Zooplus-Aktie: Massive Investitionen drücken Ergebnis ins Minus

Zooplus-Aktie: Onlinehändler zeigt kräftige Wachstumsragen. Gewinnschwelle wegen hoher Investitionen trotzdem nicht erreicht (Foto: LeventeGyori / Shutterstock.com)

Die Anleger reagierten erleichtert auf die gerade vorgelegten Zahlen des Tierfutterhändlers Zooplus. Nachdem die Aktie seit Mitte Mai um knapp 30% bis auf 134 Euro eingebrochen war, machten die Papiere wieder etwas Boden gut. Mit einem Wochenplus von über 10% sind die Papiere wieder kurz vor der 160 Euro-Marke.

Dabei waren die präsentierten Ergebnisse nicht ausnahmslos positiv. Zwar wächst das Geschäft weiterhin kräftig, aber massive Investitionen haben den Onlinehändler zuletzt in die Verlustzone gedrückt.

Zooplus – führender Händler für Haustiernahrung

Die Münchener Zooplus AG ist mit deutlichem Abstand Europas führender Onlinehändler für Haustiernahrung und –zubehör. Das im Jahr 1999 gegründete Unternehmen ist seit 1998 an der Börse notiert. Mit  über  8.000  Artikeln  verfügt  Zooplus  über  ein  um fassendes  Sortiment  für  alle  wichtigen  Heimtiergattungen. Rund  80%  des Geschäftes entfallen auf Hunde- und Katzenfutter. Von 7 Logistikzentren in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Frankreich, Belgien und UK werden Kunden in 30 Ländern Europas beliefert.

Branche profitiert von verändertem Einkaufsverhalten

Das starke Wachstum in den vergangenen Jahren ist durch einen nachhaltigen Branchentrend untermauert. Der europäische Markt für Haustiernahrung und -zubehör (ca. 25 Mrd. Euro) wächst relativ stabil mit 2-3% pro Jahr. Experten gehen unterdessen aus, dass der Onlineanteil von ca. 7-8% weiter ansteigen wird und auch zukünftig Wachstumspotenzial bietet.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Mit seiner Positionierung im Onlinehandel für Tierbedarf konnte Zooplus in den zurückliegenden Jahren hohe Wachstumsraten erreichen. Seit 2006 explodierte der Umsatz regelrecht von 34 Millionen Euro auf 1,11 Milliarden Euro im letzten Geschäftsjahr. Allerdings waren hierfür enorme Investitionen in die Logistikinfrastruktur und in Marketing erforderlich. Das Wachstum wurde also durch hohe Kosten erkauft. Unter dem Strich erzielte Zooplus in 2017 gerade einmal einen hauchdünnen Gewinn von 2 Millionen Euro. Die kumulierten Gewinne seit 2006 liegen nur bei 26 Millionen Euro.

Zooplus Aktie: Wachstum geht vor – der Ertrag kommt späterDer Markt für Heimtierzubehör ist ein Milliarden-Markt. Und Zooplus ist der europäische Onlinemarktführer. Dabei steht das Wachstum im Fokus. Geht diese Strategie auf? › mehr lesen

Zooplus rutscht im ersten Halbjahr in die Verlustzone

Im ersten Halbjahr hielt die hohe Wachstumsdynamik weiter an. Vor allem dank florierendem Absatz von Kratzbäumen, Hundekörben und Tierfutter schnellte der Umsatz auf 643 Millionen Euro in die Höhe. Das ist ein satter Zuwachs von 24%. Insgesamt habe es in allen 30 Ländermärkten zweistellige Wachstumsraten gegeben. Besonders erfreulich war der Zuwachs bei den Eigenmarken, die sich umsatzseitig sogar um 37% verbessern konnten.

Allerdings mussten die Münchener tief in die Tasche greifen, um das Wachstum zu finanzieren. Alleine 5,1 Millionen Euro flossen in den Ausbau der Lagerlogistik. Zugleich belasteten hohe Ausgaben in Marketing und gestiegene Personalkosten. Unter dem Strich stand nach einem kleinen Gewinn von 0,7 Millionen Euro im Vorjahr, dieses Mal sogar ein Verlust von 6 Millionen Euro auf dem Programm.

2 Milliarden-Marke im Visier

Für das Gesamtjahr rechnet der Tierfutterexperte mit einem Umsatzplus von 21 bis 23%. Für Sie zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag der Jahresumsatz bei 1,31 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis (EBIT-Marge) peilt Zooplus eine Range zwischen -0,5 bis 0,5% an. An seinem Langfristziel, bis 2020 die Marke von 2 Milliarden Euro beim Umsatz zu knacken, hält der Konzern unterdessen fest.

Anleger zeigen sich unentschlossen

Nach den Zahlen und der Prognose steht fest, dass auch zukünftig das Wachstum nur mit Hilfe hoher Investitionen möglich sein wird. Zwar geht der Onlinehändler davon aus, bis 2020 wieder deutlich schwarze Zahlen zu schreiben, vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Konkurrenz (Stichwort Amazon & Co.) muss Zooplus aber erst einmal zeigen, dass sich mit dem Geschäftsmodell auch nachhaltig hohe Gewinnmargen erzielen lassen. Die aktuelle Bewertung nimmt trotz des Kursverlusts in den vergangenen Monaten, bereits den Großteil der positiven Entwicklung vorweg.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.