Euro-Krise: Die nächste Verschärfung steht schon vor der Tür

Es ist doch schon komisch, wie wenig das Thema Euro-Krise aktuell noch eine Rolle spielt in der öffentlichen Wahrnehmung. Viele Investoren sind einfach zur Tagesordnung übergegangen – das hat mir auch der Besuch der INVEST  wieder gezeigt.

Für die meisten Experten ist es nur noch eine Frage von Tagen oder höchstens Wochen bis der DAX beispielsweise den Sprung über die 10.000 Punkte Marke starten wird. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass es schon bald zu einer deutlichen Korrektur kommen wird.

Die Börsen haben sich schlicht und einfach viel zu stark von der realwirtschaftlichen Lage abgekoppelt. So sagte ich auf dem Lesertreffen in Stuttgart: „Bei einem Wirtschaftswachstum von mickrigen 0,4% im vergangenen Jahr sind die Börsenkurse um bis zu 25% gestiegen – das passt einfach nicht zusammen.“

Mit dieser Meinung nehme ich im Kreis der Finanzexperten sicherlich eine Außenseiterstellung ein – doch das bin ich gewöhnt. Schon seit 1996 bin ich als Eurokritiker aktiv. Und Sie können sich vorstellen, wie stark die Anfeindungen gegen mich im Vorfeld der Euroeinführung waren. Auch da habe ich jahrelang die Rolle des Außenseiters eingenommen.

Ich erinnere mich noch gut an eine Bankentagung, bei der ich damals im Publikum saß. Dem Vertreter der Bundesbank legte ich da eine Grafik zur Entwicklung der Lohnstückkosten in Europa vor. Seine direkter Aufruf an mich lautete sofort: „Lassen Sie diese gefährliche Grafik verschwinden.“

Was steckte dahinter? Im Grunde ist das ein Kern der Euro-Krise. Im Euro sind viele Länder zusammengefasst, die eben ökonomisch überhaupt nicht zueinander passen. Ein Signal dafür sind die zum Teil massiven Unterschiede bei den Lohnstückkosten. Je niedriger dieser Wert, desto besser. Doch viele Länder im Süden Europas haben massive Zuwächse bei den Lohnstückkosten von mehr als 30% über einen Zeitraum von zehn Jahren zu verkraften.

Schauen Sie sich das Streitgespräch zwischen Rolf Morrien und mir jetzt online an

So etwas kann nicht funktionieren – vor allem auch wenn das früher gängige Mittel der Währungsabwertung für die schwachen Länder nicht mehr existiert. In einem gemeinsamen Währungsraum gilt eben das Motto: „Mitgehangen – Mitgefangen“.

Diese Position habe ich auch wieder beim Streitgespräch auf der INVEST mit meinem Kollegen Rolf Morrien vertreten. Falls Sie nicht in Stuttgart mit dabei sein konnten, habe ich heute ein tolles Angebot für Sie: Unsere Techniker haben den Mitschnitt des Streitgesprächs ganz schnell fertiggestellt und jetzt ins Internet gestellt (direkt am Anfang dieses Beitrags).

Sie können die packende Diskussion von Rold Morrien und mir noch einmal komplett ansehen. Ich verspreche Ihnen: In diesen rund 30 Minuten lernen Sie viel über die aktuelle Lage an den Kapitalmärkten.

Neben dem Streitgespräch hatten wir auch noch eine spannende Fragerunde am GeVestor-Stand im Anschluss. Den Mitschnitt will ich Ihnen nicht vorenthalten:

Außerdem haben neben mir noch weitere meiner Kollegen von GeVestor spannende Vorträge gehalten. Auch diese haben unsere Techniker samt Folien der Vorträge ins Internet gestellt. Sie können die Vorträge als PDF herunterladen oder sich die Videos zu den Vorträgen direkt ansehen.

17. Juli 2014

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.