Zoom-Aktie mit 40% Kurssprung nach den Zahlen

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Zoom-Aktie: Börsenwert des Videokonferenzanbieters schießt nach starken Zahlen auf 130 Milliarden Dollar in die Höhe. Pandemie sorgt für rasantes Wachstum. Analysten zeigen sich gespalten. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Während Skeptiker seit langem auf die exorbitante Bewertung der Aktie des Videokonferenzanbieters Zoom verweisen, strömen immer mehr Anleger in die Aktie. Nach Vorlage von deutlich besser als erwarteten Zahlen explodierten die Papiere regelrecht und gingen mit einem Tagesplus von 40% aus dem Handel. Seit dem Jahreswechsel lief die Aktie von 68 Dollar bis auf 457 Dollar nach oben. Nach der rasanten Kursrally kommt der US-Konzern inzwischen auf einen Börsenwert von sage und schreibe knapp 130 Milliarden Dollar.

Ist diese Kursbewegung fundamental untermauert? Wie sind die Prognosen für den weiteren Geschäftsverlauf und wie schätzen die Analysten die weiteren Perspektiven des Unternehmens ein?

Zoom – ohne Zweifel einer der großen Krisenprofiteure

Zoom Video Communications wurde im Jahr 2011 gegründet und hat sich in der Corona-Krise zum Synonym für Video-Kommunikation entwickelt. Als Anbieter einer videobasierten Kommunikationssoftware ermöglicht das Unternehmen den einfachen Informationsaustausch über Video, Telefonie, Chat und Content-Sharing von unterschiedlichen Endgeräten aus. Die Plattform bietet Videokonferenzen, Besprechungen, Webinars und Chatmöglichkeiten, die von den Teilnehmern via PC, Smartphone, anderen mobilen Geräten oder Konferenzraum-Systemen besucht werden können. Für Unternehmen bietet Zoom erweiterte Tools und Integrationsmöglichkeiten zur Anpassung ihrer Arbeitsabläufe. Seit April 2019 ist die Firma an der Börse notiert.

Home-Office boomt sorgt für Sonderkonjunktur

Die gerade präsentierten Zahlen zur Geschäftsentwicklung hatten es in sich: Im Corona-Quartal kletterten die Umsätze um sage und schreibe 355% auf 663,5 Millionen Dollar in die Höhe. Damit wurden die ohnehin schon hohen Analystenschätzungen nochmals um 163 Millionen Dollar übertroffen. Einen gewaltigen Zuwachs gab es auch bei den kommerziellen Nutzern. Die Anzahl der Kunden, mit denen ein Jahresumsatz von mehr als 100.000 Dollar erwirtschaftet wird, erhöhte sich um 112% auf 988. Mittlerweile zählt Zoom 370.200 institutionelle Kunden mit mehr als zehn Mitarbeitern. Allein im vergangenen Quartal kamen 105.000 neue Nutzer hinzu.

Gewinnentwicklung deutlich besser als erwartet

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Gewinnentwicklung. Der US-Konzern arbeitet inzwischen hochprofitabel. Konnte Zoom im Vorjahresquartal gerade einmal 5 Millionen Dollar an Quartalsgewinn verbuchen, stand jetzt ein Nettogewinn von 186 Millionen Dollar in den Büchern.  Je Aktie erzielte der Konzern einen Gewinn von 92 Cent. Für Sie zum Vergleich: Die Analysten waren im Vorfeld lediglich von einem Gewinn je Anteilschein von 47 Cent ausgegangen.

Management schraubt Prognose nach oben

Auch für den weiteren Jahresverlauf zeigt sich der Konzern ausgesprochen zuversichtlich. Die Umsatzprognose wurde um rund 30% auf rund 2,38 Milliarden Dollar angehoben. Das entspricht einem Wachstum von knapp über 280%. Beim Gewinn je Aktie peilte die Konzernführung ein Bandbreite zwischen 2,4 und 2,47 Dollar je Aktie an, während die Durchschnittschätzungen bei 1,29 Dollar je Aktie lagen.

Sportliche Bewertung – alles hängt vom zukünftigen Wachstum ab

Keine Frage: Die vorgelegten Zahlen waren eindrucksvoll und lagen massiv über den Erwartungen. Allerdings sollte man zwei Dinge nicht vergessen. Zum einen ist die Konkurrenz mit ähnlichen Produkten und Dienstleistungen auf dem Vormarsch und dürfte Zoom das Leben zunehmend ungemütlicher machen. Zum anderen können die hohen Wachstumsraten nicht aufrecht erhalten werden. Spätestens im kommenden Jahr dürfte sich das Umsatzwachstum signifikant abschwächen. Das sieht auch die Mehrheit der Analysten so. Während 14 Analysten zum Kauf raten, stufen 15 Experten die Aktie lediglich als Halteposition ein, während 3 Banker zum Verkauf raten. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 390 Dollar bereits unter dem gerade erreichten Allzeithoch von 457 Dollar. Wie bei Hochwachstumsaktien üblich, sollten sich Anleger also auch weiterhin auf schwankungsstarke Zeiten einstellen.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.