Zeal Network macht Abspaltung von Lotto24 rückgängig

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Zweitlotterieanbieter Zeal Network kündigt sechs Jahre nach der Abspaltung die Übernahme von Lotto24 an. (Foto: Best Backgrounds / shutterstock.com)

Der Londoner Anbieter von Zweitlotterien Zeal Network will sich die vor sechs Jahren abgespaltene Lotto24 wieder einverleiben und plant ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für die ausstehenden Aktien des ebenfalls börsennotierten Unternehmens. Mit massiven Konsequenzen auch auf die eigene Geschäftstätigkeit: Zum einen wird Zeal Network das eigene Zweitlotteriegeschäft, für das in Deutschland keine Wettlizenz vorliegt, einstellen. Zum anderen plant das Anfang 2014 nach London umgesiedelte Unternehmen seinen Firmensitz nach Deutschland zurück zu verlagern.

Regulatorische Risiken im Visier

Damit will Zeal Network zukünftig nur noch das von Tipp24 angebotene Geschäft betreiben: Das des führenden deutschen Anbieters staatlicher Lotterien im Internet. Damit baut Zeal Network genau die regulatorischen Risiken ab, denen sich das Unternehmen einst durch den Betrieb einer Zweitlotterie ausgesetzt hat.

Eine derartige Zweitlotterie ist nichts anderes als ein Abbild des deutschen Lottos – mit denselben Gewinnzahlen. Darüber hinaus wird von dem Betreiber einer Zweitlotterie die Auszahlung derselben Quoten wie die des deutschen Lotto- und Toto-Blocks garantiert. Als Veranstalter der Zweitlotterie und als Gegenpartei der Spieler trägt Zeal Network das Auszahlungs- und Jackpot-Risiko. Die das Unternehmen – zumindest theoretisch – durch eine Versicherung abdeckt.

Wenn die Praxis nicht der Theorie folgt

Dass die Praxis davon abweichen kann, mussten Aktionäre von Zeal Network in den vergangenen Jahren gleich des Öfteren schmerzhaft erfahren, als Lottospieler mehrmals den Jackpot auf der von Zeal Network angebotenen Zweitlotterie knacken konnten. Was bei Zeal Network jeweils heftige Gewinnwarnungen zur Folge hatte.

Damit soll nun Schluss sein. Mit der Einstellung der Zweitlotterie werden diese Risiken beendet. Laut Aussage des Managements entspricht diese Vorgehensweise der neuen strategischen Ausrichtung auf lokal lizenzierte Geschäfte. Der Nachteil: Die Aufgabe des bisherigen Geschäftsmodells wird Zeal Network nach eigenen Angaben Umsätze von mehr als 100 Mio. Euro pro Jahr kosten. Kompensiert werden soll diese Lücke durch ein beschleunigtes Wachstum des neuen Konzerns sowie durch Kostensynergien von jährlich bis zu 61 Mio. Euro.

Der Kleine übernimmt den Großen

Ermöglicht werden soll die Übernahme durch einen Aktientausch. Aktuell wird damit gerechnet, dass Lotto24-Aktionären für rund 1,6 Aktien eine neue Zeal Network-Aktie aus einer Kapitalerhöhung angeboten wird. Lotto24 wird damit fast zweimal so hoch bewertet wie Zeal Network. Beide Aktien haben sich nach Bekanntgabe der Übernahmeverhältnisse deutlich bewegt: Während die Aktien von Lotto24 anzogen, gaben die Anteilsscheine von Zeal Network ebenso deutlich nach.

Dabei ist der Ausgang noch unklar: Vorstand und Aufsichtsrat der Lotto24 haben zwar erklärt, dass man Zeal Network grundsätzlich als strategisch sinnvollen Partner ansehe, jedoch das Übernahmeangebot sorgfältig prüfen und erst nach Veröffentlichung der Angebotsunterlage eine begründete Stellungnahme abgeben werde. Bis dahin dürften beide Aktien volatil bleiben.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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