Zinsen kalkulieren: So entwickeln sich Anleihen

Vor wenigen Tagen habe ich einen Anleihen-Rechner „gefunden“, der die künftigen Kursverluste bei den Zinstiteln vorwegnimmt.

Wenn die Markt-Rendite steigt, weil die Zinsen zulegen, werden Alt-Anleihen Investoren Kursverluste bringen.

Erst zum Laufzeitende erhalten Investoren dann 100% des ursprünglichen Einsatzes zurück.

Falls Sie in Anleihen investieren, rechnen Sie daher mit Kursverlusten, die Sie an der Börse bei einem vorzeitigen Verkauf erleiden werden!

Die Kalkulation zeigt, wie sich die Anleihen tatsächlich entwickeln werden. Kalkulieren Sie die verschiedenen Zinsen ein!

Zinsen werden steigen

Je länger die Laufzeit von Anleihen andauert, desto größer ist die Wirkung auf die Kurse. Ab Laufzeiten von 3 Jahren müssen Sie mit größeren Kursverlusten rechnen.

Ich wiederum behaupte: Innerhalb der nächsten 3 Jahre steigen die Zinsen tatsächlich um einen nennenswerten Betrag in Höhe von zumindest 1,5%-Punkten bis zu 3%-Punkten.

Sehen Sie sich dafür musterhaft 2 Anleihen an, für die jeweils 1,5%-Punkte, 2,0%-Punkte und 3,0%-Punkte Zinsanstieg am Markt gelten.

Die Anleihe A ist in 6,5 Jahren fällig, die Anleihe B in 9,5 Jahren. Neben der Laufzeit ist auch das Rating wichtig, soll hier aber keine Rolle spielen. Beide Anleihen haben eine Rendite von derzeit etwa 5,5%.

Anleihe A wird sich bei einem Rendite-Anstieg um 1,5%-Punkte etwa auf einen Kursverlust von 5,50% bewegen. Anleihe B wird einen Kursverlust in Höhe von 7,3% produzieren.

Mehr-Rendite am Markt bringt höhere Verluste

Wenn die Rendite am Markt dagegen weiter steigt, wachsen die Verluste. Anleihe A wird bei einem Anstieg um 2,0%-Punkte Kursverluste von 8%-Punkte bringen. Anleihe B liegt dann gegenüber dem aktuellen Kurs sogar um 11%-Punkte verlieren.

Wohlgemerkt: Diese Verluste „realisieren“ Sie nur dann, wenn Sie die Anleihen tatsächlich vor dem Laufzeitende verkaufen.

Wächst die Marktrendite um 3,0%-Punkte, weiten sich die Verlust dann noch aus. Anleihe A verliert dann über den Kurs gut 11%-Punkte, Anleihe B sogar 16%-Punkte.

Zum Laufzeitende dann werden die Kursverluste wieder geringer, weil direkt am Laufzeitende der Schuldner 100% zurückzahlen soll – so weit das Kalkül und der Verlauf.

Achtung: Analysten irren sich, wenn sie die Kursverluste, wie oft beschrieben, verharmlosen. Am Laufzeitende würden Sie als Investor ja alles wieder erhalten, so das Argument.

GeVestor.de meint

Dieses Zins-Kalkül zeigt den theoretischen Kursverlauf für die Anleihen in den nächsten Jahren.

Es sind Anleihen von HeidelbergCement (Anleihe A) und Fresenius Medical Care „Finance“ (Anleihe B). In der Praxis aber sind die Kursverluste für Sie wichtig, meine ich:

  • Da hohe Kursverluste drohen, werden Sie häufig nicht verkaufen wollen.
  • Damit aber werden Anleihen illiquider, fast wie Festgeld.
  • Bei langen Laufzeiten wächst die Gefahr der Insolvenz..
  • Dieses Risiko ist in den Kurs-Szenarien noch nicht enthalten.
  • 100% Rückzahlung in 6,5 oder 9,5 Jahren haben keine Kaufkraft von 100% mehr.

Daher ist es wichtig, die Anleihen bei steigenden Zinsen zu kalkulieren. Die Markt-Rendite wird in den nächsten Jahren zunehmen. Allzu lange Laufzeiten aber empfehle ich bei diesen Überlegungen nicht.

13. Oktober 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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