Anlagetrends – wo investieren Wagnisfinanzierer aktuell

Alles, was denkbar ist, ist machbar, heißt es. Und mit den neuen Technologien, künstlicher Intelligenz, Blockchain oder was auch immer die Digitalisierung hervorbringt, steigt die Zahl der Möglichkeiten fast ins Unendliche. Nirgends wird das deutlicher als auf Technologiekonferenzen wie der Collision. Jede Idee, die sich durchsetzt, verspricht nicht nur Lösungen für zentrale Probleme. Sie verspricht auch enorm viel Geld. Wer rechtzeitig investiert, kann überdurchschnittlich profitieren. Oder verlieren. Deswegen ist die Gretchenfrage jedes Anlegers, worein stecke ich mein Geld?

Auf der Collision diskutierten Christine Tsai, Mike Maples und Robert Hayes diese Frage. Sie sollten es wissen, denn alle drei sind Wagnisinvestoren und finanzieren Startups bereits in ganz frühen Phasen. Umso spannender war die Frage, welche Themenfelde sie zuletzt am meisten überrascht haben – jenseits von Kryptowährungen und ähnlichem?

Christine Tsai, 500Startups:

Ich möchte da keine spezifischen Sektoren benennen. Das wäre die Frage, was wir prognostizieren, das es angesagter ist oder nicht. Da 500 aus dem Silicon Valley kommt und wir dennoch ziemlich global aufgestellt sind, ist es für mich eher die Frage nach den Märkten. Natürlich gibt es bei uns den Fokus auf die Innovationen im Silicon Valley, aber wir schauen über die Vereinigten Staaten hinaus. Wir haben etliche Investments in Südostasien. Dort waren wir – wenn nicht der einzige – einer von wenigen Seedfunds, also Startfinanzierer. Und jetzt, einige Jahre danach sehen wir einige der großen Anwärter wie Grab dort in Südostasien und in Asien allgemein. Für uns ist das etwas besonderes. Jeder hat etwas über China gehört, da muss man nicht ins Detail gehen. Aber daneben gibt es noch vieles mehr. Indien zum Beispiel. Also, wir beobachten viele dieser Märkte.

Wenn es um Sektoren geht, wie zum Beispiel das Krypto-Thema, die bekommen weltweit viel Aufmerksamkeit. Märkte wie das Silicon Valley mögen vielleicht nicht mehr so aufregend sein, oder es gibt so etwas wie allergische Reaktionen auf E-Commerce beispielsweise. Aber andere Märkte sind noch immer in der Entstehungsphase. Und deswegen ist da eine große Chance, in diese Kunden und diese Demografien zu investieren.

 

Frage: Wie groß ist der Einfluss Ihrer Investmentkriterien?

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Mike Maples, Floodgate:

Ich neige eher zu Gründern, die sich zuallererst an Prinzipien orientieren. Nehmen Sie die Jungs von Lyft, Logan und John, die damals noch bei Zimride waren. Sie kamen rein und sagten: Wir glauben, dass Städte um Autos herum gestaltet sind, sie sollten aber um die Menschen herum gestaltet sein. Wir glauben, dass Autos nicht nur zu 3 Prozent ausgelastet sein sollten. Wir glauben, es sollte in den USA nicht so viele Parkplätze geben, dass sie die Fläche von Conneticut abdecken.

Also, wir investieren so wahnsinnig früh, dass wir wissen das Geschäft wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch verändern. Daher wollen wir das Gefühl haben, die Gründer liegen mit ihren Grundsätzen höchstwahrscheinlich richtig. Und dann kommt die Frage, haben Sie das Zeug dazu, durch all die zu erwartenden Nahtoderfahrungen zu navigieren, denn die werden sie zu jeder Zeit haben. Werden sie gut mit dem Ärger umgehen, den sie haben werden? Ist das Team gut genug aufgestellt? Und dann ist es das Timing, was wohl am schwierigsten einzuschätzen ist. Ich denke, der Zeitfaktor ist der wichtigste Indikator für Erfolg oder Scheitern. Zu früh zu sein ist genauso schlecht wie zu spät zu sein. Beides wäre falsch, Aber ich finde, es ist schwerer vorherzusagen. Und ein großartiges Team mit passenden Grundsätzen wird das Timing tendenziell eher zu seinem Vorteil nutzen als umgekehrt.

 

Frage: Wenn jemand in einem Bereich tätig ist, der gerade gehypt wird – wir haben über AI gesprochen, über technische Infrastruktur, physische Infrastrukur ist genauso heiß diskutiert gerade – sollte das Gründer beunruhigen. Dass sie zum Beispiel Teil einer Blase, eines Hypes sind. Wenn also besonders kritisch hingeschaut wird?

Robert Hayes, First Round Capital

Wir haben all diese Enabling-Technologien, und wir können uns hier darauf einigen, wir wissen, das sind Enablin-technolgien. Wir wissen nur noch nicht, was sie tatsächlich möglich machen. Und das ist es, wonach bei einem Gründer suche. Hat er exklusive Einblicke/Erkenntnisse. Mal angenommen: Bevor diese technologie existierte, konnten wir dieses und jenes nicht machen. Jetzt, wo sie das ist, können wir damit ein spezifisches Problem lösen. Und zwar ein großes. Eines, das wirklich zählt. Bie Uber zum Beispiel: Haben Sie jemals versucht, in San Francisco ein Taxis zu bekommen – und jeder sagt: „Oh mein Gott, das ist der Horror!“ jetzt kann man auch was anderes nehmen, aber mit diesem Problem kann jeder etwas verbinden. Vergangenes Jahr, bevor Blockchain alles verdrängte und wir AI hatten, kamen einige Firmen zu mir und sagten, wir bieten künstlichen Intelligenz als eine Dienstleistung. Und ich sagte: Toll, was bedeutet das? Nun, Sie sagen, Sie haben ein Problem, und wir lösen es mit KI. Okay, Ihr seid also eine Beratung? Natürlich waren Sie es nicht. Solange also jemand eine Plattform bietet, und die Antwort auf die Kundenfrage, was die Plattform kann, ist, was immer Sie wollen, dass sie kann, das löst kein Problem. Das ist Technologieentwicklung, um danach erst herauszufinden, wie die Technologie ein Problem löst. Und das ist rückwärts gewandt.

Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.