Zukunftsmarkt Wasserstoff: Cummins will Hydrogenics übernehmen

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Cummins will mit der Hydrogenics-Übernahme besser vom Wachstumsmarkt Wasserstoff profitieren. Dabei kommt der Bieter günstig zum Zug. (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Der Markt für umweltfreundliche Antriebstechnologien ist hart umkämpft. Gerade in diesen Zukunftsmärkten kommt es häufig zu spektakulären Übernahmen. Ende vergangener Woche war es wieder soweit:

Der US-Diesel- und Gas-Motoren-Hersteller Cummins teilte mit, dass er den kanadischen Wasserstoff-Brennzellenhersteller Hydrogenics übernehmen möchte. Die Managements beider Unternehmen haben sich bereits auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt.

Cummins will 290 Mio. USD zahlen

Cummins bietet den Aktionären von Hydrogenics 15 USD je Aktie. Insgesamt ist Cummins somit bereit, rund 290 Mio. USD für den kanadischen Brennstoffhersteller auf den Tisch zu legen. Experten sind sich einig, dass dieser Preis nicht überteuert ist. Schließlich ist Hydrogenics ein bedeutender Entwickler und Hersteller im Zukunftsmarkt der Wasserstofftechnologien und ist weltweit aktiv.

Angebot liegt unter Schlusskurs

Da das Angebot durchaus noch Luft gehabt hätte, ist es ungewiss wie viele Hydrogenics-Aktionäre der Offerte zustimmen werden. Der Kurs der Hydrogenics-Papiere hat sich aufgrund von Übernahmespekulationen in den letzten Wochen zwar fast verdoppelt, doch nicht wenige Investoren sind zu Preisen oberhalb der jetzigen Offerte eingestiegen – in der Hoffnung, dass der Preis höher liegt.

Der Aktienmarkt reagierte daher auf die Übernahmeofferte anders als üblich: Während die Cummins-Aktie zum freitäglichen Börsenschluss ein Plus von +1,37% verzeichnen konnte, verloren die Hydrogenics-Papiere etwa 4%. Normalerweise ist es genau anders herum: Die Aktie des Übernahme-Kandidaten gewinnt, die des Bieters verliert.

Großaktionär Air Liquide bleibt an Bord

Aus der Übernahmevereinbarung geht hervor, dass der französische Gase-Hersteller Air Liquide seine erst vor ein paar Monaten erworbenen Hydrogenics-Anteile in Höhe von etwa 18,6% behalten wird. Somit wird Cummins – auch wenn das Übernahmeangebot von den anderen Hydrogenics-Aktionären angenommen wird – zunächst nicht die vollständige Kontrolle über Hydrogenics erlangen können.

Cummins erweitert sein Angebotsspektrum stetig

Der bisher für seine Diesel- und Gasmotoren bekannte Konzern will durch die Übernahme von Hydrogenics sein Angebotsspektrum auch auf den Bereich der umweltfreundlichen Wasserstoff-Antriebstechnologien ausdehnen.

“Wir freuen uns, dass Cummins eine Vereinbarung mit Hydrogenics getroffen hat, um die Mitarbeiter und Innovationen eines der weltweit führenden Anbieter von Brennstoffzellen- und Wasserstofferzeugungsanlagen in unserem Unternehmen willkommen zu heißen”, so Tom Linebarger, Chairman und CEO von Cummins Inc.

Zuvor hatte Cummins bereits mehrere Unternehmen aus dem Bereich Elektro-Mobilität übernommen, um sich auch in dieser Zukunftstechnologie ein Standbein zu schaffen. So übernahm Cummins bereits im Oktober 2017 den Batteriespezialisten Brammo. Im vergangenen Jahr wurde der auf Elektro- und Hybridfahrzeuge spezialisierte britische Geschäftsbereich von Johnson Matthey und der kalifornische E-Antriebs-Spezialist Efficient Drivetrains übernommen.

Die Übernahme von Hydrogenics durch Cummins soll, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre und der behördlichen Genehmigungen, im dritten Quartal des laufenden Jahres abgeschlossen werden.

Weiter Übernahmen im Zukunftsmarkt Wasserstoff möglich

Es spricht vieles dafür, dass die Übernahme von Hydrogenics durch Cummins kein Einzelfall bleiben wird. Weitere Konzerne dürften sehr daran interessiert sein, zusätzliches Know-how im Bereich Wasserstoff einzukaufen.

Als mögliche Übernahmekandidaten werden z.B. die norwegische Nel ASA, das deutsche Brennstoffzellenunternehmen SFC Energy und die kanadische Ballard Power Systems genannt (keine Kaufempfehlung!).

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.