Zweite Jahreshälfte beginnt in Westeuropa mit kräftigem Übernahme-Volumenanstieg

Nach dem starken ersten Halbjahr beginnt auch die zweite Jahreshälfte in Westeuropa mit hoher Übernahme-Schlagzahl (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Im Juni hat Ihnen der Übernahme-Sensor davon berichtet, dass die gestiegenen Spannungen im Handelsstreit zwischen den USA auf der einen sowie China und Europa auf der anderen Seite, die Übernahme-Lust der Firmenbosse im weiteren Jahresverlauf verringern könnte.

Neuen Daten zufolge, ist davon zu Beginn der zweiten Jahreshälfte jedoch noch nichts zu spüren. Im Gegenteil: Auch im Juli war das Übernahme-Volumen in der Marktregion Westeuropa wieder sehr robust.

Starker Juli: Übernahme-Volumen in Westeuropa 57% über Vorjahreswert

Neue Daten des Übernahme-Instituts Bureau van Dyck zeigen, dass die Lust auf Deals im Juli nicht nachließ. Im Gegenteil: Das Übernahme-Volumen in Westeuropa legte im Jahresvergleich um rund 57% auf 134 Mrd. Euro zu.

Gegenüber dem Juni dieses Jahres (71 Mrd. Euro) stieg das Übernahme-Volumen sogar um hohe 88%. Der Juli-Wert zeigt das zweithöchste Deal-Volumen der vergangenen 12 Monate an. Nur im März war die Übernahme-Lust mit einem Deal-Volumen von 186 Mrd. Euro noch höher.

„Doppelte Sky“ verzerrt das Bild – dennoch überdurchschnittliche Übernahme-Aktivität feststellbar

Uneingeschränkt positiv ist das Übernahme-Bild jedoch nicht. So fiel die Anzahl der Deals um rund 10% auf 2.100 angekündigte Transaktionen zurück. Und die Statistik hat noch einen „Schönheitsfehler“.

Erfasst werden die Deal-Ankündigungen! Dies führt dazu, dass die britische Bezahlsender-Gruppe Sky in der Liste der größten Deals sowohl den ersten als auch den zweiten Platz einnimmt.

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Comcast und Fox liefern sich einen Bieterkampf um Sky, den nur einer der beiden Interessenten gewinnen kann. Das „wahre“ Volumen liegt also mindestens um die unterlegene Offerte niedriger.

Die Statistik ist dennoch ein guter Indikator für die Aktivität im M&A-Bereich. Ziehen Sie die 24 Mrd. Euro vom Gesamt-Volumen ab, lässt sich weiterhin sagen, dass große Lust auf Deals vorliegt. Denn ohne die unterlegene Offerte lag das Juli-Volumen noch mehr als 20% über dem Schnitt der vergangenen 12 Monate. 

M&A-Volumen in Deutschland 33% über Vorjahreswert

Im europäischen Vergleich war Deutschland nach Großbritannien das zweitwichtigste Übernahme-Zielland im Juli. Das Deal-Volumen lag mit 11,7 Mrd. Euro sowohl über dem Wert des Vormonats (11,1 Mrd. Euro) als auch über dem Wert des Vorjahresmonats (8,8 Mrd. Euro).

Seit Jahresbeginn wurden Deals im Volumen von über 150 Mrd. Euro angekündigt und damit mehr als in den Jahren 2015 und 2016. 2017 lag das Volumen bei 175 Mrd. Euro – sodass der Vorjahreswert bereits im August geknackt werden könnte.

Vieles spricht für das beste Übernahme-Jahr aller Zeiten

Das Übernahme-Geschäft bleibt im Juli auf Rekord-Kurs. Sollten sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nicht entschieden verändern und die konjunkturelle Lage stabil bleiben, dürfte die Volumen-Bestmarke aus 2015 in diesem Jahr getoppt werden.

Sehr häufig gilt in politisch unsicheren Phasen die alte Börsenweisheit: Politische Börsen haben kurze Beine. Vieles spricht dafür, dass dies 2018 einmal mehr gilt, auch wenn der Ton im Handelsstreit zuletzt wieder rauer war.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.