Zinswende fällt aus – Renditeverfall am Rentenmarkt

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Im vergangenen Jahr war ja massenmedial immer noch von der 2019 anstehenden Zinswende die Rede. Diese fällt aber bis auf weiteres aus. (Foto: Tzido Sun / shutterstock.com)

Im Herbst des vergangenen Jahres war ja in den Medien des Öfteren noch von der möglicherweise anstehenden Zinswende zu lesen. Selbige sollte ja ab dem Jahr 2019 starten. Ja, das war die Erwartung damals. Daraus wird wohl leider nichts werden. Im Gegenteil, mittlerweile scheint sich der Wind schon wieder in die andere Richtung zu drehen. Ja, Sie lesen richtig. Die Agentur Reuters berichtete jüngst, dass es mittlerweile schon wieder Wetten bzgl. einer möglichen Zinssenkung in diesem Jahr gibt.

Spekulation auf Zinssenkung

Dem Reuters-Bericht zufolge würden am Geldmarkt die Spekulationen auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr zunehmen. Inzwischen werde dort die Wahrscheinlichkeit auf 30 Prozent taxiert, dass die Euro-Notenbanker der EZB bis zu ihrer geldpolitischen Sitzung im Dezember mindestens einmal die Schlüsselzinsen senken. Im April wurde die Wahrscheinlichkeit noch bei 20 Prozent gesehen.

Wie schon eingangs erwähnt waren im vergangenen Jahr die Investoren sogar noch fest von einer Zinsanhebung in diesem Jahr ausgegangen. Nun verschiebt sich wegen der anhaltenden konjunkturellen Schwäche im Euro-Raum die angesteuerte Zinswende eben bis auf weiteres bzw. den St. Nimmerleinstag.

Renditen im Negativbereich

Fakt ist indes, dass die Renditen am Rentenmarkt, die ja ohnehin schon historisch einzigartig tief sind, in den letzten Wochen nur noch eine Richtung kannten: und zwar noch weiter in den negativen Bereich. In jüngster Vergangenheit driftete selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in den negativen Bereich ab. Aktuell sind Investoren bereit, der Bundesrepublik Deutschland zehn Jahre Geld mit der Rendite von MINUS 0,11 Prozent zu leihen.

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Wohl gemerkt, jedes Jahr wird der Kapitalstock um 0,11 Prozent dezimiert. Die Rendite fünfjähriger Bundesanleihen beläuft sich indes auf Minus 0,52 Prozent. Und last but not least rentieren zweijährige deutsche Staatsanleihen mit Minus 0,66 Prozent.

Ja, liebe Leser, am Rentenmarkt sind die Renditen durchgängig negativ. Die EZB könnte also durchaus „nachziehen“ und auch den Leitzins ins Negative befördern. Der Einlagenzins könnte also von Minus 0,4 Prozent in Richtung Minus einem Prozent abgesenkt werden. Anders formuliert, die Zeiten für die konventionellen Sparer werden noch lausiger werden.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, ehe die Banken den Otto-Normalsparern auch durchgängig „negative Zinsen“ weiterreichen werden. Insofern ist es nach wie vor ratsam, mindestens zwei bis drei Monatsausgaben in bar zu Hause vorzuhalten. Das ist wahrlich alternativlos in diesen gnadenlosen Zeiten der allgegenwärtigen Enteignung.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.