Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit – was zählt er für die Big Player?

Digitalisierung und Geschäft – das ist im wesentlichen immer die Geschichte der großen Wetten. Großartiges Wachstum, große Zahlen, große Erfolge. Oder auch Scheitern im großen Stil. Das Tempo, in dem die Szene dieses Spannungsfeld durchmisst, ist für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Das sieht mit Nachhaltigkeit anders aus. Es klingt nach Bleibendem. Und nach Werten. Auf der Collision in New Orleans stellten sich Experten der Frage, ob und wie dieser vermeintliche Widerspruch aufzulösen sei. Die These: gerade Big Player müssten sich auch den großen globalen Problemen stellen. Wer könnte, sollte beispielsweise maßgeblich den Kampf gegen den Klimawandel voranbringen…

 

Christiana Figueres, Convenor, Mission 2020:

 

Wir müssen hier klar zwischen dem Weißen Haus und der amerikanischen Wirtschaft unterscheiden. Das Weiße Haus hat seine Postion deutlich gemacht. Die Wirtschaft bewegt sich derzeit aber nach vorn. Wir haben eine wachsende Zahl von Staaten, Städten, Regionen und auch Unternehmen hier, die den CO2-Ausstoß reduzieren, weil es geschäftlich Sinn ergibt. Das ist der wichtige Punkt. Es ergibt geschäftlich Sinn und stärkt die Volkswirtschaft. Deshalb machen sie es. International genauso. International sehen wir große Volkswirtschaften wie China, Indien, Brasilien oder Mexiko einen ähnlichen Kurs fahren. Eben weil es die Ökonomie stärkt. Die Kohlendioxid-Reduzierung ist unumkehrbar und nicht zu stoppen. Die Herausforderung ist aber die Geschwindigkeit. Und deshalb ist die heutige Diskussion so wichtig. Ich bin der Überzeugung, dass der Tech-Sektor in einer entscheidenden Position ist, den Prozess der Co2-Reduktion zu beschleunigen. Denn er kann drei Dinge tun: 1. Die meisten Unternehmen haben ihren Co“-Ausstoß schon zurückgefahren, indem sie erneuerbare Energiequellen nutzen. Das ist fantastisch. 2. All diese Firmen haben eine erweiterter Wertschöpfungskette, entlang der sie andere Partner dafür gewinnen können, die Emmissionen zu reduzieren. Aber das spannendste ist, dass sie ihre Produkte und Dienstleistungen nutzen, die Emissionen der Weltwirtschaft insgesamt zu reduzieren. Warum? Weil der Tech-Sektor der Bereich ist, der uns die bequeme Nutzung von allem ermöglicht. Und damit auch die energieeffizientere Nutzung von allem. Wir reden hier von geringerem Energieverbrauch und davon alles, was wir tun, leichter zu tun. Das beschreibt die aufregende und strategische Positionierung des Tech-Sektors.

 

Frage: Was können die führenden Technologiefirmen für die Reduzierung von Emissionen tun?

 

Suzanne DiBianca, Chief Philanthropy Officer & EVP Corporate Relations, Salesforce

 

Ich denke, es hat uns hart getroffen, als die USA als Land aus dem Pariser Klimavertrag ausgestiegen sind. Und wir müssten neu darüber nachdenken, wie wir die Geschäfte vorantreiben können. Wenn ich also überlege, was kann Salesforce tun und was kann ein Startup tun – und irgendwie ist es das gleiche – dann ist es vor allem die eigenen Emissionen zu reduzieren. Wir haben vergangenes Jahr erklärt, wir wollen eine Net Zero-Company werden, eine die unterm Strich keine Treibhausgase mehr produziert. Jetzt sind wir es. 33 Jahre vor dem Zieldatum unserer Verpflichtung. Wir bieten unseren Kunden eine Co2-neutrale Cloud, indem wir unseren gesamten Energieverbrauch sehr strategisch ausgleichen, indem wir in VPPAs , also spezielle Verrechnungsinstrumente, investieren, zum Beispiel in Texas und in West Virginia. Das hilft uns am langen Ende, Geld beim Energieverbrauch zu sparen. Unser Finanzvorstand als Teil unseres Teams liebt diesen Prozess. Es geht aber auch um die Einbeziehung unserer Mitarbeiter. Wir tun eine Menge, indem Umweltorganisitionen unsere Plattform unentgeltlich nutzen können, unterstützen sie mit Freiwilligenarbeit in unserer Community. Aber insbesondere denke ich an ein Beispiel, wenn es darum geht unsere eigenen Produkte und Dienstleistungen zu nutzen. Dabei muss man sich als Firma alle seine Assets anschauen. Eines davon ist unser Wagnisbereich. Wir sind der drittgrößte Investor weltweit. Also haben wir uns gefragt, wie wäre es, dem Geschäft eine besondere Richtung zu geben über das so genannte Impact Investing. Und wir haben nach vielversprechenden Clean Tech-Unternehmen gesucht, und IoT-Unternehmen. Da stecken wir jetzt Kapital rein. Wir arbeiten also über unsere Leistungen, unseren Einkauf, und als Basisplattform haben wir ein großes Investment in die Analyse gemacht. Ich habe zum Beispiel eine App auf meinem Handy, die mir zeigt, wo meine Emissionen sind. Das zeigen wir übrigens auch unseren Kunden. Es ist also in meine Energiebilanz integriert, so dass ich nach Regionen erkennen kann, wo verbrauche ich Energie, wo fließen meine Dollar hin.

 

Frage: Wie reagiert eine Online-Reiseplattform, die auch eine Menge Flüge mit stetig steigenden Co2-Emissionen anbietet, auf die Herausforderungen, ohne sich selbst aus dem Geschäft zu nehmen?

 

Gillian Tans, CEO, booking.com:

 

Unsere Mission ist, den Menschen zu ermöglichen, die Welt zu erfahren. Daher bieten wir zahlreiche Destinationen in der ganzen Welt an, wo die Reisenden hinwollen. Aber wir haben schon vor langer Zeit entschieden, eine aktive Rolle im nachhaltigen Tourismus zu spielen. Und das tun wir an verschiedenen Fronten. Wir haben zum Beispiel, was wir den Booking Booster nennen. Wir haben Labs, in denen wir unsere technologische Expertise mit finanziellen Mitteln verbinden, um Startups aus dem Bereich nachhaltiger Tourismus überall in der Welt mit Wissen und Kapital zu helfen. Wir tun das bei ihnen vor Ort. Aber wir bringen sie auch jedes Jahr in Amsterdam zusammen. Wir wirken als Mentoren, um sicherzustellen, dass ihre Wirkung und ihr Erfolg über die Jahre größer werden. Wir haben ein Freiwilligen-Programm, um einzelnen Destinationen zu helfen. Vergangenes Jahr haben sich die Booking-Mitarbeiter 45-tausend Stunden für diese Destinationen beim Aufbau von nachhaltigem Tourismus engagiert. Und wir betreiben eine Menge Research rund um die Kunden, um besser zu verstehen, wie wir ihnen helfen können, wonach sie suchen. Dabei können sie sehen, dass sich 87 Prozent der Menschen für ein umweltfreundliches, nachhaltiges Angebot entscheiden würden. Das ist ein sehr interessante Information. Ich denke mir dann immer, es würde helfen, wenn Unternehmen mehr auf ihre Kunden hören. Denn die wollen richtige Entscheidungen treffen. Aber 4 von 10 Menschen sagen, dass sie diese Angebote nicht finden. Booking betreibt als den Research, um herauszufinden, was die Kunden möchten und wie können wir das möglich machen mit Ökolabeln und allen möglichen Aktivitäten.

Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.