Zinsfalle 2012: Allianz bietet 9,38% – angeblich

9,38% für eine Anleihe - auf den ersten Blick ist Aktienanleihe fantastisch. Aber: riskant für Sie. (Foto: JPStock / Shutterstock.com)

Wer jetzt hohe Zinsen sucht, wird Schwierigkeiten haben. Die Zinsen für Anleihen vom Bund liegen so niedrig, dass Sie noch nicht einmal die Inflation ausgleichen können. Bessere Zinsen finden Sie bei den berühmten Mittelstandsanleihen. Höchstzinsen jedoch bieten derzeit Aktienanleihen von Unternehmen wie Allianz. So zumindest sieht es auf den ersten Blick aus. Die 9,38%-Falle:

Soviel Zinsen bietet eine Aktien-Anleihe “auf” die Allianz-Aktie, die Sie jetzt von der DZ Bank kaufen können. Aus einem Investment von 10.000 Euro machen Sie immerhin in einem Jahr rechnerisch 10.938,00 Euro – allerdings nicht ganz, da die Anleihe nur bis zum 14.9.2012 läuft. Sie erhalten vielmehr brutto 12,50% Zinsen und damit rechnerisch hier 1.250 Euro Gewinn, zahlen dafür aber auch bereits 10.189,00 Euro, da der Kurs der Anleihe bei mehr als 100% liegt.

Der Gewinn liegt ungefähr 1.000 Euro über dem einer Bundesanleihe im selben Zeitraum bringt. Trotzdem sehen wir darin eine Falle und keine Chance.

Aktien-Anleihe nicht von der Allianz

Eine Aktien-Anleihe bezieht sich auf den Kurs einer Aktie, hat aber mit dem zugrunde liegenden Unternehmen nichts zu tun. Dieser feine Unterschied fällt in vielen Darstellungen oft unter den Tisch. An diesem Beispiel zeigen wir Ihnen kurz die Funktionsweise und unsere Einschätzung.

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Die Allianz-Aktie notiert aktuell bei ungefähr 68 Euro. Sie stellt den “Basiswert” der Aktienanleihe dar. Gleichzeitig hat die Aktienanleihe eine “Barriere” von 32,00 Euro. Dies bedeutet – Achtung -, dass Sie während der Laufzeit eine Verlustgefahr eingehen. Wenn die Aktie auch nur einmal während der Laufzeit oder an deren Ende diesen Barrierenkurs erreicht, erhalten Sie am Ende der Laufzeit statt Ihres Kapitaleinsatzes die Aktie des betreffenden Unternehmens, hier der Allianz.

Dann verändert sich die Rechnung: die Aktie, die Sie erhalten – Allianz – wird mit 58,82 Euro bewertet. Unabhängig davon, wie viel sie am Markt tatsächlich wert ist. Beträgt der Marktkurs dann beispielsweise nur 40,00 Euro, verlieren Sie pro Aktie 18,00 Euro. Dies sind also 45% Verlust gegenüber dem tatsächlichen Wert. Daher:

  • Den Namen “Protect Aktien-Anleihe” verdient ein solches Geschäft nicht. “Protect” soll Schutz bedeuten – genau den Schutz jedoch sehen wir nicht.
  • Aktien-Anleihen haben mit dem Unternehmen der Aktie nichts zu tun. Es sind Anleihen einer Bank.
  • Die hohen Zinsen stellen gleichzeitig den Maximalgewinn dar. Wenn die Aktie nicht fällt, sondern stark steigt, reduziert sich der Gewinn auf den Maximalgewinn.
  • Auf Dividenden verzichten Sie auf jeden Fall. Achtung: die Dividendenrendite der Allianz liegt aktuell bei über 6%.

GeVestor meint: Wir sehen in solchen Aktien-Anleihen eine Falle. Wenn Sie zugunsten einer Maximalrendite von etwa 9% auf eine Dividendenrendite von 6% verzichten (müssen), ist dies ein schlechtes Geschäft. “Protect” ist die falsche Bezeichnung. Wir empfehlen als Zinschance statt dieser Anleihen-Falle eine Investition in die Aktie selbst. Die Dividendenrendite ist quasi eine Art von Zins für Sie – das Unternehmen zahlt Sie 2012 aus.


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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.