Zinsfalle Weltverschuldung – 35 Billionen US-Dollar und kein Ende

Weltverschuldung: In nur 3 Jahren explodierten die Schulden. Ein EU Rettungsschirm von 750 Milliarden ist im Gegensatz dazu (fast) nichts. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

In der öffentlichen Diskussion der aktuellen Finanzkrise gehen einzelne Zahlen und Fakten einfach unter. Dazu zählt die Weltverschuldung, die dramatisch ansteigt. Ich spreche nicht von der laufenden Neuverschuldung aufgrund „der“ Krise, sondern vom Gesamtergebnis. Die Lasten tragen wir – alle. Sehen Sie selbst, denn es hat gravierende Konsequenzen für Ihre Geldanlage sowie für Ihre künftige Steuerlast.

Zinsen in Billionenhöhe

USA, EU und Japan hatten 2007 bereits 26,9 Billionen US-Dollar Schulden angehäuft – gigantisch, wenn Sie sich die Zinsfolgen vor Augen halten. Bei einem Zins von 5 Prozent bleiben damit Zinslasten in Höhe von 1,4 Billionen US-Dollar jährlich, faktisch waren es etwa 1,8 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich:

Alleine Deutschland muss 3 bis 4% der jährlichen Wirtschaftsleistung für Zinsen aufwenden. Und das sind Sie, das sind wir alle. Andere Zahler gibt es nicht. Die Zinsen also sind ein wesentlicher Eckpfeiler der laufenden Mehrverschuldung.

Selbst wenn die Zentralbanken diese Zinsen künstlich niedrig halten, verbirgt sich dahinter ein Sprengsatz für die Weltverschuldung und daraus resultierend für die konjunkturelle Entwicklung.

Weltverschuldung: Mehrwertsteuer geht für Zinsen drauf

Zurück zu den Zahlen. Bis 2009 dann explodierten die Zahlen gegenüber 2007 bereits erschreckend: 35,2 Billionen US-Dollar – so hoch ist die Gesamtverschuldung jetzt schon. Das ist ein Anstieg um weitere 30 Prozent. Fast 2,5 Billionen US-Dollar Zinsen kostet diese Last bereits – bei schrumpfender Wirtschaft(!).

Ein Blick auf die Ausmaße dieser zusätzlichen Zins-Belastung: Deutschland und ähnliche Länder der EU zahlen bald schon deutlich mehr als 5 Prozent des BIP für Zinsen. Der internationale Währungsfonds hat ausgerechnet: In gut 10 Jahren können dies bereits knapp 10 Prozent des BIP sein.

Kontra-Indikator: Bundesregierung rechnet mit weiterem AufschwungWenn man derzeit die Stimmen maßgeblicher Politiker hört, könnte man annehmen, alles sei in bester Ordnung: Der Aufschwung in Deutschland werde einfach weitergehen. Mögliche Krisenherde spielten keine große Rolle. Man… › mehr lesen

Ohne jede Schwarzmalerei – horrende Zahlen. Das heißt nichts anderes, als dass Sie beim Einkauf im Supermarkt oder bei der Bäckerei vor Ort die komplette („kleine“ und „große“ gemischt) Mehrwertsteuer als Zinsen für die aufgelaufenen Staatsschulden zahlen.

Dazu als Zusatzinformation: die Mehrwertsteuer ist eine der größten Steuerarten in Deutschland überhaupt. Nicht nur dass, sie ist zusätzlich ein echter Hebel. Einzelne Prozentpunkte erhöhen die Steuereinnahmen jährlich bereits um Milliarden.

Nur: falls der Staat die Mehrwertsteuer bald erhöht, kann eines – nicht allzu fernen Tages – die Situation kippen. Die Konjunktur hängt in Deutschland derzeit an einer noch guten Konsumstimmung. Eine noch höhere Mehrwertsteuer aber kann zu einem Boomerang werden.

GeVestor meint: Geht die Konjunktur erneut in einen Minus-Modus über, wird sich die Wirtschaft nicht mehr so schnell wie bis dato erholen. Das bedeutet. Kaufen Sie keine Staatsanleihen mehr. Werden Sie nicht Gläubiger, auch nicht Gläubiger der Bundesrepublik Deutschland.

Rechnen Sie darüber hinaus mit weiteren Steuererhöhungen. Die Gegenmaßnahme: investieren Sie in Aktien und halten diese langfristig. Gewinne müssen Sie erst nach dem Verkauf versteuern – bis dahin wirken die Zins- und Zinseszinsen renditesteigernd. Eine Möglichkeit: Nestlé aus der Schweiz.


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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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