Zinszyklus: 30 Jahre steigende Zinsen?

Haben Sie schon einmal vom sogenannten Zinszyklus gehört?

Einige Finanzmarkt-Historiker weisen auf einen stabilen 30-Jahres-Zinszyklus hin. Demnach würden die Zinsen in den kommenden 30 Jahren steigen.

Für die Auswahl der richtigen Anlageklasse hätte diese Entwicklung natürlich einen entscheidenden Einfluss.

Doch funktioniert es wirklich so einfach?

Die längsten Daten-Historien habe ich für die USA vorliegen. Man kann tatsächlich ca. alle 30 Jahre einen Trendwechsel bei den Zinsen beobachten. Die Wendepunkte in der Übersicht:

– 1831: Tiefpunkt

– 1861: Hochpunkt

– 1891: Tiefpunkt

– 1921: Hochpunkt

– 1951: Tiefpunkt

– 1981: Hochpunkt

-2011: Tiefpunkt ???

Demnach hätte sich um das Jahr 2011 herum ein Tiefpunkt bilden müssen. Noch ist diese Möglichkeit nicht ganz vom Tisch. Theoretisch könnten wir uns seitdem in einer langfristigen Bodenbildungs-Phase bei den Zinsen befinden.

Doch bei allen auf den ersten Blick noch so stabilen Zyklen muss man immer die Frage stellen, ob fundamentale Gründe für einen langfristigen Trendwechsel gegeben sind.

Inflation als Ursache für steigende Renditen

Es ist ewig her, dass Sie auf Ihrem Sparbuch 2-stellige Traum-Renditen bekommen konnten.

Das letzte eindeutige Hochzins-Umfeld lag in den 70er-Jahren vor. Damals trieben der Ölpreis-Schock und die daraus resultierenden Inflations-Ängste die Renditen in die Höhe.

Wenn die Inflation steigt, fordern Anleger höhere Renditen auf ihre Geldanlage, um den Kaufkraft-Verlust zu kompensieren.

Wir sind heute weit von einer ausufernden Inflation entfernt, auch wenn die Ängste immer wieder von den Medien geschürt werden.

Und das ist ein wesentlicher Unterschied zu den 70er-Jahren.

Auch die Angst vor einem Staatsbankrott treibt Renditen in die Höhe

Neben Inflations-Gefahren ist ein möglicher Staatsbankrott ein weiterer fundamentaler Grund für steigende Zinsen:

Die Renditen in den Krisenländern der Eurozone sind von 2010 bis 2012 nicht wegen Inflations-Gefahren gestiegen.

Die Renditen sind damals in diesen Ländern angestiegen, weil Investoren aufgrund der hohen Ausfall-Wahrscheinlichkeit der Anleihen höhere Risiko-Prämien – also höhere Renditen – eingefordert haben.

Seit 2012 sind selbst in diesen Krisenländern die Renditen durch die stützenden Eingriffe der Europäischen Zentralbank wieder rückläufig.

Keine Trendwechsel bei den Zinsen in Sicht

Was könnte also diesmal der der fundamentale Auslöser sein, damit die Zinsen für lange Zeit – vielleicht sogar 30 Jahre lang – steigen?

Beim letzten Wendepunkt Ende der 70er- / Anfang der 80er-Jahre lagen gute Gründe für einen Trendwechsel vor: die Politik der Zentralbanken.

Anders als heute, kam mit Paul Volcker ein Präsident an die Spitze der US-Notenbank, der der Inflation den Garaus machen wollte.

Er erhöhte zunächst den Leitzins auf über 20% (!), was die Inflation schnell abwürgte. Ohne Inflation werden Zentralbanken nicht lange an einer Zinserhöhungs-Politik festhalten – auch damals nicht:

Nachdem sich abgezeichnet hat, dass die Inflationsraten ihren Hochpunkt überschritten hatten, gab es keine Gründe mehr für hohe Leitzinsen – im Gegenteil: Seit Anfang der 80er- Jahre ging es mit den Zinsen steil bergab.

Eine Änderung der „Spielregeln“, der fundamentale Faktor, der die Zinsen in Deutschland oder den USA in die Höhe treiben kann, ist derzeit noch nicht in Sicht.

Seien Sie als Anleger also vorsichtig, wenn Sie vom 30-Jahres-Zinszyklus lesen. Ein Ende der Niedrigzins-Phase ist derzeit noch nicht in Sicht.

Bei den derzeitigen Mini-Zinsen sollten Sie Ihren Fokus weiterhin auf Sachwerte setzen, wie z. B. ausgesuchte Qualitätsaktien.

26. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Richard Mühlhoff. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt