Zoom wächst rasant – Anleger dennoch enttäuscht

Zoom – RED prima91 ado

Die Zahlen von Zoom waren klasse. Aber nach einer Kursversiebenfachung seit Jahresbeginn nehmen die Anleger Gewinne mit. (Foto: prima91 / Adobe Stock)

Die Corona-Pandemie hat die Gesellschaft weltweit weiterhin im Griff. In Deutschland wurden seit gestern die Maßnahmen auch weiter verschärft – die Papiere der bisherigen Corona-Krisengewinner dürfen sich also weiterhin einer verstärkten Nachfrage erfreuen. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurden die Zahlen des Videokonferenzdienstleisters Zoom mit Spannung erwartet.

Explosionsartiges Wachstum

Und diese Ergebnisse fielen sehr positiv aus. Das explosionsartige Wachstum hielt auch im abgelaufenen Quartal – wenig überraschend – weiter an. So legte der Umsatz im Jahresvergleich von 166,6 Mio. Dollar auf mehr als 777 Mio. Dollar zu. Noch eindrucksvoller fällt die Gewinnentwicklung im letzten Vierteljahr auf, das am 30. Oktober endete, aus. Dieser stieg von 2,2 auf 198,4 Mio. Dollar.

Durch die Corona-Krise ist das Unternehmen bekannt und erfolgreich geworden. Ursprünglich sah das Geschäftsfeld von Zoom vor, lediglich Videokonferenzen für Unternehmen zur Verfügung stellen. Doch das hat sich in den letzten Monaten deutlich geändert – inzwischen wird die Dienstleistung auch von Privathaushalten genutzt – dabei reicht die Nutzung von Familientreffen bis Yoga-Stunden.

Prognosen angehoben

Dennoch ist das Haupteinnahmefeld das Geschäft mit Unternehmen. Und auch hier gab es eine weiterhin erfreuliche Entwicklung. Die Zahl der Unternehmenskunden, die mehr als zehn Mitarbeitern beschäftigen, konnte sich mit 433.700 fast versechsfachen.

Und auch für die weitere Entwicklung ist der Konzern recht positiv gestimmt – so wird im laufenden Quartal ein weiteres Umsatzplus erwartet, das dann zu einer Geschäftstätigkeit in einer Range zwischen 806 und 811 Mio. Dollar sorgen soll. Insgesamt wurde auch die Umsatzprognose für das gesamte Geschäftsjahr angehoben – es werden nun rund 2,58 Mrd. Dollar an Umsatz erwartet – bisher wurden hier 2,39 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt.

Aktie unter Druck

Den Anlegern war dieses Wachstum offensichtlich nicht explosiv genug. Die Aktie geriet nach Bekanntgabe der Zahlen deutlich unter Druck. Auf der anderen Seite gibt es für die Aktionäre ohnehin wenig Grund zur Klage – die Aktie konnte seit Jahresbeginn in der Spitze um mehr als 600% zulegen und erreichte mit zwischenzeitlichen Kursen von mehr als 580 Dollar kaum erwartete Höhen.

Auf Grund der Entwicklung der Impfstoffe gegen das Coronavirus geriet die Aktie dennoch zuletzt unter Druck. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 160 ist der Wert auch aus Sicht der Fundamentaldaten schon sehr teuer.

Rasantes Wachstum in Zukunft fraglich

Auch wenn inzwischen weltweit vor einer möglichen dritten Coronawelle gewarnt wird, dürfte der Vormarsch der Impfstoffe diese Gefahr einer anhaltenden Pandemie und einer mittel- bis langfristigen Gefahr eines Lockdowns deutlich unwahrscheinlicher machen. Je mehr Lockerungen für die Bevölkerung in Kraft treten, umso mehr wird Zoom dann unter Druck geraten.

Wobei ich davon ausgehe, dass – auch nach der Corona-Pandemie – die Unternehmen weiterhin auf Videokonferenzen – statt wie bisher (fast ausschließlich) auf Präsenzmeetings – setzen. Das könnte Zoom dann weiter wachsen lassen – doch die explosionsartigen Wachstumsraten scheinen erst einmal vorüber.

Wer die Aktie schon einige Zeit im Depot hat, sollte daher in Erwägung ziehen, zumindest mal einen Teilgewinn zu realisieren, um das Risiko zu reduzieren.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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