Zombie-Unternehmen auf dem Vormarsch

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Weltweit gibt es immer mehr Zombie-Unternehmen. Steigen die Zinsen oder verschlechtert sich die Wirtschaftslage, droht ein Kollaps. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Haben Sie schon einmal von Zombies gehört? Nein, ich meine nicht die Kreaturen aus den Hollywood-Filmen oder der weltbekannten Netflix-Serie, die als „Walking Dead“, als laufende Tote, die Lebenden dezimieren wollen.

Zombies auch im Niedrigzinsumfeld

Ich spreche von Unternehmen, deren Zinsaufwendungen ihre operativen Ergebnisse übersteigen. In Kapitalmarktkreisen werden auch sie neuerdings als Zombies bezeichnet. Und wie bei Netflix wächst auch ihre Horde stetig an. Einer Analyse der Bank of America Merrill Lynch (BoAML) zufolge fristen in der OECD-Gruppe der reichsten Staaten inzwischen 548 Zombie-Unternehmen ein eher trauriges Dasein – nicht weit von ihrem Höchststand von 626 entfernt, der während der Finanzmarktkrise 2008/09 gemessen wurde, zu einer Zeit also, als die Zinsen weltweit deutlich höher waren als heute.

Im Gegensatz zu den menschliche Untoten ernähren sich Zombie-Unternehmen nicht von Blut, sondern von den derzeit unnatürlich niedrigen Zinssätzen der ihnen zur Verfügung gestellten Kredite. Diese werden ihnen von Investoren angeboten, die auf der Suche nach einer Portion Extra-Rendite auch die hochriskanten, weil kaum profitablen Geschäftsmodelle unterstützen.

Alle Segmente betroffen

Paradebeispiel für derartige Zombie-Unternehmen ist die Immobiliengruppe The We Company, deren Börsengang vor wenigen Monaten spektakulär gescheitert ist. Doch The We Company ist nicht allein. Wie die BoAML-Studie zeigt, gibt es viele andere, auch international tätige Konzerne, deren Verschuldung inzwischen so hoch ist, dass ihr Schuldendienst nicht mehr von den operativen Überschüssen gedeckt wird.

Dass die Schuldenlasten der Unternehmen überhaupt diese Dimensionen erreicht haben, ist auf die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken zurückzuführen. Durch sie werden die Zinsen auf niedrigem Niveau gehalten, wovon eben nicht nur die Staaten profitieren, die sich dadurch günstiger refinanzieren, sondern auch Unternehmen. So haben die inflationsadjustierten Fremdkapitalkosten der Emittenten im Investment-Grade-Bereich der Eurozone inzwischen einen Mittelwert von -1% erreicht: Negativzinsen für Unternehmensschulden!

Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Kreditqualität der Unternehmen dramatisch verschlechtert. Lag das mediane Rating von Unternehmensanleihen in den 1990er-Jahren noch im soliden Investmentgrade-Bereich, hat es sich, wie aus einer aktuellen Studie der US-Ratingagentur Standard & Poor’s ersichtlich ist, auf BBB- verschlechtert.

Ein wirtschaftliche Abschwächung hätte damit eine Kaskade von Herabstufungen zur Folge. Und weil viele Anleihefonds nur Investment-Grade-Anleihen halten dürfen, müssen sie ihre Beteiligungen verkaufen, sobald diese in den Speculative-Grade-Bereich herabgestuft werden. Mit erheblichen Folgen für die Anleihekurse der betroffenen Unternehmen.

IPO-Aktivität weltweit auf Tiefststand

Kredite sind inzwischen so billig geworden, dass kein Vorstand eines Wachstumsunternehmens mit Kapitalbedarf mehr über einen Börsengang nachdenken muss, sondern die günstigere Alternative wählt. Und weil Fremdkapital nicht nur in der Theorie billiger ist als Eigenkapital, hat dies zur Folge, dass in Deutschland und anderen Industriestaaten die Zahl der Börsengänge in diesem Jahr selbst die pessimistischen Erwartungen noch untertroffen hat. Auch in den USA haben die Unternehmen ihre Finanzierungsquellen neu ausgerichtet.

Einer Studie der US-Notenbank zufolge haben US-Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren mehr als 3,1 Billionen US-Dollar durch Schuldverschreibungen und Bankkredite aufgenommen – um damit Aktien im Volumen von mehr als 4 Billionen Dollar zurückzukaufen. Wertschöpfende Investitionen sehen anders aus.

Trotzdem  haben sich einige Zeitungen – darunter am vergangenen Wochenende auch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel – zuletzt vermehrt über die vordergründig positiven Seiten von Zombie-Unternehmen ausgelassen. Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, bis Zombie-Unternehmen ein ebenso grausames Ende gefunden haben wie ihre filmischen Vorbilder. Etwa wenn Gewinnmargen aufgrund von Handelskonflikten und einer allgemeinen globalen Konjunkturabschwächung weiter unter Druck geraten. Ein Szenario, das ein vorsichtiger Anleger stets durchspielen sollte. Und Ihnen zeigt, wie wichtig eine durchdachte Aktienstrategie ist.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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