Zayo: Die Börsentage des Glasfaserspezialisten sind gezählt

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Zayo-Aktie: Glasfaserkonzern rückt ins Rampenlicht. Investorenduo legt Milliardenofferte auf den Tisch und will Zayo von der Börse nehmen. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Das Übernahmekarussell dreht sich munter weiter. Vor allem Finanzinvestoren sind auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten und mischen momentan ordentlich mit. So auch beim US-Glasfaserspezialisten Zayo, der gerade von der schwedischen Beteiligungsgesellschaft EQT und Digital Colony Partners eine Übernahmeofferte erhalten hat.

Nachdem der Kurs seit Jahresbeginn bereits mehr als zwei Drittel gestiegen ist, müssen die beiden Bieter für den Kommunikationsinfrastrukturspezialisten immerhin etwas mehr als 8 Milliarden Dollar berappen. Eine stolze Summe, die den Deal zugleich zur größten Transaktion der Firmengeschichte von EQT kürt.

Investorenduo bietet 35 Dollar je Aktie

Konkret bieten EQT und Digital Colony Partners 35 Dollar je Zayo-Aktie. Das ist eine Prämie von 14% auf den Schlusskurs vor Bekanntgabe der Übernahme. Die Transaktion bewertet das Eigenkapital von Zayo mit 8,2 Milliarden US-Dollar. Inklusive der Schulden wird der Glasfaserspezialist durch den Deal mit etwas mehr als 14 Milliarden Dollar bewertet. Zur Finanzierung des Deals wollen die Käufer 5,9 Milliarden an Schulden aufnehmen.

Damit hat sich der Druck der aktivistischen Investoren einmal mehr ausgezahlt. Sie müssen wissen: Das Unternehmen, das 2014 an die Börse ging, stand unter dem Druck von aktivistischen Hedgefonds wie Starboard Value LP, die Zayo im März nach der Übernahme einer 4-prozentigen Beteiligung an dem Unternehmen aufforderten, einen Verkauf in Betracht zu ziehen.

Zayo im Portrait

Zayo betreibt ein 209.214 km langes Glasfasernetz in den Vereinigten Staaten und Europa zur Anbindung von Rechenzentren und bedient Mobilfunk- und Festnetztelefongesellschaften. Die Gesellschaft profitiert von der steigenden Nachfrage nach Bandbreite in ihren Märkten, die vor allem durch Cloud Computing und Streaming getrieben wird.

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In den vergangenen Jahren wuchs das Unternehmen, vor allem auch durch Übernahmen. Seit 2012 kletterten die Umsätze von 376 Millionen Dollar auf zuletzt 2,60 Milliarden Dollar. Der Sprung in die Gewinnzone gelang erstmals vor zwei Jahren. In 2018 blieb ein Nettogewinn in Höhe von 102 Millionen Dollar übrig.

Letztes Quartal rückläufige Umsätze

Im letzten Quartal stockte es allerdings im Getriebe. Der Umsatz war mit 647 Millionen Dollar sogar leicht rückläufig, während zeitgleich der Gewinn um 45% auf 35 Millionen Dollar anstieg. Dabei befindet sich das Unternehmen schon länger im strategischen Transformationsprozess. Das Unternehmen hatte zuvor Übernahmen abgelehnt, unter anderem von einem Private Equity-Konsortium bestehend aus Blackstone Group LP, Stonepeak Infrastructure Partners LP, KKR & Co Inc, I Squared Capital, Charlesbank Capital Partners und GTCR Ltd.

EQT und Digital Colony – Partnerschaft mit Potenzial

Mit den beiden Käufern hätte Zayo ein interessantes Duo im Rücken. Digital Colony ist eine auf die Kommunikationsinfrastruktur ausgerichtete Investmentfirma, die als Partnerschaft zwischen Tom Barrack’s Colony Capital und Marc Ganzi’s Digital Bridge Holdings LLC gegründet wurde. Die vor 25 Jahren gegründete EQT hingegen ist eine in Stockholm ansässige Investmentgesellschaft. In diesem Jahr hat die Firma 10,1 Milliarden Dollar für ihren neuesten Infrastrukturfonds gesammelt, der sich auf Chancen in Europa und Nordamerika konzentriert.

Der Abschluss der Transaktion ist für das erste Halbjahr 2020 geplant, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung und der Zustimmung der Zayo-Aktionäre.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.