Zahlungsunfähig: Wie es weiter gehen kann

Versuchen Sie mit Ihrer Bank rechtzeitig ein Auffangdarlehen zu vereinbaren, das Ihnen Luft gibt und mit dem Sie die drückende Tilgungslast deutlich verringern können. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Das böse Erwachen kommt häufig nach ein paar Jahren: Sie haben ein Darlehen mit tilgungsfreien Anlaufjahren aufgenommen. Doch die Geschäfte laufen nicht mehr so gut wie erwartet – und dann setzt die Tilgung ein, die dann auch noch höher ist als bei einem herkömmlichen Darlehen mit sofortiger Tilgung.

Plötzlich droht ein Liquiditätsengpass! Doch Sie können noch etwas tun, bevor es allzu eng wird: Versuchen Sie mit Ihrer Bank rechtzeitig ein Auffangdarlehen zu vereinbaren, das Ihnen Luft gibt und mit dem Sie die drückende Tilgungslast deutlich verringern können.

Auffangdarlehen – so funktioniert es

Die Idee eines Auffangdarlehens ist einfach. Ein Beispiel macht es deutlich: Sie müssen für ein in den Anfangsjahren tilgungsfreies Darlehen jetzt Tilgung zahlen – zum Beispiel 2-mal jährlich 50.000 €.

Die Geschäfte laufen jedoch nicht so gut, so dass Sie diese zusätzliche Belastung nicht tragen können. Die Gefahr ist, dass Sie Ihr Konto überziehen müssen – mit allen negativen Konsequenzen: horrende Überziehungszinsen, Ärger mit der Bank.Mit Ihrer Bank handeln Sie deshalb rechtzeitig einen Auffangkredit aus, der zum Beispiel so aussehen könnte: Mit dem Kredit wird die Tilgungsrate für das ursprüngliche Darlehen jeweils um die Hälfte reduziert.

Sie zahlen also nur noch 25.000 €.Der Auffangkredit wächst so immer weiter bis zum Ende der Laufzeit des ursprünglichen Kredits, welche für das Auffangdarlehen erst ab diesem Zeitpunkt beginnt.

Die Vorteile für Sie

  • Durch ein Auffangdarlehen haben Sie die Chance, einen Liquiditätsengpass durch zu hohe Zins- und Tilgungsbelastungen zu vermeiden.
  • Sie können durch ein Auffangdarlehen deutlich Zinsen sparen, wenn Sie die Tilgung des alten Darlehens nur noch durch Kontokorrentüberziehungen finanzieren könnten. Denn die Zinsen des Auffangdarlehens liegen deutlich unter den Überziehungszinsen.

Wann Sie handeln sollten

Überprüfen Sie regelmäßig, ob Sie die laufenden Zins- und Tilgungszahlungen wie geplant leisten können. Das geht mit einer einfachen und schnellen Cash-Flow-Rechnung. Das ist besonders wichtig, wenn eine Erhöhung der Belastung ansteht – besonders dann, wenn die erste Tilgung eines anfänglich tilgungsfreien Darlehens vor der Tür steht.

Vorsicht: Tilgungsfreie Anlaufjahre können zum Liquiditäts-Bumerang werden

Da öffentliche Fördermittel meist konditionell günstiger sind als „normale“ Bankkredite und als zusätzlichen Vorteil noch tilgungsfreie Anlaufjahre bieten, werden sie gerne für Investitionsfinanzierungen in Anspruch genommen.Tilgungsfreie Anlaufjahre bedeuten für den Kreditnehmer zunächst eine Erleichterung.

In den ersten Jahren sind lediglich Zinsen zu zahlen, die Tilgung beginnt erst später.Dieser Vorteil, zunächst mehr Geld frei für den Betrieb zu haben, hat – wie fast alle Vorteile – auch einen Nachteil. Das „dicke Ende“ kommt, wenn getilgt werden muss.In der Praxis können die hohen Tilgungszahlungen dann zur Belastung für die Liquidität werden.Je nach wirtschaftlicher Situation kann das Ihre Finanzierungskosten nach oben treiben. Beispielsweise, wenn Sie nur noch aus Kontokorrentüberziehungen die Tilgung leisten können.

Für diesen nicht so seltenen Fall gibt es aber eine Finanzierungs- Konstruktion zur Problemlösung: das Auffangdarlehen.

So stellen Sie fest ob Sie die Kredittilgungen auch wirklich leisten können

Für Sie als Chef Ihres eigenen Unternehmens gehört es zu den wichtigsten Aufgaben, immer zuerst auf eine sichere Liquidität zu achten.

Bedenken Sie das Risiko: Es nützt nichts, wenn Sie ein besonders zinsgünstiges Darlehen aufnehmen, aber nicht in der Lage sind, die Tilgung dafür zu erwirtschaften.Erstellen Sie eine einfache Überschlagsrechnung, anhand derer Sie leicht feststellen, inwieweit Sie die anstehenden Tilgungen auch wirklich aufbringen können.

Ihre Schnell-Kalkulation zur Überprüfung der Kapitaldienstfähigkeit

Fertigen Sie eine Cash-Flow-Rechnung an, indem Sie Ihren zukünftigen Gewinn plus Abschreibungen und Zuführung zu den langfristigen Rückstellungen Ihren Entnahmen, den aus Eigenmitteln finanzierten Investitionen und den vereinbarten Kredittilgungen gegenüberstellen. Jetzt können Sie erkennen, ob Sie die notwendigen Tilgungen auch aufbringen können oder nicht.

So können Sie berechnen, ob Sie die Tilgung für ein neues Darlehen auch wirklich aufbringen können. Setzen Sie die Werte Ihres Unternehmens in das Schema ein, und Sie sehen sofort, ob Sie sich noch ein weiteres Darlehen „leisten“ können.

Im Zweifel: Vereinbaren Sie frühzeitig ein Auffangdarlehen in der richtigen Höhe

Wenn Sie feststellen, dass Sie die notwendige Kredittilgung vielleicht doch nicht in voller Höhe leisten können, dann sollten Sie nicht darauf hoffen, dass Sie zu dem Zeitpunkt, zu dem die Tilgung beginnt, schon genug Geld zur Verfügung haben werden, sondern Sie sollten Vorsorge treffen und gleich ein Auffangdarlehen vereinbaren.

Vereinbaren Sie bei öffentlichen Finanzhilfedarlehen grundsätzlich ein Auffangdarlehen – unabhängig davon, ob Sie es benötigen oder nicht. Einfach als Liquiditätsreserve.

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Wenn Sie beispielsweise festgestellt haben, dass Sie nur 50.000 € Tilgung leisten können, Ihr Darlehen aber 100.000 € Tilgung erfordert, sollten Sie mit Ihrer Bank über ein Auffangdarlehen von jährlich 50.000 € sprechen.

In diesem Fall stellt Ihnen Ihre Bank jährlich – jeweils zu den Tilgungsterminen – ein neues Darlehen zur Tilgung des Ursprungsdarlehens zur Verfügung. So können Sie die seinerzeit vereinbarten Tilgungen leisten und kommen trotzdem nicht in Liquiditätsschwierigkeiten.

Ihre Vorteile beim Auffangdarlehen

Sie können die von Ihnen nicht erwirtschafteten Tilgungsanteile über ein neues Darlehen zu (relativ) günstigen Konditionen finanzieren, ohne dass Ihnen Liquidität für Ihre Betriebsmittel fehlt.

Wenn Sie hingegen die volle Tilgung in ursprünglich vereinbarter Höhe leisten müssten, könnten Sie dies nur über eine höhere Inanspruchnahme Ihres Kontokorrentkredits tun. Damit blockieren Sie jedoch Mittel, die Sie eigentlich für den normalen Betriebsablauf benötigen.

Vielleicht würden Sie sogar Ihr Konto überziehen müssen. Ihnen würden Kreditmittel zur Finanzierung Ihres Umlaufvermögens fehlen, und Sie hätten im Kontokorrent einen höheren Zinsaufwand, ganz zu schweigen von eventuellen Überziehungszinsen.Da auch Auffangdarlehen Geld kosten, ist es noch besser, wenn Sie Ihre Liquidität so steuern, dass Sie die Aufnahme eines Auffangdarlehens ganz vermeiden.Versuchen Sie immer, die Laufzeit Ihrer Darlehen entsprechend der wirtschaftlichen Nutzungsdauer der damit finanzierten Gegenstände zu vereinbaren.

Orientieren Sie sich zusätzlich bei Festlegung Ihrer Kredittilgungen an Ihren Abschreibungen.Überprüfen Sie Ihre Kapitaldienstfähigkeit anhand einer Netto-Cash-Flow-Rechnung.Versuchen Sie stets zu vereinbaren, dass Sie außerplanmäßige Tilgungen leisten dürfen. Dann können Sie Ihr Darlehen notfalls auch ganz zurückzahlen oder umschulden.

Was tun, wenn die Tilgung zu hoch ist?

Wenn Sie anhand Ihrer Cash-Flow-Rechnung feststellen, dass die Darlehenstilgung von 100.000 € pro Jahr für Ihr Unternehmen zu hoch ist, und sehen, dass Sie nur 50.000 € Jahrestilgung erwirtschaften können, sollten Sie zur Sicherung der Liquidität rechtzeitig mit Ihrer Hausbank über ein Auffangdarlehen sprechen.

Wenn Sie einen Liquiditätsfehlbetrag zu decken haben

Wenn Sie einen Liquiditätsfehlbetrag von 50.000 € ermitteln, sollten Sie mit Ihrer Bank über ein Auffangdarlehen in Höhe von 50 % der notwendigen Jahrestilgung von 100.000 € verhandeln.

Sie müssen beispielsweise 7,5 % p.a. Zinsen für das Auffangdarlehen bezahlen.

Sie sollten davon ausgehen, dass sich die Bank das höhere Risiko, das sie in dem Auffangdarlehen sieht, durch einen höheren Zinssatz vergüten lässt, da sich die Gesamtkreditlaufzeit verlängert. Die Tilgung des Auffangdarlehens setzt erst dann ein, wenn das ERP-Darlehen vollständig zurückgezahlt ist.

Somit haben Sie stets eine unverändert hohe Kredittilgung von 50.000 € jährlich zu leisten. Zunächst auf das ERP-Darlehen, dann auf das Auffangdarlehen. Das Auffangdarlehen baut sich allmählich auf. Zu jeder Halbjahrestilgung von 50.000 €  stellt Ihnen Ihre Hausbank ein Auffangdarlehen von 25.000 € zur Verfügung. Innerhalb von 10 Jahren wächst das Auffangdarlehen bis auf 500.000 €.

Zinsen, die Sie durch ein Auffangdarlehen gegenüber einer Kontokorrentfinanzierung sparen können

Ermitteln Sie, wie viel Zinsen Sie für das Auffangdarlehen von jährlich 50.000 € zu     7,5 % zu zahlen haben, und stellen Sie diesen Aufwand einem Kontokorrentzinssatz von 9,5 % gegenüber.

Dabei lassen Sie noch unberücksichtigt, dass Sie wahrscheinlich sogar im Laufe der Zeit auch Ihr Kontokorrentkreditlimit hätten überziehen müssen, so dass die Angelegenheit noch teurer geworden wäre. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Sie das Auffangdarlehen 196.875 €, ein Kontokorrentkredit jedoch 248.187,50 € an Zinsen kosten würde.

Nach 15 Jahren beginnt die Tilgung des Auffangdarlehens

Damit Sie Ihren Liquiditätsvorteil, den Ihnen diese Konstruktion bringen soll, auch behalten, beginnt die Rückzahlung des Auffangdarlehens – das ja allmählich angewachsen ist – erst nach vollständiger Tilgung des ERP-Darlehens.Wenn Sie sich von Ihrer Hausbank einen Zins- und Tilgungsplan für die Tilgungsphase des Auffangdarlehens erstellen lassen, können Sie anhand dessen die jeweils fälligen Leistungsraten besser disponieren.

Checkliste: Punkte, die Sie bei der Verhandlung über ein Auffangdarlehen beachten sollten

  • Ermitteln Sie die Höhe Ihrer Kredittilgungen bei Darlehen mit Tilgungsfreijahren immer nur auf die Rückzahlungszeit bezogen und nicht auf die gesamte Laufzeit des Darlehens.
  • Stellen Sie anhand einer Cash-Flow-Rechnung fest, welche Kredittilgung Ihr Unternehmen wirklich leisten kann.
  • Bemessen Sie die Höhe Ihres Auffangdarlehens so, dass Sie keinen zusätzlichen Kontokorrentkredit benötigen.
  • Verhandeln Sie mit Ihrer Bank bei öffentlichen Förderkrediten grundsätzlich über ein Auffangdarlehen, und zwar unabhängig davon, ob Sie es aktuell benötigen oder nicht. Schaffen Sie sich mit dem Auffangdarlehen eine Liquiditätsreserve.
  • Vereinbaren Sie mit Ihrer Bank, dass Sie jährlich zirka 50  %der Tilgung Ihres ERP-Darlehens über ein Auffangdarlehen „abfedern“ möchten. So vermeiden Sie eine jährliche Neuverhandlung über Auffangdarlehen.
  • Denken Sie daran, auch für das Auffangdarlehen – sofern die Zinsen niedrig sind – eine Zinsfestschreibung zu vereinbaren.
  • Versuchen Sie bei Ihrer Bank auch für das Auffangdarlehen eine außerplanmäßige Tilgungsklausel durchzusetzen.
  • Orientieren Sie sich für die Darlehenslaufzeit an der wirtschaftlichen Nutzungsdauer der finanzierten Gegenstände.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.