Zerfällt Europa in der Schuldenkrise?

Griechenland wackelt – immer noch. Die Schuldenkrise ist längst nicht vorbei – ganz im Gegenteil:

Im Juni 2017 werden hohe Rückforderungen der internationalen Geldgeber von den Griechen fällig und die brauchen wieder einmal Geld.

Athener Maßnahmen reichen nicht aus

Selbst wenn die Regierung in Athen zu Beginn des Jahres 2017 Verbraucher-Steuern, Sonderabgaben, Einkommensteuer und Sozialversicherungs-Beiträge kräftig erhöht hat, reicht es nicht.

Wie Sie inzwischen wissen: Nach den Vorgaben der Gläubiger soll das Land dieses Jahr einen Primär-Überschuss von 1,75% der Wirtschafts-Leistung erzielen; 2018 sollen es sogar 3,5% sein.

Die Crux mit dem IWF

Der Internationale Währungsfonds, der sich an der Griechenland-Hilfe beteiligt hat, stellt sich immer mehr quer:

Er glaubt nicht mehr an eine sinkende, sondern eher an eine steigende Schuldenlast der Hellenen.

Von der Euro-Zone fordert der IWF glaubwürdigere Maßnahmen die Schuldenkrise zu bekämpfen, als bisher. Doch ein Schuldenschnitt kommt für die EU-Politiker (noch) nicht in Frage.

Zieht sich jedoch der IWF aus der Griechenland-Hilfe zurück, wäre das eine Niederlage für die Union. Und der Bundestag müsste über ein neues Milliarden-Paket abstimmen – und das alles vor der Wahl im Herbst…

Keine Gnade von der SPD

Aus der SPD dürfte keine Hilfe zu erwarten sein, sondern Häme:

Warf der scheidende Parteichef Sigmar Gabriel Merkel und Schäuble doch vor, dass sie wegen ihrer harten Austeritäts-Politik mitschuldig an den Krisen in Europa seien – und damit auch am Erstarken der Populisten.

Dabei war Gabriel selbst lange im Hamsterrad der Regierung – und zwar als Vizekanzler sowie als Wirtschaftsminister. Wie glaubwürdig deshalb seine Vorwürfe sind, sei dahingestellt.

Und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz?

Der forderte einst in Athen den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras dazu auf an den Reformen festzuhalten. Einen Schuldenschnitt lehnte er kategorisch ab.

Die griechische Staatspleite droht

So schwebt über Athen also weiter das Damoklesschwert am seidenen Faden.

Nehmen wir einmal an – und das ist nach den bisherigen Ausführungen alles andere als hypothetisch – der IWF würde sich aus dem Rettungspaket verabschieden…

Dann würde folgendes Szenario eintreten:

Da sich die Bundesregierung mitten im Wahlkampf wohl kaum auf neue Hilfen einigen würde, bleibt der Griechen nur noch der Supergau: die Staatspleite – und zwar mit all ihren Konsequenzen.

Zerfällt Europa in der Schuldenkrise?

Konkret: Griechenlands Bankrott würde das Land dazu zwingen, den Euro zu verlassen – ja, genau: Früher war der Begriff des GrExit weitaus gängiger als heute.

BrExit, GrExit – und wenn Marine Le Pen die Präsidentschaftswahl in Frankreich gewinnt, vielleicht auch noch der FrExit, wer weiß…?

Europa hat genommen, aber nicht geliefert. Deshalb sieht das Desaster so gewaltig aus.

Der 20. Februar 2017 ist sozusagen die letzte Chance, sich hinsichtlich Griechenlands zu einigen, denn an diesem Tag treffen sich die Euro-Finanzminister.

Gelingt die Einigung nicht, wird das Damoklesschwert Athen treffen – und zwar mitten ins Herz…

16. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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