammen. Neben Schuhen und Bekleidung gehören Accessoires, Beauty-Produkte und Sportartikel zum Sortiment.

32 Millionen aktive Kunden

Inzwischen zählt der Berliner Konzern 32 Millionen aktive Kunden. Das entspricht einem Anstieg um 5,6 Millionen Kunden in den letzten fünf Quartalen. Gestützt wird das Geschäft durch eine hochmoderne Logistik-Infrastruktur (z.B. computeroptimierter Kommissionierungs-Prozess, etc.). Durch diese können 85% von Zalandos aktiven Kunden innerhalb von 750km erreicht werden.

Auch andere Zahlen bestätigen die Attraktivität der Internetseiten des Konzerns. In 2019 erhöhte sich die Anzahl der Seitenaufrufe um satte 33% auf 4,2 Milliarden.

Pandemie sorgt für Bremsspuren

Firmenboss Rubin Ritter sprach vom schlimmsten Quartal seit dem Börsengang im Jahr 2014. Die Corona-Pandemie hat dem Berliner Onlinehändler ordentlich die Bilanz verhagelt. Kletterten die Umsätze im Januar und Februar noch um 10,1 und 11,6% auf gut 1,5 Milliarden Euro nach oben, kam es im März zu deutlichen Einbußen. Der Konzern verzeichnete ein niedrigeres Umsatzwachstum und musste 40 Millionen Euro auf den Warenbestand der aktuellen Saison abschreiben. Offenbar hat der durch Corona befeuerte Boom beim Onlinehandel um den Modebereich einen großen Bogen gemacht. Verständlich dass die Menschen, die sich vorwiegend zu Hause aufhalten, weniger Geld für Schuhe und Kleidung ausgeben.

Zalando rutscht in die roten Zahlen

Vorläufigen Zahlen zufolge dürfte der Verlust beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) im ersten Quartal in einer Spanne von 90 bis 110 Millionen Euro gelegen haben. Für Sie zum Vergleich: Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte Zalando hier noch einen Gewinn von 6,4 Millionen Euro erwirtschaften können.

Management lässt den Rotstift kreiseln

Unterdessen reagiert die Konzernführung mit einem drastischen Sparprogramm. Avisiert sind Einsparungen von 250 Millionen Euro, die hauptsächlich durch Kürzungen im Marketingbudget und Einschnitten bei Gemeinkosten wie Verwaltung und Reisen erzielt werden sollen. Zudem gibt es neben Gehaltsverzicht auch eine Reduzierung der geplanten Investitionen, die um 100 Millionen Euro niedriger ausfallen sollen. Auf Entlassungen oder Staatskredite soll aber verzichtet werden. Auch was die Liquidität angeht, sehen sich die Berliner mit einem Polster von etwas über 1 Milliarde Euro gut aufgestellt.

Auch wenn bislang noch keine neue Jahresplanung veröffentlicht wurde, die alte Guidance ist passe. Bislang strebte Zalando ein 15-20%iges Umsatzplus und ein bereinigtes Vorsteuerergebnis zwischen 225 und 275 Millionen Euro an.

Hoffnungsschimmer im April

Bis zur Vorlage einer neuen Planung müssen sich die Anleger noch etwas gedulden. Allerdings gibt es laut Aussagen des Firmenchefs Ritter Licht am Ende des Tunnels. Laut dem Konzernlenker konnte Zalando im April auf Jahressicht wieder wachsen. Wenn die Kauflaune nachhaltig zurückkehrt, dann könnte das laufende Quartal wieder deutlich positiver aussehen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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