Zooplus: Tierfutterhändler legt vorläufige Umsatzzahlen vor

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Onlinehändler Zooplus meldet nachlassende Wachstumsraten. Zunehmender Wettbewerb und Margendruck lassen Anleger auf Abstand gehen. (Foto: LeventeGyori / Shutterstock.com)

Hochgelobt und tief gefallen. Jahrelang trieben die Anleger die Papiere des Onlinehändlers in schwindelerregende Höhen. Doch seit längerem stockt es im Getriebe. Nachlassende Wachstumsraten, zunehmender Wettbewerb und Margendruck lassen inzwischen Zweifel am Geschäftsmodell aufkommen. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie über 20% im Minus, während der Index für deutsche Technologieaktien (TECDAX) im gleichen Zeitraum um 13% nach oben kletterte.

Was sind die Gründe für die Kursschwäche? Wie steht es um die Zukunftsperspektiven des Konzerns?

Führender Online-Händler für Haustierkost und -zubehör

Bevor ich näher auf die Zahlen eingehe, stelle ich Ihnen den Konzern vor – denn bislang dürfte der Name wohl eher den Besitzern von Haustieren ein Begriff sein. Aber Zooplus ist der mit Abstand führende Internethändler für Haustier-Nahrung und –zubehör. Gegründet wurde die Firma im Jahr 1999 vom heutigen CEO Cornelius Patt. Seit 2008 ist Zooplus am Aktienmarkt notiert.

Dabei ist die rasante Entwicklung der Firma durchaus beeindruckend: Seit dem Jahr 2006 kletterten die Umsätze von 34 Millionen auf zuletzt 1,34 Milliarden Euro.

Die angebotenen Produkte werden Online im deutschsprachigem Heimatmarkt sowie Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Großbritannien und Polen angeboten. Darüber hinaus ist das Unternehmen in weiteren europäischen Märkten aktiv. Die umfangreiche Produktpalette mit über 8.000 Produkten beinhaltet Tierfutter (Trocken- und Nassfutter oder auch Futterbeigaben wie Kauknochen, Snacks u.a.) und Zubehör wie Kratzbäume für Katzen, Käfige und Hundekörbe in unterschiedlichsten Preis- und Qualitätskategorien.

Rund 80% des Geschäftes entfallen dabei auf Hunde- und Katzenfutter.

Zooplus agiert in einem strukturellen Wachstumsmarkt….

Der europäische Markt für Haustier-Nahrung und -zubehör (ca. 25 Mrd. €) wächst relativ stabil mit 2 – 3% pro Jahr. Allerdings beträgt der Anteil der über das Internet erzielten Umsätze erst ca. 6%.

Genau in diesem Wachstums-Segment hat sich Zooplus positioniert. Der Erfolg gibt dem Online-Händler Recht. Denn Zooplus weist eine extrem hohe Kunden-Bindung auf: Die Nachkauf-Rate der Stammkunden liegt bei über 90%.

Mit einer hohen Kosten-Effizienz und Skalen-Effekten kann Zooplus die Profitabilität weiter verbessern und geringere Rohertrags-Margen kompensieren.

….aber verhaltener Start ins neue Jahr

Alles in allem also gute Voraussetzung für zukünftiges Wachstum. Doch zuletzt ließen die Wachstumsraten zu wünschen übrig. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres liefen die Geschäfte eher verhalten. Zooplus erreichte „nur“ ein Umsatzplus von 13% auf 363 Millionen Euro. So niedrig waren die Zuwachsraten zuletzt im Jahr 2008. Das schleppende Wachstum dürfte vor allem auf den zunehmenden Konkurrenzdruck zurückzuführen sein. Immer mehr große Player wie Amazon drängen in das lukrative Geschäft mit Tiernahrung- und zubehör ein.

Kundenanzahl spürbar gestiegen

Dennoch gab es auch Lichtblicke im Zahlenwerk. So ist die Anzahl der Neukunden um 15% im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 739.000 angestiegen. Ebenso beeindruckend entwickelte sich der Absatz der Eigenmarken, der um 29% nach oben schnellte.

Vorstand bestätigt Gesamtjahresplanung

Für das Gesamtjahr zeigt sich die Konzernführung zuversichtlich und hält an ihren Zielen fest. So soll das Umsatzwachstum zwischen 14 und 18% liegen. Das entspricht einem Umsatzplus von 190 bis 240 Millionen Euro. Im besten Fall dürften sich die Jahreserlöse dann auf 1,58 Milliarden Euro aufsummieren.

Ob das Niveau allerdings ausreicht, um wieder in die Gewinnzone zurückzukehren, wird sich erst noch zeigen müssen. Im vergangenen Geschäftsjahr ist Zooplus nämlich wieder leicht in die Verlustzone gerutscht (-2 Millionen Euro). Auch im Vorjahr lag der Gewinn gerade einmal bei 2 Millionen Euro, was einer hauchdünnen Gewinnspanne von 0,17% entsprach.

Euphorie der Anleger lässt spürbar nach

Nach den vorgelegten vorläufigen Umsatzzahlen für das erste Quartal zeigten sich die Anleger zurückhaltend. Ohnehin scheint die Euphorie der Vorjahre mittlerweile deutlich gedämpft zu sein. Lange Zeit zählte die Aktie zu den absoluten Lieblingen der Anleger. Von 2009 bis 2017 explodierten die Papiere regelrecht von 12 bis auf 200 Euro. Inzwischen notiert die Aktie des Tierfutterspezialisten „nur“ noch bei 95 Euro. Damit notiert die Aktie zwar 50% unter ihren Höchstkursen, ist aber immer noch alles andere als ein Schnäppchen. Sie müssen wissen: Auf Basis der Analystenschätzungen für 2020 handelt die Aktie immer noch mit mehr als dem 200-Fachen der erwarteten Gewinne.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.