Zooplus-Aktie: Tierfutter-Spezialist nach Gewinn-Warnung im Abwärtssog

Lange kannte die Zooplus-Aktie nur eine Richtung: nach oben. Immerhin vervielfachte sich der Aktienkurs in den vergangenen Jahren:

So ging es alleine von November 2012 bis Mai 2017 von unter 30 bis auf knapp 200 € in der Spitze nach oben.

Richtig Schwung erhielten die Papiere, als gegen Ende des vergangenen Jahres der US-Spezialist für Tierbedarf Petsmart für 8,7 Mrd. Dollar den Besitzer wechselte.

Auch wenn Zooplus in festen Händen ist (Burda Digital hält über 30% der Anteile) und keine akute Übernahme im Raum stand, zog der Megadeal auch Zooplus mit nach oben.

Doch zuletzt hat sich das Bild deutlich eingetrübt und die Euphorie der Anleger einen kräftigen Dämpfer erlitten.

Ausgelöst durch eine massive Gewinn-Warnung, rauschte der Kurs bis auf 140 € in die Tiefe und notiert damit knapp 30% unter dem bisherigen Allzeithoch.

Was aber sind die Gründe für die Gewinn-Warnung? Wie steht es um die mittelfristigen Perspektiven des Konzerns? Und wie schätzen die Analysten die Zukunft ein?

Zooplus im Porträt

Die Münchener Zooplus AG ist mit deutlichem Abstand Europas führender Online-Händler für Haustier-Nahrung und -Zubehör.

Das im Jahr 1999 gegründete Unternehmen ist seit 1998 an der Börse notiert.

Mit über 8.000 Artikeln verfügt es über ein umfassendes Sortiment für alle wichtigen Heimtier-Gattungen. Rund 80% des Geschäfts entfallen auf Hunde- und Katzenfutter.

Von 7 Logistik-Zentren in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Frankreich, Belgien und UK werden Kunden in 30 Ländern Europas beliefert.

Beeindruckende Wachstums-Story

In den vergangenen Jahren legte der Internet-Händler ein beeindruckendes Wachstum an den Tag:

Die Umsätze kletterten von 34,2 Mio. € in 2002 bis auf 908,6 Mio. im vergangenen Geschäftsjahr.

Allerdings drückten hohe Ausgaben in Logistik und Marketing auf den Gewinn.

Zuletzt erzielten die Münchener mit 11,4 Mio. € Jahresgewinn nur eine hauchdünne Gewinnmarge von 1,25%.

Branche profitiert von verändertem Einkaufs-Verhalten

Das starke Wachstum in den vergangenen Jahren ist durch einen nachhaltigen Branchentrend untermauert.

Der europäische Markt für Haustier-Nahrung und -zubehör (ca. 25 Mrd. €) wächst relativ stabil mit 2 – 3% pro Jahr.

Experten gehen unterdessen davon aus, dass der Online-Anteil von ca. 7 – 8% weiter ansteigen wird und auch zukünftig Wachstums-Potenzial bietet.

Zooplus schraubt Investitionen nach oben

Mit seiner jüngsten Gewinn-Warnung hat der Tierfutter-Spezialist seine Anleger dennoch kalt erwischt.

Denn überraschend teure Expansions-Pläne dürften laut der Konzernführung dafür sorgen, dass der geplante Jahresgewinn max. die Hälfte des angepeilten Niveaus erreichen wird.

Sie müssen wissen: Bislang rechnete Firmenchef Dr. Cornelius Patt mit einem Vorsteuer-Gewinn von 17 – 22 Mio. €.

Jetzt soll die Zielgröße nur noch im 1-stelligen Millionenbereich – und damit deutlich unter dem Vorjahres-Niveau von 17,9 Mio. € – liegen.

Auch beim Umsatz-Wachstum tritt Zooplus auf die Bremse: Statt, wie bisher, mind. 1,25 Mrd. €, erwartet das Unternehmen nun „nur“ rund 1,125 Mrd.

Wettbewerbsdruck nimmt zu

Der Druck auf die Aktie ist durchaus verständlich, denn die Ausgangslage könnte wahrlich besser sein.

Zum einen drücken besonders  Kosten  für  eine  verstärkte Neukunden-Gewinnung, aber auch Vorlauf-Kosten für Logistik-Kapazitäten und IT-Entwicklung auf die Gewinne.

Zum anderen spürt das Management einen erhöhten Wettbewerbsdruck in Italien und Spanien.

Allerdings hat Zooplus seine Mittelfrist-Ziele (2020: 2 Mrd. € Umsatz; Vorsteuer-Gewinn aus dem Bestands-Geschäft von 60 Mio. €) vorerst bekräftigt.

Analysten senken reihenweise ihre Kursziele

Auch die Analysten haben reagiert und nach der Gewinn-Warnung reihenweise ihre Prognosen angepasst:

Im Durchschnitt rechnen die Experten jetzt mit einem Gewinn je Aktie von 0,88 € in 2018 und 1,75 €in 2019.

Damit ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 158 respektive 79. Entsprechend liegt das durchschnittliche Kursziel mit 142,56 € nur minimal über dem aktuellen Aktienkurs.

20. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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