Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit – was unterscheidet USA und Europa?

Wer auf die Umwelt achtet und nachhaltig wirtschaftet, hat langfristig mehr Erfolg Auf der Collision in New Orleans diskutierten die Umweltaktivistin Christina Figueres, Suzanne DiBianca von Salesforce und Gillian Tans über die Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten insbesondere von Technologieunternehmen. Und sie waren sich einig, dass Reichweite und Wachstum gerade in dieser Branche eine große Chance darstellen. Doch die Branche selbst weist große Unterschiede auf, je nachdem ob man sie in Europa oder in den Vereinigten Staaten betrachtet. So steht zum Beispiel die Frage, ob die großen US-Unternehmen unter besonderem Druck stehen, die Maßnahmenlücke zu schließen, die seit dem offiziellen Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen entstanden ist.

 

Gillian Tans, CEO, Booking.com

 

Es ist immer eine gemeinsame Anstrengung. Niemand wird es allein schaffen, ob es ein Land ist, ein Unternehmen oder ein Mensch. Es geht nur gemeinsam. In diesem Sinne kann man viele Firmen aktiv werden sehen, was ich großartig finde. Wenn jetzt einzelne Länder Entscheidungen treffen, voranzugehen – oder eben nicht, dann ist es schon mal gut, dass sich gewisse Standards etablieren. Sehr wichtig ist für mich aber, dass jetzt transparenter ist, was es bedeutet, dieses Standards zu erfüllen und die Klimaziele zu erreichen. Unternehmen wie Menschen verstehen, was notwendig ist, welche Schritte erforderlich sind, um es zu schaffen. Alles in allem wird das sehr helfen.

 

Frage: Wie sieht das Geschäftsmodell aus, mit dem Unternehmen „grün“ werden können?

 

Bei Booking haben wir dafür ein klares Konzept, was gut ist für die Konsumenten – und damit auch für das Geschäft. Und wenn ich mir uns so anschaue, ergibt das eine Menge Sinn. Die Schwierigkeit ist, dass es dafür viel Strategie und Planung braucht über das gesamte Ökosystem des Tourismus hinweg. Das macht es komplexer. Aber schließlich – und das wird Zeit brauchen – werden wir uns damit besser stellen. In unserem Einflussbereich tun wir immer mehr, weil es eigentlich nie genug ist. Doch als Unternehmen müssen sie die Verantwortung für das übernehmen, was sie tun können.

 

Frage: Welches Technologieunternehmen wäre in diesem Sinne ein Vorbild? Und was können junge, kleine Unternehmen tun?

 

Suzanne DiBianca, Chief Philanthrophy Officer, Salesforce

 

Ich denke, es gibt da einige Beispiele: Apple macht eine Menge interessante und innovative Dinge. Ich schaue mir das Unternehmen besonders mit Blick auf die erneuerbaren Energien rund um Gebäude an. Das haben die wirklich toll gemacht. Nun, was können Startups tun? Ich denke, schaut Euch Eure Produkte an, Eure Dienstleistungen. Wen könnt Ihr unterstützen, welchen NGOs könnt Ihr helfen. Und auch, wie kriegt Ihr Eure Leute dafür begeistert.

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Gillian Tans, CEO, Booking.com

 

Ich hätte jetzt auch Apple gesagt, Ich denke aber, auch Lyft ist so ein Unternehmen, das Projekte mit erneuerbaren Energien fördert. Da kann man eine Menge Entwicklungen beobachten.

 

Christiana Figueres, Convenor, Mission 2020.

 

Ich würde noch Google hinzufügen. Sie setzen auch zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien. Und sie haben eine Firma aus dem Bereich künstliche Intelligenz gekauft. Diese analysiert, wie man den Energieverbrauch optimieren kann, also wie kann man die Energierechnung reduzieren, was eigentlich ein Win-win ist.

 

Frage: Was sagen Sie App-Entwicklern, die dem Einzelnen oder Kleinstfirmen helfen wollen, „grüner“ und nachhaltiger zu arbeiten?

 

Christiana Figueres, Convenor, Mission 2020.

 

Ich glaube, das Denken hat sich verändert. Früher dachten wir, viele der Ressourcen, die wir verbrauchen, seien unerschöpflich. Das ist nicht wahr! Jetzt brauchen wir ein energie- und ressourceneffizientes Denken. Und wir müssen klare Intentionen haben, was auch immer das Geschäftsmodell ist, was immer die Produkte sind. Wie kann ich die besten Produkte, die besten Services, die besten Erfahrungen für die Konsumenten bieten, während ich gleichzeitig so ressourceneffizient wie möglich bin. Welche Ressourcen auch immer ich nutze. Ob das nun Energie ist, Wasser oder etwas anderes, was einen Footprint hinterlässt. Denn wir haben kritische Grenzen erreicht und müssen deshalb aktiv werden. Die ganze Sache ist – wir haben es mehrfach gesagt: Die Kunden wollen es. Deswegen wird bereits Kapital in diese Richtung umgeschichtet. Es gibt Regulierung in diese Richtung. Es gibt Technologie, die hilft, und auch eine Nachfrage. Wenn alle vier Faktoren zusammenkommen, was sie tun, dann haben Sie das, was das Sprichwort beschreibt: Veränderung mag vielleicht mehr Zeit brauchen, als Du denkst. Aber sie kommt schneller, als Du geglaubt hast.

Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.