CFD-Broker insolvent

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Die FXdirekt Bank hat gegenüber der BaFin ihre Insolvenz wegen Überschuldung angezeigt.

Seit dem 21.12.2012 steht die FXdirekt damit unter der Fremdverwaltung der BaFin.

Erste Berichte im Oktober

Auslöser waren mehrere kritische Artikel des Handelblatts und in „Seibels Trading Monitor“ über die Machenschaften des Brokers.

Im Raum steht bspw. Handel gegen den Kunden. Vor allem ging es auch darum, dass Kunden in Positionen gedrängt worden sein sollen.

Hintergrund solcher Aktivitäten ist natürlich der, dass man Kommissionen scheffeln möchte und hat das dann hier auf eine Art getan, die nicht legal ist.

Es ist grundsätzlich nicht möglich als Finanzdienstleister, der auch Broker ist, gleichzeitig dem Kunden eine Position ans Herz zu legen.

Das fällt dann unter Anlageberatung und in der Regel ist der Interessenskonflikt so groß, dass es hier keine praktikable Umsetzung gibt.

Schulden in Millionenhöhe

Nach den Berichten in der Presse, kam zu heftigen Kontoschließungen, was zu einer Reduktion der Gesamteinlagen bei der FXdirekt führte.

Zudem sank auch die Handelsaktivität der Kunden dramatisch, wodurch die Einnahmen heftig zurückgingen. Bei (erst mal) konstanten Kosten kommt es in solchen Fällen schnell zur Insolvenz.

Die BaFin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, unter deren Aufsicht sich alle Finanzdienstleister befinden, ordert kurz vor Weihnachten ein Moratorium über die FXdirekt Bank an.

Seitdem ist kein Handel mehr mit der Bank möglich. Was dieses Moratorium genau ist, sehen Sie noch einmal mit Details im Video.

Aktuell besteht ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot für die FXdirekt zur Sicherung der Vermögenswerte. Man spricht von Schulden, die die FXdirekt Bank ihren Kunden schuldet, in Höhe von rund 17 Millionen Euro.

Besonders prekär: Es gab eine Nachricht der Bank an die Kunden, dass vom 21. – 26.12. aufgrund einer Systemumstellung kein Handel möglich ist, was durch die Meldung auf der Website der BaFin vom 21.12. recht unglaubwürdig erscheint.

Entschädigung für Kunden durch EdW

Zum Glück gibt es die Entschädigungseinrichtung für Wertpapierhandels-unternehmen (EdW). Sie dient zur Sicherheit von Anlegern gegen den Verlust ihrer Ansprüche aus Geschäften mit Wertpapieren.

Die Einrichtung soll besonders die Ansprüche von Kleinanlegern sichern und entschädigt Kunden bei eben solchen Fällen wie der Insolvenz einer Bank.

Allerdings: Die Rückzahlung ist auf 90% der Einlage und  maximal 20.000 Euro begrenzt.

Augen auf bei der Brokerwahl

Die Auswahl des Brokers ist also absolut entscheidend. Natürlich ist man nie gefeit davor, ein schwarzes Schaf zu erwischen, jedoch sollten Sie auf keinen Fall einen Broker wählen, der keine Gebühren verlangt.

Die Broker, die nichts kosten, müssten entweder den Laden dicht machen oder sich das Geld woanders besorgen, etwa durch Handel gegen den Kunden.

Mehr zu diesem Thema können Sie sich im heutigen Video ansehen

Dankenswerter Weise hat mich ein Leser darauf aufmerksam gemacht, dass meine Ausführungen zum Thema Entschädigung nur zum Teil vollständig waren.

Neben der gesetzlichen Einlagensicherung durch den EdW die max. 90% der Einlage, jedoch höchstens 20.000 Euro beträgt, gilt es noch die (mögliche) Insolvenzquote zu berücksichtigen.

Diese Information war mir zwar bekannt, ich habe jedoch aufgrund der niedrigen Insolvenzquoten, die es üblicherweise zu vermelden gibt, auf diese verzichtet, sozusagen wegen Geringfügigkeit.

Eine Recherche von mir ergab jedoch, dass die historischen und durchschnittlichen Insolvenzquoten bei Finanzdienstleistern, wie der FXdirekt Bank, in der Tat 35% betragen. Ich gebe zu, dass ich mit einer derlei hohen Quote absolut nicht gerechnet habe.

Deshalb an dieser Stelle noch einmal die Konkretisierung: Neben der gesetzlichen Entschädigung erhält der Anleger – auch bei Einlagen von über 20.000 Euro – seinen der Insolvenzquote entsprechenden Anteil!

Herzlichen Dank an dieser Stelle für den Leserhinweis.

3. Januar 2013

Heiko Seibel
Von: Heiko Seibel. Über den Autor

Jahrelang hat Chefanalyst, Diplom-Kaufmann und Master of International Economics Heiko Seibel in internationalen Brokerhäusern in Singapur und Hongkong gearbeitet und besucht noch heute regelmäßig Unternehmen in Südostasien. Sein Spezialbereich: CFDs.