Zoom übernimmt Keybase

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Der Corona-Profiteur Zoom Video Communications hat, nach Bekanntwerden von Datensicherheitsproblemen, das auf Cybersecurity spezialisierte Startup Keybase übernommen. (Foto: newroadboy / Shutterstock.com)

Bei meinen Recherchen bin ich auf einen Übernahmedeal gestoßen, der genau in die aktuelle Zeit passt: Die US-amerikanische Zoom Video Communications Inc., eines der wenigen Unternehmen, welches von der Corona-Krise profitiert, hat das auf Verschlüsselungstechnologien spezialisierte Startup-Unternehmen Keybase übernommen.

Über den Kaufpreis haben beide Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Dabei ist der Deal nur eine Station in der noch jungen Erfolgsgeschichte des kalifornischen Startup-Unternehmens Zoom. Die Historie dieses Unternehmens hat sogar – mit all ihren Höhen und Tiefen – Ähnlichkeit mit einer amerikanischen Soap-Opera.

Gegründet wurde das Unternehmen mit Hauptsitz in San José/Kalifornien vor 9 Jahren. Zoom legte in den Folgejahren einen kometenhaften Aufstieg zu einem der führenden Anbieter von Cloud-basierten Video-Konferenzsystemen hin. Die Corona-Krise und dem daraus resultierten weltweiten Lockdown brachte dem Konzern einen zusätzlichen Wachstumsschub.

Doch Probleme mit der Datensicherheit bremsten den raketenhaften Aufstieg der Kalifornier ein. Zoom reagierte schnell und konzipierte ein 90-Tage-Sicherheitsprogramm. In dieser kurzen Zeit sollen alle Sicherheitsprobleme behoben werden. Ein Bestandteil dieses Programms ist auch die Übernahme der Security-Profis von Keybase.

Kometenhafter Aufstieg von Zoom

In nur wenigen Jahren konnten sich die Programmierer aus San José mit Zoom-Meetings in die Weltelite der Anbieter von Online-Videokonferenz-Systemen etablieren. Mitbewerber von Zoom sind dabei namhafte Firmen wie z. B. Microsoft mit seiner Konferenzsoftware Skype und Teams, Facebook mit WhatsApp und Verizon mit BlueJeans.

Allein während der letzten drei Jahren konnte Zoom seinen Umsatz im Durchschnitt um +126% steigern.  In der Gewinnzone ist das Unternehmen aber erst seit Kurzem. Im April 2019 ging Zoom an die Börse. Der Kurs der Zoom-Aktien konnte allein im ersten Börsenjahr stolze +242% zulegen.

Zusatzschub durch Lockdown

Durch die seit März grassierende Corona-Pandemie erhielt die weltweite Nachfrage nach internetbasierter Videokommunikation einen zusätzlichen Schub. Die Zahl der Zoom-Nutzer schnellte seit Beginn der Corona-Krise von 10 auf 200 Mio. Nutzer pro Tag hoch. Mittlerweile ist die Zahl der täglichen Zoom-Nutzer sogar auf 300 Mio. angestiegen.

Im ersten Quartal 2020/21 steigerte Zoom Video Communications seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um +78 % auf 188 Mio. USD und den Gewinn um +233% auf 0,15 USD je Aktie. Entsprechend positiv reagierte auch der Kurs der Zoom-Aktie an der Börse: Von Mitte März bis heute stieg der Kurs innerhalb von nur 6 Wochen um stolze +44,1% an.

Rückschlag durch Datenleck

Am 15. April meldete die Bild-Zeitung, dass Daten von mehr als 500.000 Zoom-Nutzern im Darknet angeboten werden. Daraufhin gab Zoom in seinem Internet-Blog zu, dass es auf der letzten Meile seiner Konferenzsoftware zu Problemen gekommen sei, und entschuldigte sich bei seinen Nutzern.

Das konnte aber nicht verhindern, dass mehrere Großkonzerne, wie z.B. die schwedische Ericson und SpaceX von Elon Musk, ihren Mitarbeitern untersagt haben, die Zoom-Software zu nutzen. Auch öffentliche Schulen in New York haben Lehrern und Schülern die Nutzung der Plattform zunächst untersagt. Dieses Verbot wurde aber zwischenzeitlich wieder aufgehoben.

Am 22. April gab Zoom den baldigen Launch einer überarbeiteten Version seiner Konferenzsoftware bekannt. Gleichzeitig verkündete der Gründer und CEO von Zoom, Eric S. Yuan, einen 90-Tage-Plan an, mit dessen Maßnahmen alle Unsicherheiten behoben werden sollen.

Übernahme von Keybase

Am vergangenen Donnerstag teilte Zoom die Übernahme des Cyber-Security-Spezialisten Keybase mit: „Wir sind stolz, die Übernahme von Keybase bekannt zu geben, einem weiteren Meilenstein im 90-Tage-Plan von Zoom zur Stärkung der Sicherheit unserer Videokommunikationsplattform.“ Zuvor hatte Zoom bereits den ehemaligen Sicherheitsexperten von Facebook, Alex Stamos, eingestellt.

Das 2014 gegründete New Yorker Unternehmen Keybase hat eine verschlüsselte Messaging-Plattform entwickelt, die es Nutzern ermöglicht, Daten sicher auszutauschen und ihre Identität in sozialen Netzwerken kryptografisch zu überprüfen. Keybase ist mit weniger als 50 Mitarbeitern ein relativ kleines Unternehmen. Allerdings handelt es sich bei den meisten Keybase-Leuten um erfahrene Security-Ingenieure.

Zoom kündigte ferner an, am 22. Mai einen detaillierten Entwurf seines kryptografischen Redesigns zu veröffentlichen. Anschließend soll das neue Sicherheitskonzept mit Sicherheits-Fachleuten, der Öffentlichkeit und Kunden diskutiert werden, bevor es dann optimiert und freigeschaltet wird.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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