Zalando: Onlinehändler weitet Verlust trotz starkem Kundenwachstum aus

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Zalando: Mehr Kunden, mehr Umsatz aber weniger Gewinn. Mit Mindestbestellwerten will der Onlinemodehändler jetzt seine Margen sichern. (Foto: Zalando)

Das ging beeindruckend schnell. Im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres verlor die Zalando-Aktie mehr als 50% ihres Wertes und sackte bis auf 22 Euro in den Keller. Dann dauerte es nicht lange, bis erste Übernahmegerüchte die Runde machten. Spekulationen zufolge hatte es der chinesische Internetgigant Alibaba auf die riesige Kundenbasis des Mode-Onlinehändlers abgesehen.

Passiert ist seither allerdings wenig. Dennoch ist der Kurs im Zuge der allgemeinen Markterholung regelrecht durch die Decke gegangen. Inzwischen notieren die Zalando-Papiere wieder bei über 41 Euro – damit summiert sich das Kursplus seit dem Dezembertief auf mehr als 85%.

Zalando – weit mehr als nur ein Online-Schuhhändler

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen Zalando näher vorstellen. Denn viele denken bei dem Konzern nur an einen werbestarken Schuhhändler. Doch Zalando ist weit mehr als das. Seit der Gründung vor 11 Jahren ist Zalando zu einem milliardenschweren Modehändler angewachsen, der in nunmehr 17 europäischen Ländern aktiv ist und die größte europäische Mode-Website betreibt. Den überwiegenden Teil der Erlöse erzielt Zalando mit Bekleidung.

Zalando’s Angebot für Damen, Herren und Kinder reicht von bekannten Trendmarken bis hin zu gefragten Designerlabels. Insgesamt arbeitet Zalando mit rund 2.000 Markenherstellern zusammen. Neben Schuhen und Bekleidung gehören Accessoires, Beauty-Produkte und Sportartikel zum Sortiment.

Mehr als 27 Mio. aktive Kunden

Inzwischen zählt der Berliner Konzern mehr als 27,2 Mio. aktive Kunden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Zalando etwas mehr als 5,9% der Bevölkerung ihrer Zielmärkte erreicht. Gestützt wird das Geschäft durch eine hochmoderne Logistik-Infrastruktur (z.B. computeroptimierter Kommissionierungs-Prozess, etc.). Durch diese können 85% von Zalandos aktiven Kunden innerhalb von 750km erreicht werden.

15% Umsatzplus zum Jahresauftakt

Im ersten Quartal des laufenden Jahres kletterte der Umsatz auf 1,38 Milliarden Euro in die Höhe. Das entspricht einem Zuwachs von 15% zum Vorjahresquartal. Jeder Kunde hat im Schnitt mit 4,5 Bestellungen innerhalb von 12 Monaten soviel geordert wie noch nie in der Firmengeschichte. Allerdings rutschte der Technologiekonzern unter dem Strich tiefer in die Verlustzone. Mit 17,6 Millionen Euro wurde der Verlust um 2,5 Millionen Euro ausgeweitet.

Zalando steigert Kundenzahl deutlich

Besonders erfreulich entwickelte sich die Kundenzahl. So erhöhte sich die Zahl der aktiven Kunden auf 27,2 Millionen (+14%). Die Anzahl an Bestellungen nahm sogar um 24% auf 31,4 Millionen Euro zu. Mittlerweile erfolgen 82% aller Bestellungen über mobile Endgeräte. Aber das aktuelle Zahlenwerk hatte auch Schattenseiten. Der Trend sinkender Bestellwerte konnte nämlich nicht gestoppt werden. So legten sich die Zalando-Kunden im zurückliegenden Quartal im Durchschnitt Einkäufe von 57,10 Euro in den Warenkorb. Das ist ein Rückgang um 3,8%.

Versandkosten sollen Profitabilität sichern

Die gestiegene Anzahl von mobilen Bestellungen in Verbindung mit einem gesunkenen Warenwert und kostenlosen Lieferungen sorgt für kräftigen Gegenwind bei dem Onlinehändler. Jetzt will Firmenboss Rubin Ritter gegensteuern und führt auch in Skandinavien Versandkosten für „kleinere“ Bestellungen ein. So kommen Kunden in Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark zukünftig erst ab einer Grenze zwischen 23 und 25 Euro in den Genuss von kostenlosen Lieferungen. Damit weitet Zalando seine Versandgebühren weiter aus. Bislang gibt es in Italien, Spanien, Großbritannien und Irland bereits Mindestbestellwerte.

Darüber hinaus soll die noch junge Sparte mit Schönheitsprodukten weiter ausgebaut werden. Seit gut einem Jahr verkauft Zalando alles rund um die Schönheitspflege. Inzwischen bietet der Konzern rund 10.000 Produkte von mehr als 250 Marken an. Zalando setzt dabei auf Cross-Selling. Immerhin wandern bereits bei 60% der Bestellungen von Beauty-Produkten auch Modeteile in den Einkaufskorb.

Prognose bleibt bestehen

Nach dem erfreulichen Start ins neue Geschäftsjahr hält Firmenchef Ritter an seiner Prognose fest. Beim Umsatzwachstum peilen die Berliner einen Zuwachs von mindestens 20% an. Das bereinigte Vorsteuerergebnis (EBIT) soll zwischen 175 und 225 Millionen Euro liegen. Für Sie zum Vergleich: In 2018 erreichte der Modespezialist 173 Millionen Euro.

Günstig ist die Aktie damit aber keineswegs. Auf Basis der Analystenschätzungen wird Zalando momentan mit dem 118-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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