Zur-Rose-Aktie: Alles zum Börsengang der virtuellen Apotheke

Stift Kurse Geld – shutterstock_458336038 William Potter

Zur Rose: Wachstum der auf rezeptpflichtige Präparate spezialisierten Versand-Apotheke und Doc-Morris-Tochter soll EU-weit forciert werden. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Auf Grund des positiven Börsen-Umfelds wagen immer mehr Unternehmenden den Sprung auf das Parkett.

Gerade ist mit Altice der zweitgrößte Börsengang des Jahres in den USA erfolgreich über die Bühne gegangen. Aber auch in Europa hat sich die Stimmung wieder aufgehellt.

Mit der Versand-Apotheke Zur Rose aus der Schweiz kommt jetzt der Konzern an die Börse, der bereits mit der Marke Doc Morris in Deutschland vertreten ist.

Das Interesse der Anleger dürfte hoch sein; das Geschäftsfeld mit dem Online-Handel von Medikamenten gilt als spannender Wachstumsmarkt.

Zugleich hat die Shop Apotheke aus den Niederlanden im vergangen Oktober mit dem gleichen Geschäftsmodell bereits vorgemacht, dass der Sprung auf das Parkett erfolgreich gelingen kann.

Seit dem IPO kletterte der Kurs in gerade einmal 9 Monaten um mehr als 50% nach oben.

Karten werden neu gemischt

Sie können davon ausgehen, dass durch den Börsengang der 2. Versand-Apotheke der Markt mit dem Online-Vertrieb von Medikamenten einen neuen Schub erhalten wird.

Denn das eingesammelte Kapital dürfte v. a. in die aggressive Expansion und den Ausbau des Vertriebs fließen.

Die niederländische Shop Apotheke hatte immerhin 95 Mio. € eingesammelt.

Bei Zur Rose dürften es sogar deutlich mehr sein; bis zu 212 Mio. € wollen die Schweizer mit ihrem Börsengang einfahren.

Auch wenn sich insbesondere die stationären Apotheken warm anziehen müssen, kommt dem Apothekenmarkt zugute, dass er immer noch wächst.

Bislang lag der Fokus auf rezeptpflichtigen Medikamenten…

Während die Shop Apotheke aus den Niederlanden vor allen Dingen mit frei verkäuflichen Arzneimitteln groß wurde, ist dies bei Zur Rose anders:

Die Tochter Doc Morris, die mit rund 300 Mio. € 70% zu den Gesamt-Erlösen beiträgt, hat sich nämlich besonders auf rezeptpflichtige Präparate spezialisiert.

…was sich aber bald ändern dürfte

Jetzt wollen die Schweizer aber auch auf dem Markt für nicht verschreibungspflichtige Medikamente angreifen. Um sich hier zu verstärken, wurde kräftig in Werbung investiert.

Das Ergebnis können Sie in den jüngsten Zahlen ablesen: Trotz eines Jahres-Umsatzes von 807 Mio. Schweizer Franken fiel ein Verlust in Höhe von 12,8 Mio. an.

Den Firmenchef Walter Oberhänsli scheint das nicht zu stören; er verweist lieber auf die satten Wachstumsraten.

Immerhin erzielte Doc Morris im Jahresauftakt-Quartal einen Umsatz-Zuwachs von 17%. Die frei verkäuflichen Medikamente legten dabei kräftig um 45% zu.

Mit den Geschäftszahlen wird deutlich, wer der Platzhirsch bei den virtuellen Apotheken ist:

Denn Zur Rose ist, am Umsatz gemessen, gut 2,5x so groß wie der Rivale, die Shop Apotheke, die es gerade einmal auf 117 Mio. Jahres-Erlös gebracht hat.

Online-Handel hat Nachholbedarf

Der Markt gilt unter Experten als interessant.

Der Grund ist so einfach wie einleuchtend: Alleine in den 4 größten Märkten (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien) liegt das Marktvolumen bei 22 Mrd. €.

Abgesehen von Deutschland (13,5%) liegt die Absatz-Quote über das Internet im niedrig 1-stelligen Prozentbereich.

Genug Platz also, um von einem strukturellen Wandel beim Einkauf-Verhalten der Kunden zu profitieren.

Zur Rose: Bis zu 870 Mio. Franken Börsenwert

Die Eckdaten stehen mittlerweile fest: Es sollen 1,9 Mio. Aktien für 120 – 140 Schweizer Franken ausgegeben werden.

Damit könnte der Börsenwert bei bis zu 870 Mio. Schweizer Franken liegen.

Mit den erzielten Mitteln will Firmenchef Oberhänsli v. a. die Expansion vorantreiben. Auch der konkrete  Zukauf einer Versand-Apotheke in Deutschland ist im Gespräch.

Diese ist auf frei verkäufliche Medikamente fokussiert.

Dies könnte sich besonders vor dem Hintergrund des im Moment diskutierten Versand-Verbots verschreibungspflichtiger Medikamente als kluger und notwendiger Schachzug erweisen.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.