Zinstalfahrt beschleunigt sich

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Die Angst vor einer globalen Rezession wird immer größer. Kein Wunder, dass nun sämtliche deutsche Bundesanleihen eine Negativrendite ausweisen. (Foto: Tzido Sun / shutterstock.com)

Am vergangenen Freitag war es dann soweit. Selbst die Rendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von sage und schreibe 30 Jahren ist nun negativ. Zum ersten Mal in der Geschichte überhaupt. Somit rentieren nun sämtliche deutsche Staatspapiere negativ. Das sollten wir uns wahrlich auf der Zunge zergehen lassen. Alle Anleger, die jetzt in deutsche Bundesanleihen investieren, sind dazu bereit, reale Nominalverluste hinzunehmen. Von der negativen Realverzinsnung ganz zu schweigen.

Einmaliges Experiment

Dieses geldpolitische Experiment ist wahrlich einmalig. Und ein Ende der Zinstalfahrt ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Es sieht alles danach aus, dass die Renditen noch weiter ins Negative treiben werden.

Herr Völker, Analyst bei der Landesbank Baden Württemberg mit Sitz in Stuttgart, sagte gegenüber der Agentur Reuters, dass der Druck auf die Euro Notenbank, ihren Ankündigungen mit Blick auf eine umfassende geldpolitische Lockerung sehr bald Taten folgen zu lassen, immer größer werden würde. Konkret heißt das also, dass die Draghi- bzw. bald Lagarde-EZB den Einlagenzins noch weiter ins Negative absenken wird. Gleichzeitig dürfte ein weiteres gigantisches Anleihekaufprogramm auf der Agenda stehen. Wahnsinn, aber wahr!

Extreme Flucht in Staatsanleihen

Die sog. „Währungshüter“ scheinen anscheinend panische Angst vor der Rezession zu haben. Die Furcht vor derselben scheint jedenfalls gigantisch zu sein. Momentan werden von den Anlegern generell Staatsanleihen als sog. „sichere Häfen“ nachgefragt. Historisch einmalig ist auch, dass in der Schweiz selbst die 50-Jahres-Anleihe mit Minus 0,172 Prozent rentiert. Das ist schon wahrlich einzigartig. Aber nicht nur solide Staaten profitieren von der Flucht in den Staatsanleihenmarkt. Selbst die Krisenländer im Süden der maroden Eurozone freuen sich aktuell über die tiefsten Zinsen aller Zeiten.

Der italienische Staat, die italienische Regierung, also die Lega-Nord und Fünf-Sterne-Regierung, muss nur noch 1,5 Prozent Zinsen für die 10-Jahres-Anleihe berappen. So wenig wie noch nie für ein so exorbitant hoch verschuldetes Krisenland. Eine extreme Hausse erlebte auch der griechische Rentenmarkt. Ja, Sie lesen richtig. Die Kurse der griechischen Anleihen stiegen wie wild in den vergangenen Monaten. Entsprechend fiel die Rendite auf nur noch zwei Prozent für die 10- Jahres-Anleihe der Hellenischen Republik. Damit liegt die Rendite der Griechen-Anleihe fast auf dem Niveau der ungleich wirtschaftsstärkeren USA. Unglaublich eigentlich, aber alles wahr.

Ja, liebe Leser, die Zeiten werden wahrlich täglich extremer. Spätestens im Herbst werden die Banken auch den Kleinsparern die Negativzinsen auf ihre Einlagen „verabreichen“ müssen bzw. in sonstiger Form an der Gebührenschraube drehen. Es ist daher dringend geboten, mindestens drei überlebensnotwendige Monatsausgaben in bar zu Hause vorzuhalten. Es ist durchaus denkbar, dass die Banken in nicht allzu ferner Zukunft auf geldpolitischen Druck hin Barauszahlungen zu unterbinden versuchen. Noch können wir Bargeld abheben. Nutzen wir diese Chance, solange es noch möglich ist!

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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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