Zeal Network: Online-Lottogesellschaft schockt mit neuer Gewinnwarnung

Alles hätte so schön sein können…

Zeal Network schien sich im unsicheren, aber durchaus lukrativen Regulierungs-Umfeld der Online-Lotterien einen aussichtsreichen Platz gesichert zu haben:

Ein konjunkturresistentes Geschäftsmodell, z. T. hohe Vorsteuermargen (2015: 48,2%) und eine der höchsten Dividendenrenditen auf dem deutschen Kurszettel lockten immer wieder Anleger in die Aktie des SDAX-Konzerns.

Doch mit der Planbarkeit der Erträge ist das nun einmal so eine Sache; immer wieder verhagelten einzelne Ereignisse die Prognosen.

Vor wenigen Wochen schockierte das Unternehmen seine Anleger mit einer drohenden Steuer-Nachzahlung in zweistelliger Millionenhöhe.

Am letzten Donnerstag folgte dann die nächste Horror-Nachricht: Auf Grund eines geknackten Jackpots kann Zeal seine Jahres-Planung nicht mehr aufrecht erhalten.

Zeal Network im Porträt

Die ZEAL Network SE (ehemals Tipp24 SE) ist ein privates Lotterie-Unternehmen, das in Deutschland, Spanien, Italien und Großbritannien über das Internet vermittelte Glücksspiele und Lotterien anbietet.

Die Gesellschaft hält Beteiligungen an der Lottovate, Lotto Network, Geolotto, Ventura 24 und Tipp24.

Zeal trägt als Veranstalter der Zweitlotterie und Gegenpartei der Spieler das Auszahlungs- und Jackpot-Risiko.

Um diese Risiken abzudecken, wurde eine hochentwickelte Risikomanagement- und Hedging-Struktur eingeführt.

Das diese aber nicht alle Risiken abdeckt, können Sie an der Meldung der vergangenen Woche bestens ablesen.

Statistik hat ihre eigenen Gesetze

Gerade einmal 1 Woche ist es her. Da hat der Glücksspiel-Anbieter Zeal Network noch seinen Ausblick gegenüber den Anlegern bestätigt.; jetzt muss der Konzern schon wieder kräftig zurückrudern.

Wie Zeal mitteilte ist die Jahres-Prognose auf Grund einer hohen Gewinn-Auszahlung eines Kunden bei MyLotto24 nicht mehr haltbar.

Die Auswirkungen sind eklatant; immerhin hat der Kunde 15 Mio. € eingesackt:

Daher erwartet Zeal jetzt nur noch Erlöse zwischen 130 und 140 Mio. € (vorher: 145 – 155 Mio. €).

Das ungleich wichtigere Vorsteuer-Ergebnis EBIT soll nur noch bei 15 – 25 Mio. € liegen (vorher: 30 – 40 Mio. €).

Die Analysten waren bisher noch von einem EBIT in Höhe von 46 Mio. € ausgegangen.

Dabei verweist der Konzern auf eine Geschäfts-Entwicklung, sprich Auszahlung, die über dem statistischen Mittelwert liegen.

Dem Anlieger bringt es wenig; wie auch in der Vergangenheit ist auf die Prognose-Sicherheit des Unternehmens wenig Verlass.

Mehrwertsteuer-Risiko schwebt über der Aktie

Neben der erneuten Prognose-Kürzung schwebt weiterhin eine mögliche Steuer-Rückzahlung wie ein Damoklesschwert über der Aktie.

Denn bei Zeal gibt es ein potenzielles Mehrwertsteuer-Risiko. Durch die europäische Gesetzgebung könnte der Fall eintreten, dass die Steuerbehörden Zeal künftig zur Mehrwertsteuer-Zahlung zwingen.

Das würde sich deutlich negativ auf das Vorsteuer-Ergebnis auswirken.

Gekürzter Dividenden-Vorschlag soll Bestand haben

Lange basierte die Attraktivität der Aktie auf der hohen Dividenden-Zahlung.

Vor der drastischen Dividenden-Kürzung Ende Januar auf Grund der latenten Steuer-Risiken erwarteten die Anleger eine Auszahlung von 2,80 € je Aktie.

Damit glänzte Zeal mit einer Dividendenrendite deutlich jenseits der 7%-Marke.

Nach den Rechtsrisiken, gestiegenen Marketing-Aufwendungen und dem proklamierten Aufbau von Reserven senkte die Konzernführung den Dividenden-Ausblick drastisch auf nur noch 1 €.

Nach der reduzierten Gewinn-Prognose hält Zeal hieran vorerst fest. Ob dies allerdings im Jahresverlauf noch Bestand hat, wird sich zeigen.

Denn Sie wissen ja: Die Statistik hat ihre eigenen Gesetze…

13. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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