Zinn: Was die aktuellen Produktionskürzungen bedeuten

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Zinn ist vor allem wichtig für Metall-Legierungen. Doch aktuell ist der Preis starkgefallen und Produzenten wollen aktiv dagegenhalten. (Foto: Freedomz / shutterstock.com)

Der Sektor der Industriemetalle ist breit gefächert. Hauptsächlich schauen wir bei den Marktentwicklungen auf Kupfer oder Nickel. Doch in der zweiten Reihe der Industriemetalle gibt es durchaus auch spannende weitere Rohstoffe.

Besonders spannend ist die Lage derzeit beim Zinn. Bei dem Stichwort fallen Ihnen vielleicht zuerst die altmodischen Zinnfiguren oder Becher aus Großvaters Wohnzimmerregal ein. Aber das Industriemetall wird auch heute noch viel eingesetzt und zwar vor allem in Metall-Legierungen mit einem niedrigen Schmelzpunkt. So wird Zinn zusammen mit Kupfer zu Bronze verbunden.

Doch 2019 verlief bislang enttäuschend beim Zinn. Der Preis ist knapp 20 % zurückgegangen und fiel in der vergangenen Woche sogar unter die Marke von 16.000 USD pro Tonne. Dieser Preisverfall hat schon Wirkung gezeigt bei den Anbietern. So planen Zinnschmelzen in Indonesien, einem wichtigen Produktionsland, die Produktion zu drosseln. Die Strategie dahinter ist einfach: Wenn die Produktion gedrosselt wird und die Nachfrage gleichbleibt, dann sollte der Preisdruck gestützt werden können.

Erst vor wenigen Tagen hat der Verband der indonesischen Zinnexporteure gemeldet, dass die Produktion schon in der jetzt laufenden Woche zurückgefahren werden könnte. Zudem soll sie dann so lange eingeschränkt bleiben, bis der Preis wieder auf die Marke von 20.000 USD pro Tonne gestiegen ist. Das hört sich erst einmal nach einer guten Strategie der Zinn-Produzenten an. Doch die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme ist doch gering.

Viele Zinnschmelzen kürzen die Produktion

So hat es genau solche Produktionskürzungen schon von etlichen Zinnschmelzen in China gegeben und die haben bislang ihre Wirkung verfehlt. Auch in anderen Bereichen auf dem Rohstoffmarkt habe ich das immer wieder beobachtet. Gerade beim Nickel hat es das zum Beispiel häufiger gegeben. Da gab es immer wieder Marktphasen, in denen der Preis für Nickel unter die Produktionskosten gefallen ist.

Tatsächlich kommt es natürlich darauf an, wie zersplittert der Weltmarkt ist. Je mehr Anbieter dabei sind, desto schwieriger ist es überhaupt mit Produktionskürzungen Erfolge erzielen zu können. Ein klassisches Beispiel dafür ist natürlich der Ölmarkt mit der OPEC. Auch dort sind immer wieder Produktionskürzungen in den vergangenen Jahren erlassen worden und die Auswirkungen dieser Maßnahmen haben oft ihr Ziel nicht erreicht. Das liegt eben auch an der schwindenden Marktmacht der OPEC. Immer mehr große Produzentenländer gehören eben der Organisation nicht mehr an und sind dann auch nicht an die Produktionskürzungen gebunden.

Dennoch zeigten ihn die Beispiele vom Zinn und auch vom Öl, dass Rohstoffmärkte einmal mehr anders funktionieren als viele andere Finanzmarkt auf dieser Welt. Genau das macht auch den Reiz aus.

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Heiko Böhmer
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