„Handschellen“ behindern die Wall Street

Ben Bernanke UND bessere Konjunkturzahlen können zusammen nicht sinkende Aktienkurse verhindern.

Die führenden Aktien-Indizes in New York – die Anleihe-Notierungen ebenfalls – fallen. Und das, obwohl die Fed ab Januar monatlich 85 Milliarden Dollar in den Markt pumpen wird.

Und obwohl die Verkäufe im Einzelhandel und die Industrieproduktion im November in den USA stiegen.

“Die Märkte würden liebend gerne die Nachricht von einem Kompromiss bei den Budget-Verhandlungen in Washington vernehmen, dann würden die Kurse den besseren Wirtschaftsdaten Rechnung tragen.“ Das erklärt David Chalupnik.

Er ist Aktienstratege beim Vermögensberater Nuveen Asset Management in Minneapolis.

Der DOW, der S&P 500 und die Nasdaq büßten in der vergangenen Woche alle etwas weniger als 0,5% ein. Für die Aktien in New York war es der erste Wochenverlust in einem Monat.

Aktien und Anleihen – Im Gleichschritt nach Süden

Dass im Augenblick die Anleihepreise mit den Aktien im Gleichschritt nach unten gehen, überrascht uns nicht: Die jüngste Ankündigung der Fed vom Mittwoch für QE4 signalisiert mehr Toleranz gegenüber der Inflation.

Das setzt den Dollar unter Druck und zügelt den Hunger nach Investments am Anleihemarkt.

Der Nachteil an dieser Entwicklung ist jedoch, dass die Zinsen steigen.

Das wollen die Währungshüter nicht. Und die Verbraucher auch nicht, weil ihre Konsumkredite teurer werden.

Die Börsianer wollen das schon zweimal nicht, weil in diesem Szenario die Konjunktur an Schwung verliert.

Und das droht sowieso schon. Denn ohne einen Kompromiss bei den Budget-Verhandlungen bis Jahresende – danach sieht es aktuell leider aus – kommen kräftige automatische Steueranhebungen.

Am besten fasst die aktuelle Stimmung an der Wall Street der Analyst Ryan Detrick bei Schaeffer´s Investment Research zusammen: „Der Markt „hat Handschellen an.“

Das heißt auf Deutsch: Die Aktien an der Wall Street wollen nach oben, doch die Unsicherheit über den möglichen Ausgang der Budget-Gespräche hindert sie daran.

Das ist der Grund, warum es am Freitag selbst die Rally in Shanghai mit einem Plus von über 4% nicht vermochte, die Börsianer in New York mit guter Laune anzustecken.

Der Rebound in der Industrieproduktion von China – der zweitgrößten Volkswirtschaft auf dem Planeten – lässt die Anleger in New York so kalt, wie die jüngste Ankündigung von Ben Bernanke.

Dessen neue Liquiditäts-Spritze hat am Mittwoch nur für ein paar Stunden die Wall Street angefeuert. Dann gingen die Aktienkurse jedoch gleich wieder zurück.

„Die Risiken rund um das Budget-Kliff überlagern die guten Nachrichten von der Konjunktur“, sagt Oliver Pursche. Er ist Präsident beim Finanzdienstleister Gary Goldberg Financial Services.

Zu dem Handschellen-Effekt in New York trägt auch die fortgesetzte Kurskorrektur bei Apple bei.

Vom Allzeithoch am 19. September bei 702,10 Dollar hat sich der Wert jetzt 27% entfernt.

Apple – Trägt zur Verunsicherung bei

Dazu trug am Freitag der jüngste Kurseinbruch von 3,8% bei. Apple notiert jetzt nur noch knapp unter 510 Dollar.

Und während sich viele Anleger fragen, ob das schon wieder Einstiegskurse sind, kommen neue negative Nachrichten.

Der UBS-Analyst Steven Milunovich drosselt seine Kurs-Prognose für Apple, von 780 auf nur noch 700 Dollar. Die Begründung: Langsamere Zuwächse beim Verkauf von iPhones und iPad.

Das scheinen Berichte in US-Medien vom Wochenende zu bestätigen.

Lieferanten von Apple sollen in den vergangenen 72 Stunden deutlich nach unten korrigierte Bestell-Orders erhalten haben.

Was machen, wenn der Tech-Primus nicht mehr hilft, sondern bremst ? Wenn selbst bessere Konjunkturzahlen nicht beflügeln ? Wenn auch die Notenbank keine Wirkung zeigt?

Und wenn bei so viel Gegenwind an der Wall Street die Kurse nur leicht korrigiert haben ?

Die Antwort fällt für uns alle, die wir gerne am Aktienmarkt kaufen und verkaufen, etwas unbefriedigend aus: Im Augenblick ist Abwarten und Teetrinken vielleicht die beste Strategie.

Es sei denn, wir bekommen ein paar heiße Tipps.

17. Dezember 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.