Zwischen Deal-Abschluss und Deal-Aus: Der Mittelweg „Nachverhandelte Deals“

Vor wenigen Wochen schrieb ich Ihnen, dass der Aktienkurs eines Übernahme-Kandidaten nach der Deal-Ankündigung bis zum Deal-Abschluss steigt. Dies liegt daran, dass der Zahltag, an dem der Übernahme-Preis gezahlt wird, näher rückt und das Risiko eines Deal-Aus sinkt.

Wenn allerdings etwas dazwischen kommt und die Übernahme wackelt oder ganz platzt, dann entfernt sich die Aktie auch schnell wieder vom Übernahme-Preis.

Die „Bestrafung“ für ein Deal-Aus kann sogar dazu führen, dass die Aktie unter das Kursniveau vor Bekanntwerden des Übernahme-Plans fällt. Bei dem sozialem Netzwerk Twitter war dies 2016 der Fall.

Es gibt allerdings auch noch etwas zwischen erfolgreichem Deal-Abschluss und geplatztem Deal: Die Übernahme zu veränderten Bedingungen.

Härtere Wettbewerbsauflagen führen bei Rite Aid und WBA zu Preisnachlass

Als die US-Pharma-Kette Walgreens Boot Alliance (WBA) Ende 2015 die Übernahme des kleineren Konkurrenten Rite Aid verkündete, bot WBA 9 Dollar je Rite Aid-Aktie. Es war bekannt, dass die Übernahme aufgrund der hohen Konzentration im Markt die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen würde.

Rite Aid und WBA gingen allerdings davon aus, dass der Deal genehmigt wird, wenn 500 bis 1000 Filialen veräußert werden. Die Zuversicht am Markt stieg mit zunehmenden Details, wie die Übernahme ausgestaltet werden soll und wie die Bedenken der Wettbewerbsbehörden aus dem Weg geräumt werden sollen.

Am Ende der ausgehandelten Frist zum Übernahme-Abschluss, fehlte allerdings das OK der Behörden. Diese verlangten, dass zusätzliche Geschäftsstellen geschlossen werden. Damit war die Übernahme sehr stark gefährdet.

Besonders für den Bieter wäre ein Rücktritt vom Übernahme-Vertrag trotz Vertragsstrafe eine Option gewesen. Denn wenn mehr Filialen geschlossen werden müssen als man vermutet hat, dann ist der Vorteil aus der Transaktion geringer. Hinzu kam, dass der Übernahme-Kandidat enttäuschende Ergebnisse nach der Übernahme-Ankündigung vorlegen musste.

Rite Aid und WBA einigten sich jedoch darauf, an der Transaktion festzuhalten. Für die Rite Aid-Aktionäre war dies allerdings trotzdem vielfach mit einem Minus-Geschäft verbunden. Arbitrage-Jäger, also Investoren, welche die Lücke von Marktpreis und Übernahme-Preis ausnutzen wollten, zogen die Notbremse.

Denn dafür, dass WBA nicht den Deal platzen ließ, wurde eine Anpassung des Übernahme-Preises ausgehandelt. Statt 9 Dollar je Aktie offerierte WBA je nach Anzahl der zu schließenden Filialen nur noch maximal 7 Dollar je Aktie.

Verizon zahlt nach Datenklau für das Yahoo-Kerngeschäft 350 Mio. Dollar weniger

Dieser schonende „Mittelweg“ wurde jetzt auch bei der Yahoo-Übernahme durch Verizon eingeschlagen. Für das Kerngeschäft wollte Verizon eigentlich 4,83 Mrd. Dollar bezahlen, doch nachdem ein massiver Datendiebstahl bekannt wurde, setzten sich Yahoo und Verizon noch einmal an den Verhandlungstisch.

Am Ende einigten sich die beiden Seiten darauf, dass mögliche Folge-Schäden und Zusatzkosten geteilt werden und der Kaufpreis um 350 Mio. Dollar reduziert wird. Dies ist zwar im Vergleich zur Rite Aid-Übernahme ein prozentual geringerer Schaden, doch 350 Mio. Dollar sind eine Menge Geld.

Cabelas-Übernahme der nächste Deal mit reduziertem Übernahme-Preis?

Die Liste von Übernahmen die nach der Einigung noch einmal nachverhandelt werden, könnte schon bald noch länger werden. So wackelt im Moment der Deal zwischen dem US-Outdoor-Ausrüster Cabela´s und BassProShop gewaltig.

Das Papier des Übernahme-Kandidaten kostet aktuell nur noch 46 Dollar – der ausgehandelte Übernahme-Preis war ursprünglich 66 Dollar. Wie bei Rite Aid sind es Wettbewerbsbedenken und ein schwächerer Geschäftsverlauf, die zu einem Deal zu veränderten Bedingungen führen könnten.

Kommt es dazu, könnte die Aktie ihre Talfahrt stoppen. Wenn nicht, ist es aufgrund der schwächeren Geschäftsentwicklung aber auch nicht unwahrscheinlich, dass es mit dem Papier weiter nach unten geht. Der Übernahme-Sensor bleibt für Sie am Ball.

22. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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