Die FED – ein zahnloser Tiger

Die amerikanische Notenbank FED wird durch den Kauf von Staatsanleihen weitere 45 Mrd. USD ins Finanzsystem pumpen, um dem Markt über die fiskalische Klippe zu helfen und ihn vor allem weiter mit der Droge, nämlich Geld, bei Laune zu halten.

QE-4 ist „on“ und läuft neben dem bereits im Herbst verabschiedeten QE-3, womit wir mit 85 Mrd. USD pro Monat an Notenbankgeld im Markt rechnen können. Das ist doch ein Wort.

Ungewöhnlich schwache Reaktion der Rentenmärkte

Die Reaktion des Markts auf diese Situation ist interessant. Tendenziell gibt es an Tagen nach FED-Beschlüssen meist Extrempunkte – das war gestern auch beim Aktienmarkt so. Verwunderlich ist aber die doch recht schwache Reaktion der Rentenmärkte.

Doppeltop beim 30-jährigen Bond

Schauen wir uns als Beispiel den Verlauf des 30-jährigen Bonds an. Sowohl der gestrige Handelstag als auch der Tag davor waren nicht sonderlich positiv.

Der Markt nimmt es jetzt mit der Aufwärtstrendlinie auf – 7 Mal hat der Markt bereits diese Linie getestet und auch das gestrige Tief lag auf dieser Linie.

Der Chart zeigt außerdem ein Doppel-Top, verbunden mit dem Kursziel von 145 Punkten.

Wenn wir erst einmal die Aufwärtstrendlinie bei etwa 147 Punkten durchbrechen, ist der Weg nach unten in Richtung des Kursziels und auch noch deutlich tiefer Richtung 140 Punkte nicht mehr weit.

Sie sollten also die Zinsmärkte in der nächsten Zeit genau im Auge behalten, denn hier könnte wirkliche Gefahr drohen – nicht nur für die Zinsmärkte selbst, sondern auch für die Metallmärkte, weil die Hortung von Gold, Silber & Co weniger attraktiv werden könnte.

Gestern war Gold einer der Tagesverlierer, und auch für Silber ging es bergab.

US-Anleihen verlieren an Wert

Warum nur verlieren dann die US-Anleihen an Wert? Es sind doch sie, die gekauft werden sollen.

Meines Erachtens glaubt der Markt nicht mehr daran, dass die Notenbank die Inflationsrate in Schach halten kann, das lässt die Risikoprämien steigen und somit die Renditen anziehen.

Zwar geht Bernanke von einer Inflationsspanne in den kommenden zwei Jahren zwischen 1% und 2,5% aus, aber Bernanke spricht von „unserer Inflationsprojektion“, also vom hauseigenen FED-Modell, frei nach dem Motto, was kümmert uns die offizielle Inflationsrate.

Der Zinsanstieg wäre jedenfalls ein Zeichen dafür, dass die FED ihre Zähne verliert, der Markt würde der Notenbank sein Vertrauen entziehen. Das wäre Gift für die Risikomärkte!

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14. Dezember 2012

Heiko Seibel
Von: Heiko Seibel. Über den Autor

Jahrelang hat Chefanalyst, Diplom-Kaufmann und Master of International Economics Heiko Seibel in internationalen Brokerhäusern in Singapur und Hongkong gearbeitet und besucht noch heute regelmäßig Unternehmen in Südostasien. Sein Spezialbereich: CFDs.