Zukünftige Generationen erben die Lasten der EU-Kredite

In dieser Beitrags-Reihe haben wir Ihnen aufgezeigt, dass jeder Bundesbürger mit umgerechnet 16.500 Euro für die Eurorettung haftet.

Oder anders ausgedrückt: Deutschland steht mit rund 1,4 Billionen Euro im Feuer.

Nichts ist mehr unmöglich…

Der Brexit hat schlagartig klargemacht, dass einzelne Staaten die Europäische Union doch verlassen können. So werden aufgrund solcher Austritte die Risiken für Deutschland immer größer.

Denn die Forderungen, die wir an andere EU-Länder haben, sind von den Austrittskandidaten wohl unwahrscheinlich einzulösen.

Hinzu kommen die Target-Schulden.

In Bezug auf die Haftungen heißt das, dass die deutschen Target-Forderungen für den Fall des Zusammenbruchs der EU oder des Auseinanderbrechens des Euro, ein Haftungsrisiko darstellen.

Sie verlieren – die Staaten gewinnen

Vergessen Sie auch nicht, dass das Wertpapierankaufprogramm der EZB zu einer massiven Reduzierung der Zinsen geführt hat und weiterhin führt.

Während Sie als Sparer Milliarden verlieren, erleichtern Mini- und Nullzinsen die Ausweitung der Schuldenaufnahme von überschuldeten Euro-Staaten.

Staatsfinanzierung und Insolvenzverschleppung

Und noch etwas: Durch die Ankäufe von Staatsanleihen betreibt die EZB nichts anderes als Staatsfinanzierung. Schlimmer noch: Insolvenzverschleppung.

Und das alles unter der Prämisse, dass dadurch viele der im Maastrichter Vertrag festgesetzten Vereinbarungen gebrochen wurden.

Damit ersehen Sie, dass sich keiner an geltendes Recht hält. Unfassbar.

Durch Target2 ständig steigende Risiken

Was Ihnen normalerweise auch nicht gesagt wird: Etwa 60 Prozent aller Ankäufe des Eurosystems finden sich als Aktiva in der Bundesbankbilanz. Und das, obwohl die Ankäufe der Bundesbank nicht mal 25 Prozent ausmachen.

Dabei handelt es ich um internationale Finanzinstitute, die ihr Target2-Konto bei der Bundesbank haben.

Was das heißt? Ganz einfach – so steigt das Haftungsrisiko für Deutschland ständig an. Und damit auch Ihres als Steuerzahler.

Hohe Risiken für den bundesdeutschen Haushalt

Außerdem ist das Problem mit den Finanzhilfen immens.

Denn schon heute können die Schuldnerländer, wie etwa Griechenland, ihre erhaltenen Kredite nicht zurückzahlen. Sie spekulieren darauf, dass es eine zeitliche und zukünftige Verschiebung gibt.

Etwa durch Umschuldungen, Laufzeitverlängerungen und Zinsstundungen.

Es ist so: Wenn Deutschland die bestehenden Kredite samt Zinsen nicht in einem überschaubaren Zeitraum zurückgezahlt erhält, dann werden diese „uneinbringbar“. Sie müssen dann im Bundeshaushalt abgeschrieben werden.

Die zukünftigen Generationen erben die Lasten uneinbringbarer Kredite

Das hat dann zur Folge, dass die Lasten und Risiken auf nachfolgenden Generationen verschoben werden.

Da können sich die jungen Leute dann bei der heutigen Bundesregierung bedanken.

Denn die Gesamtsumme der zugesagten Euro-Finanzhilfen beträgt über den ESM (Europäischen Stabilisierungsmechanismus) unglaubliche 263,6 Milliarden Euro.

Machen wir uns nichts vor: Kommt es zu einer erneuten Finanzkrise, muss Deutschland automatisch diese Summe ausbezahlen.

Die Katze beißt sich in den Schwanz

Durch die immer wieder neu ausgereichten Rettungsgelder werden dringend notwendige Reformen in den schwächelnden Mitgliedsstaaten verhindert. Oder vor sich hergeschoben – ganz wie man will.

Doch ob mit oder ohne Reformen – wie wir beispielsweise in Griechenland sehen: Die prekäre Situation der Bürger wird nicht verbessert.

Ganz im Gegenteil verschlechtern sich manchenorts vor allem die sozialen Verhältnisse. Und das mitunter katastrophal.

Die Stabilität Europas ist gefährdet

Die voran genannten Szenarien wiederum führen zu großem Unmut gegen die Regierung des betroffenen Landes sowie gegen die EU. Vor allem aber gegen Deutschland, dem hauptsächlich die Schuld an der Misere angelastet wird.

Man möchte meinen: Aufgrund der deutschen Austeritätspolitik auch nicht ganz zu Unrecht.

So entfremdet die EU-Politik geradezu die europäischen Völker voneinander, statt sie zusammenzuführen. Nie zuvor war der soziale Friede so gefährdet wie heute und damit auch die Stabilität ganz Europas.

12. Juni 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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