China vor der Bankenkrise

Zum Start in die neue Woche geht es heute um die Entwicklungen am chinesischen Markt.

Dass sich dort etwas zusammenbraut ist mir schon vor einigen Tagen aufgefallen. Schauen wir uns nun an, was genau sich in China ereignet hat.

Bald Bankenkrise in China?

Nicht nur, dass der Einkaufsmanagerindex weiter fällt, nein, es geht um die Banken. Eine Bankenkrise scheint sich zusammenzubrauen.

Anders kann ich mir nicht erklären, warum der Übernachtzins im Interbankenmarkt auf sagenhafte 25% gestiegen ist. Ein Rekordwert!

Der Interbankenmarkt

Am Interbankenmarkt finden die Geschäfte zwischen den Banken statt.

Ein solches Geschäft wäre beispielsweise wenn die Commerzbank der Deutschen Bank auf dem Geldmarkt Geld leihen würde, um bestimmte Liquiditätsspitzen einerseits abzugeben und andererseits einzukaufen, weil man gerade Liquiditätsbedarf hat.

Diese Papiere – auch Repos (Repurchase Agreements) genannt – sind eigentlich etwas ganz Übliches. Man gibt diese Papiere in der Regel für eine gewisse Zeit heraus und kauft sie dann wieder zurück.

Im Video sehen Sie eine Übersicht über die Entwicklung der Repo-Zinssätze in China. Normalerweise gehen solche Geschäfte zu einem moderaten Zins über die Bühne.

Nun ist der Übernachtzins im Interbankenmarkt deutlich in die Höhe geschossen. Wenn die Finanzierungskosten auf solche Art und Weise steigen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Keiner traut mehr dem anderen

Das sind Anzeichen dafür, dass der Markt für Liquidität ausgetrocknet ist und nichts mehr hergibt. Warum trocknet ein solcher Markt aus, werden Sie fragen.

Das passiert ganz einfach dann, wenn keiner mehr dem anderen traut, weil er fürchtet, sein Geld nicht mehr zurückzubekommen.

Je höher das Ausfallrisiko, umso höher auch der Ausschlag im Zins. Abhilfe kann in einem solchen Fall nur die Notenbank durch Geldinjektionen schaffen.

Ähnliche Situation: Das Lehman-Desaster

Parallelen gibt es in der Geschichte durchaus: Kurz vor dem Lehman-Desaster stieg der so genannte TED-Spread auf Rekordhöhen.

Was danach folgte, ist jedem noch in bester Erinnerung. Man kann nur hoffen, dass es in China anders kommen wird.

Es lohnt sich für Sie als Trader auf jeden Fall, die Entwicklungen in China weiter zu beobachten.

Mehr zu diesem Thema können Sie sich im heutigen Video ansehen.

24. Juni 2013

Heiko Seibel
Von: Heiko Seibel. Über den Autor

Jahrelang hat Chefanalyst, Diplom-Kaufmann und Master of International Economics Heiko Seibel in internationalen Brokerhäusern in Singapur und Hongkong gearbeitet und besucht noch heute regelmäßig Unternehmen in Südostasien. Sein Spezialbereich: CFDs.