Zwei Öl-Konzerne mit weiterem Potenzial

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Royal Dutch Shell und Equinor haben das vergangene Jahr mit Bravour abgeschlossen. Und auch die weiteren Aussichten sind hervorragend. (Foto: Bjoern Wylezich / Shutterstock.com)

2018 konnte Royal Dutch Shell den größten Gewinn seit 6 Jahren verbuchen. Der Gewinn stieg um 80% auf 23 Mrd. $, der Umsatz lag mit 388 Mrd. $ 27% höher. Der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten hat sich auf 23,8 Mrd. $ fast verdoppelt, und das obwohl die Gesamtfördermenge des Konzerns mit 3,6 Mio. Barrel pro Tag konstant blieb.

Das größte Geschäftsfeld von Royal Dutch Shell ist das Gas

Der Gewinn stieg um 78% auf 9,4 Mrd. $, und das Verkaufsvolumen um 8% auf 71 Mio. Tonnen. Shell legt einen besonderen Fokus auf dieses Geschäftsfeld. Erst kürzlich eröffnete der Konzern eine neue Gasraffinerie in Australien, in der Flüssig- und Autogas hergestellt werden. Das Upstreamgeschäft, die Ölförderung, konnte aufgrund des höheren Ölpreises mit 6,8 Mrd. $ 119% mehr Gewinn erzielen. Die Ölfördermenge sank jedoch um 2% auf 2,7 Mio. Barrel pro Tag. Shell hält 30% der Onshore-Förderrechte im Niger Delta. Diese Förderrechte konnte sich der Konzern erfolgreich für die nächsten 20 Jahre sichern.

Royal Dutch Shell wird das Flüssiggasgeschäft und den Bereich erneuerbare Energien ausbauen

Der höhere Ölpreis 2018, der dem Upstreamgeschäft diesen Gewinnsprung verschaffte, wirkt sich negativ auf das Downstreamgeschäft aus. Die Raffinerien und das Endkundengeschäft mussten einen Gewinneinbruch von 16,7% hinnehmen und verdienten nur noch 7,6 Mrd. $, da der Ölpreis nicht sofort an den Endkunden weitergegeben werden konnte. Die Verkaufsmenge von Ölprodukten stieg um 3%, während das Chemiegeschäft 3% weniger verkaufte.

Shell fokussiert sich auf das Flüssiggasgeschäft und will sein Engagement in erneuerbare Energien ausbauen.

Unternehmensporträt

Royal Dutch Shell ist nach Umsatz der weltweit zweitgrößte Ölkonzern. Die Doppelholding wurde 2005 abgeschafft und eine einheitliche Konzernstruktur mit einem Management gebildet. Geschäftsfelder sind Exploration und Produktion von Öl und Gas, petrochemische Produkte sowie erneuerbare Energien. Zudem betreibt der Konzern das weltgrößte Tankstellennetz.

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2018 konnte Equinor weiterwachsen

Der Umsatz stieg um 29% auf 78,5 Mrd. $. Der Gewinn befindet sich mit 7,5 Mrd. $ (+64%) auf einem Fünfjahreshoch. Der um Wiederbeschaffungskosten und Lagerhaltungseffekte bereinigte operative Gewinn lag mit 18 Mrd. $ 42% über dem Vorjahreswert. Mit 2,1 Mio. Barrel pro Tag war die Fördermenge 2018 gleichbleibend. Das Gewinnwachstum resultierte vor allem aus dem gestiegenen Ölpreis. Dieser lag im vergangenen Jahr durchschnittlich bei 63,1 $ pro Barrel und damit 29% höher. Der Gewinn des Upstreamgeschäftes in Norwegen wuchs um 36% auf 13 Mrd. $.

Das internationale Fördergeschäft konnte seine Gewinne mit 3,4 Mrd. $ mehr als verdoppeln. Grund dafür waren vor allem Kosteneinsparungen bei den Ausgaben für Förderrechte in Nigeria. Das Midstream- und Endkundengeschäft verdiente mit 1,6 Mrd. $ 11% weniger. Der Konzern ist in einem guten Zustand: Die Verschuldung sank im vergangenen Jahr auf 22%, und die Reserveersatzrate liegt mit 213% auf Allzeithoch. Die Explorationsausgaben stiegen um 33% auf 1,4 Mrd $.

Equinor setzt verstärkt auf erneuerbare Energien

Das neue Equinor, dessen Name so viel bedeutet wie „ausgeglichenes Norwegen“, versucht grüner zu erscheinen als das alte Statoil. Deshalb investiert der Konzern verstärkt in erneuerbare Energien. Gemeinsam mit E.ON und dem Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz baut Equinor den Offshore-Windpark Arkona vor der Küste der Insel Rügen mit einer Leistung von 385 MW. Außerdem hofft der Konzern auf steigende Gasexporte nach Deutschland, nach dessen Kohleausstieg.

Unternehmensporträt

Equinor (ehm. Statoil) wurde 1972 gegründet und ist der größte Öl- und Gaskonzern in den nordischen Ländern. Statoil ist weltweit in 34 Ländern präsent. Die wichtigsten Fördergebiete befinden sich in Brasilien, der Nordsee und der Barentssee. Der Konzern betreibt zudem 8 Raffinerien in Norwegen, Dänemark, Deutschland und Großbritannien.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.