Verbio: Gewinnprognose angehoben

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Die Aktie des deutschen Biokraftstoff-Spezialisten Verbio legte in den Jahren 2020 und 2021 um mehrere Hundert Prozent zu und war in diesem Zeitraum damit einer der großen Überflieger des deutschen Aktienmarktes. Auch im laufenden Jahr lief die Aktie zeitweise sehr gut. Seit Ende April ist der Kurs jedoch um mehr als 40% eingebrochen.

Verantwortlich dafür war aber nicht die operative Geschäftsentwicklung des Unternehmens. Im Gegenteil: Verbio hatte erst kürzlich die eigene Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2021/2022 um rund 16% angehoben. Auf die Gründe für den Kursrückgang gehe ich später ein. Zunächst ein kurzes Portrait und ein Blick auf die angehobene Gewinnprognose

Verbio: Der Biokraftstoff-Spezialist

Verbio ist einer der führenden, konzernunabhängigen Hersteller und Anbieter von Biokraftstoffen und zugleich der einzige großindustrielle Produzent von Biodiesel, Bioethanol und Biomethan in Europa. Die Nominalkapazität beträgt rund 450.000 Tonnen Biodiesel, 300.000 Tonnen Bioethanol und 480 Gigawattstunden Biomethan pro Jahr.

Das Unternehmen setzt zur Herstellung seiner Kraftstoffe selbst entwickelte, energiesparende Produktionsprozesse und innovative Technologien ein. Die Biokraftstoffe von Verbio erreichen CO2-Reduktionen von bis zu 90% gegenüber Benzin oder Diesel.

Verbio liefert seine Produkte direkt an die europäischen Mineralölkonzerne, Mineralölhandelsgesellschaften, freie Tankstellen, Speditionen, Stadtwerke und Fahrzeugflotten. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen hochwertiges Pharmaglyzerin für die Konsumgüter- und Kosmetikindustrie (Glyzerin entsteht als Nebenprodukt bei der Biodieselherstellung).

Die Verbio-Aktie ist seit Oktober 2006 im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Aktuell befindet sich das Papier im Nebenwerte-Index SDax.

EBITDA-Prognose auf ca. 500 Mio. Euro angehoben

Kürzlich teilte das Verbio-Management mit, dass man aufgrund des bisherigen Geschäftsverlaufes sowie des aktuellen Absatz- und Rohstoffpreisniveaus davon ausgehe, im Geschäftsjahr 2021/2022 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in der Größenordnung von 500 Mio. Euro zu erzielen.

Zuvor war das Verbio-Management von einem EBITDA in Höhe von 430 Mio. Euro für 2021/2022 ausgegangen. Die weltweit lebhafte Nachfrage nach CO2-sparenden Biokraftstoffen bewirke ein fortwährend hohes Preisniveau, vor allem bei den fortschrittlichen Biokraftstoffen der 2. Generation, so das Unternehmen.  

Verbio-Aktie im Blickpunkt

Dass die Verbio-Aktie in den vergangenen Wochen stärker unter Druck stand, liegt im Wesentlichen an der teils schon vorhandenen und noch zu erwartenden Lebensmittelknappheit, die dazu führen könnte, dass Biospritvorschriften zum Beispiel in Deutschland außer Kraft gesetzt werden.

Dafür machten sich einige Länder im Zuge des jüngsten G7-Gipfels stark. Bundesumweltministerin Steffi Lemke setzt sich schon länger gegen den Einsatz von Biosprit aus Pflanzen ein, sie will dies per Gesetzesänderung begrenzen. Ich halte den jüngsten Abverkauf bei Verbio aber dennoch für übertrieben, da das Unternehmen in den vergangenen Jahren die Internationalisierung vorangetrieben hat.