Aktien und die Inflation(serwartungen)

Zum Ende der Woche werfen wir heute einen Blick auf das Thema Inflationserwartung und Aktienmärkte. Genauer gesagt schauen wir uns den Zusammenhang zwischen der Inflationserwartung und dem Index S&P 500 an.

Bei Inflationsangst mehr Investitionen in Sachwerte

Bekanntlich treibt es Investoren in Sachwerte, wenn die Inflationsängste zunehmen. Das macht insofern Sinn, als Sachwerte nicht wie unverzinstes Geld in inflationären Zeiten an Wert verlieren, sondern die Kaufkraft erhalten, wenn nicht sogar ausbauen.

Typischerweise gehören auch Aktien zu Sachwerten, denn schließlich sind Aktien Unternehmensanteile, die einen realen Gegenwert darstellen.

Sicherlich kann man darüber streiten, ob hochspekulative und teure Titel wirklich einen realen Gegenwert darstellen. Jedenfalls stimmt die Behauptung bei Blue-Chips, wie z. B. den DAX-Titeln.

Ermitteln der Inflationserwartungen

Die Inflationserwartungen zu messen ist nicht ganz einfach. Normalerweise ermittelt man die Differenz zwischen den inflationsindexierten Anleihen und den nicht inflationsindexierten Anleihen. Diese Differenz ergibt die Inflationserwartung der Anleger.

Einfach formuliert: Wenn man also für die inflationsindexierten Anleihen mehr zahlt, dann hat man offensichtlich höhere Inflationserwartungen als wenn man weniger dafür zahlt.

Inflationserwartung ist wichtiger als die tatsächliche Inflationsrate

Für die Anleger sind die Inflationserwartungen noch wichtiger als die tatsächliche Inflationsrate.

Erwarten sie steigende Preise, dann werden sie sich rechtzeitig, und zwar sofort, mit Aktien eindecken. Aus diesem Grund verlaufen die Inflationserwartungen und die Aktienkurse in der Regel auch synchron.

Vertrauen der Anleger in die Notenbanken

Aktuell ist eine divergente Entwicklung zu beobachten. Die Inflationserwartungen gehen nach unten, der S&P 500 geht aber nach oben.

Diese Entwicklung spiegelt das Gottvertrauen der Anleger in die Notenbanken wieder, denn sie glauben nicht, dass die Inflationsrate weiter fallen wird. Im Zweifel werden die Notenbanken wieder Geld drucken. Hoffentlich täuscht sich da mal nicht jemand…

Sie als Trader sollten diese Entwicklungen auf jeden Fall weiterhin beobachten.

Mehr zu diesem Thema können Sie sich im heutigen Video ansehen.

31. Mai 2013

Heiko Seibel
Von: Heiko Seibel. Über den Autor

Jahrelang hat Chefanalyst, Diplom-Kaufmann und Master of International Economics Heiko Seibel in internationalen Brokerhäusern in Singapur und Hongkong gearbeitet und besucht noch heute regelmäßig Unternehmen in Südostasien. Sein Spezialbereich: CFDs.