Unity übernimmt ironSource im Rahmen eines Aktientausches

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Am vergangenen Mittwoch brach der Kurs des US-amerikanischen Videospiel-Engine-Entwicklers Unity Technologies massiv ein. Konkret belief sich der Kurseinbruch – bezogen auf den Schlusskurs der Unity-Aktie vom Vortag – auf -17,5%.

Als Leser meines Übernahme-Sensors können Sie sich den Grund für den Absturz sicherlich schon denken. Unity hatte am Mittwochmorgen die Übernahme des in Tel Aviv/Israel ansässigen Anzeigenvermarkters IronSource Ltd. angekündigt.

Und diese Verlautbarung kam bei den Investoren offensichtlich nicht gut an. Mögliche Gründe für die negative Reaktion der Anleger werde ich Ihnen jedoch erst später erläutern. Zunächst möchte ich Ihnen noch einige Details über den geplanten Mega-Deal zusammenfassen.

Übernahme durch Aktientausch

Laut der von beiden Unternehmen unterzeichneten Übernahmevereinbarung soll ironSource im Rahmen eines Aktientausches in eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Unity übergehen.

Dabei erhalten die ironSource-Aktionäre für jede Stammaktie 0,1089 Stammaktien von Unity. Diese Transaktion bewertet ironSource mit einem Marktwert von etwa 4,4 Mrd. US-Dollar (USD – was nach aktuellem Kurs etwa 4,37 Mrd. Euro entspricht).

Stolze Übernahmeprämie

Der Übernahmeaufschlag ist für die IT- bzw. Werbebranche überdurchschnittlich hoch. Er beläuft sich auf stolze 74%, bezogen auf den durchschnittlichen 30-Tage-Kurs der ironSource-Papiere.

So hohe Übernahmeprämien sind eher aus der High-Tech-Medizin bzw. Biotechnologie bekannt. Wenn Sie Aktien des israelischen Werbe-App-Entwicklers in Ihrem Depot haben, kann ich Ihnen daher nur gratulieren.

Die beteiligten Unternehmen im Überblick

Für diejenigen unter Ihnen, denen die beiden Unternehmen nicht so geläufig sind, möchte ich kurz erläutern, was deren Geschäftsmodell ist.

Die in San Francisco/Kalifornien ansässige Unity Technology Inc. ist laut eigenen Angaben die weltweit führende Plattform für die Erstellung und den Betrieb interaktiver 3D-Inhalte in Echtzeit.

Die Unity-Plattform bietet ein umfassendes Set an Softwarelösungen, um interaktive 2D- und 3D-Inhalte in Echtzeit für Mobiltelefone, Tablets, PCs, Konsolen und Augmented- und Virtual-Reality-Geräte zu erstellen, zu betreiben und zu vermarkten.

Unity hat einen Börsenwert von 13,4 Mrd. USD. Die gut 5.800 Unity-Mitarbeiter haben in 2021 einen Umsatz von 1,1 Mrd. USD und einen operativen Gewinn (EBIT) von -530 Mio. USD eingefahren.

Die in Tel Aviv ansässige ironSource Ltd. hat eine führende Business-Plattform entwickelt, die es Entwicklern von mobilen Inhalten ermöglicht, ihre Apps in skalierbare Unternehmen zu verwandeln.

Die Plattform ermöglicht es den Anwendern, Nutzer zu gewinnen und zu binden, Inhalte zu monetarisieren sowie zu analysieren und zu optimieren. Darüber hinaus ermöglicht es die ironSource-Plattform Spieleentwicklern, Werbung und Marketing einzubinden und zu verwalten.

ironSource hat einen Börsenwert von 2,5 Mrd. USD. Die knapp 1.000 ironSource-Mitarbeiter haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 553 Mio. USD erwirtschaftet. Der operative Gewinn belief sich in 2021 auf 82,4 Mio. USD.

Kurs der Unity-Aktie verliert – ironSource legt zu

Während der Kurs der Unity-Papiere an der New Yorker Börse (NYSE) am 13. Juli – dem Tag der Bekanntgabe der Übernahme – deutlich verlor, konnte die ironSource-Aktie deutliche Kursgewinne verzeichnen.

Bezogen auf den Schlusskurs des Vortags stieg der ironSource-Kurs an der NYSE um stolze 47% an. Hier passt der weise Spruch „Dem einen sein Leid ist des anderen Freud!“

Während die Investoren Unity an der Börse abstraften, weil das Unternehmen offensichtlich zu viel für die Übernahme auf den Tisch blättern muss, gab es deutliche Mitnahmeeffekte bei den ironSource-Papieren.

Es gibt aber weitere Spekulationen über mögliche Ursachen für den Kurseinbruch bei den Unity-Papieren. So vertreibt IronSource laut Insidern auch fragwürdige Programme, die von diversen Antiviren-Tools als Adware eingestuft und somit blockiert werden.

Bei Adware handelt es sich um Tools bzw. Anwendungen, mit denen unerwünschte Werbung bzw. Schleichwerbung beim Start eines Programms eingeblendet werden.

Wie es weitergeht

Nach Abschluss der Übernahme werden die aktuellen Unity-Aktionäre etwa 73,5% und die derzeitigen ironSource-Aktionäre etwa 26,5% des fusionierten Unternehmens besitzen.

Die geplante Transaktion wurde von den Vorständen beider Unternehmen genehmigt und soll im 4. Quartal 2022 abgeschlossen werden. Sie unterliegt noch den üblichen Abschlussbedingungen sowie der Zustimmung der Aufsichtsbehörden und Aktionäre.